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Chile Historisches Urteil zu Verbrechen der Militärdiktatur
Cristina Godoy, Laura Ramsay, Beatríz Bataszew, Sara de Witt, Alejandra Holzapfel und Clivia Sotomayor – im Namen dieser sechs Frauen wurde in Chile ein Urteil gegen drei Agenten der DINA (Inteligencia Nacional – Nationaler Geheimdienst) gefällt. Auch deren Namen seien hier genannt, der Gerechtigkeit halber: Raúl Iturriaga Neumann, Manuel Rivas und Hugo Hernández. Diese Männer wurden wegen Entführung und Anwendung von Folter zu je 15 Jahren Haft verurteilt. Außerdem verurteilte Richter Mario Carrazo den chilenischen Staat zu Entschädigungszahlungen von jeweils 80 Millionen Pesos (knapp 88.000 EUR) an die Opfer; neben den sechs genannten Frauen auch an vier Männer. Kommentatoren sprechen von einem beispiellosen, ja historischen Urteil in der chilenischen Justiz. Zum ersten Mal wurde in die Urteilsfindung wegen Verbrechen während der Pinochetdiktatur eine geschlechtsspezifische Perspektive einbezogen. Das Gericht anerkannte ausdrücklich, dass den entführten Personen nicht nur schwerwiegende körperliche und geistige Leiden zugefügt wurden, sondern dass sie auch systematisch und massiv sexueller Gewalt ausgesetzt waren. Die sechs Frauen waren in der „Venda Sexy“ inhaftiert, einer geheimen Folterstätte in Santiago de Chile, in der vor allem Frauen systematisch sexuell missbraucht wurden. Unter den DINA-Agenten tat sich auch eine Frau deutscher Abstammung hervor, Ingrid Olderöck, eine Majorin, die als „Frau mit den Hunden“ bekannt war. Wer auch nur einen flüchtigen Blick in den sogenannten Valech-Bericht, den Bericht der Nationalen Kommission für politische Inhaftierung und Folter, geworfen hat, weiß, was dieses „mit den Hunden“ für die inhaftierten Frauen bedeutete. Richter Carroza bezeichnete die Behandlung der Gefangenen als „entmenschlicht, erniedrigend und missbräuchlich“. Beatríz Bataszew, eine der Klägerinnen betonte, dass dieses Urteil sehr wichtig, aber nicht ausreichend sei, denn es vernachlässige den politischen Charakter dieser Gewalt (Bildquelle: ciberprofe_CC).
Bolivien: In Chimoré schließt sich der Kreis
Gestern hat Evo Morales seinen tausend Kilometer langen Weg aus dem argentinischen Exil mit einer machtvollen Massenkundgebung in Chimoré beendet. In dem knapp 200 Kilometer von der Departamentshauptstadt entfernten Ort hatte der Ex-Präsident Boliviens, der das Land von 2006 bis 2019 regierte, seine politische Karriere als Gewerkschaftsführer der Kokabauern begonnen. Vor genau einem Jahr, am 12. November 2019, war er vom Flughafen der an der Ruta 4 gelegenen Hochburg der Cocaleros zusammen mit Mitgliedern seiner Regierung in einem Flugzeug der mexikanischen Luftwaffe außer Landes und damit in Sicherheit gebracht worden. Mit seiner gefeierten Rückkehr bestätigt Evo Morales erneut seine unangefochtene Stellung an der Spitze der sozialen Bewegungen Boliviens. Unterdessen hat Luis Arce, der am Sonntag sein Amt als Präsident des Landes angetreten hatte, in La Paz seine Ministerriege vorgestellt. Ihr gehören drei Frauen sowie 13 Männer an. Rogelio Mayta ist für die Außenbeziehungen Boliviens verantwortlich und der bekannte Rechtsanwalt Edmundo Novillo übernimmt das Amt des Verteidigungsministers. Zusammen mit María Nela Prada, die als Ministerin dem Präsidenten direkt untersteht, Marcelo Alejandro Montenegro als Wirtschaftsminister, Felima Gabriela Mendoza als Ministerin für Planung und ihren übrigen Mitgliedern präsentiert sich die neue Regierung als Balance aus jungen und erfahrenen Politikern. Wie Arce bei seiner Amtseinführung betont hat, befindet sich das Land in einer dreifachen Krise: Der Putsch gegen Evo Morales hat das Land nicht nur in ein Krise der Demokratie, sondern auch in eine tiefe ökonomische Krise gestürzt. Das Bruttoinlandsprodukt ist um11,1 Prozent geschrumpft, das Steuerdefizit beläuft sich auf 12,1 Prozent und in den letzten elf Monaten haben sich die Staatsschulden um 4,2 Milliarden US-Dollar erhöht. Hinzu kommt die Krise der Gesundheitssystems, das unter der Last der Covid-19-Pandemie faktisch zusammengebrochen ist. Angesichts dieser Probleme stehe seine Regierung vor gewaltigen Herausforderungen, die nur gemeinsam zu meistern seien, betonte Luis Arce. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_pg).
Söhne der Sonne. Die Azteken – Eine Dokumentation aus der Reihe Terra X

Drei Filme über lateinamerikanische Hochkulturen, das klingt interessant und weckt a priori großes Interesse. Söhne der Sonne heißen diese Dokumentationen und beschäftigen sich mit den Maya, Inka und Azteken. Aber wie das nicht selten so ist, sehr schnell mischt sich ein Wermutstropfen in die Quetzal-Vorfreude: Die Dokumentationen gehören zur Reihe ...
Die zentralamerikanischen Maras und ihre (sub)kulturellen Symbole – (1) Tattoos

Über die Maras, jene gewalttätigen Jugendbanden, die in den USA und Zentralamerika ihre Wurzeln haben, aber längst schon die Grenzen des amerikanischen Kontinents, auch nach Europa, überschritten haben, wird schon lange und viel geschrieben. In Honduras, El Salvador und Guatemala sind sie nach wie vor der Gewaltakteur schlechthin, der zig tausende Morde zu verantworten hat. In Costa Rica und Nicaragua gibt es ...
Refundación 2.0? Bolivien nach der Wahl vom 18. Oktober 2020

Am 18. Oktober 2020 haben rund 6,5 Millionen Bolivianer und Bolivianerinnen darüber entschieden, wer in den nächsten fünf Jahren ihr Land regieren wird. Die Entscheidung fiel überraschend eindeutig aus: Das Duo Luis Arce und David Choquehuanca, das bei den Präsidentschaftswahlen für den Movimiento al Socialismo (MAS) angetreten war, erhielt ...
Chile: Überwältigende Mehrheit für Ausarbeitung einer neuen Verfassung
Am Sonntag, den 25. Oktober, stimmte die große Mehrheit von gut 78% der ChilenInnen in einem Referendum dafür, dass eine neue Verfassung für ihr Land ausgearbeitet werden soll, knapp 22% stimmten dagegen. Die Wahl sollte ursprünglich schon im April dieses Jahres abgehalten werden, wurde aber wegen der Corona-Krise um ein halbes Jahr verschoben. Bezeichend ist, dass in insgesamt nur 5 Gemeinden das „Nein“ gewann. Entsprechend wurde im ganzen Land gefeiert, insbesondere auf dem Platz Baquedano in der Hauptstadt Santiago, der seit Beginn der Massenproteste vor einem Jahr von den Protesierenden in Plaza de la Dignidad (Platz de Würde) umbenannt worden war. Damals hatten sich dort zeitweise bis zu 1,2 Millionen Menschen versammelt, welche insbesondere auch gefordert hatten, dass die Verfassung von 1980 abgeschafft werden müsse, die noch aus Zeiten der Militärdiktaur unter Augusto Pinochet stammt. Ihrer Meinung nach verhindert sie, dass tiefgreifende Reformen für mehr Gleichberechtigung, die Anerkennung indigender Völker sowie die Etablierung eines umfassenden Wohlfahrtsstaats durchgeführt werden können. Bei dem Plebiszit ging es auch darum, wie die neue Verfassung ausgearbeitet werden soll. Dabei sprachen sich die WählerInnen mit knapp 79% für eine verfassungsgebende Versammlung aus, anstatt eines gemischten Gremiums mit 50% Beteiligung der ParlamentarierInnen des Landes. Diese historische Wahl hatte auch eine auβergewöhnlich hohe Wahlbeteiligung von 50,8%, weit höher als jene der vergangenen Wahlen – und das trotz der Corona-Pandemie. Nun sollen im April des kommenden Jahres die Mitglieder der verfassungsgebenden Versammlung von der Bevölkerung direkt gewählt und im Jahr 2022 ein erneutes Referendum abgehalten werden, bei dem über den vom Gremium erarbeiteten Verfassungsentwurf abgestimmt werden wird. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_fernando-codoceo).
Die Kolumbianerin, die ihr Leben der Rettung des Amazonas widmet

Ángela Maldonado ist Unternehmenskoordinatorin, aber ihr Leben hat eine entscheidende Wendung genommen. 1993 rettete sie einen Braunen Wollaffen, und vier Jahre später befreite sie diesen Primaten aus einer Tropenstation in der Provinz. Dort konnte er sich wieder seinen wildlebenden Artgenossen anschließen, was in solchen Fällen selten noch ...
Mexiko/Guatemala: Ex-Guerilla-Comandante Julio César Macías festgenommen
Am 10. Oktober 2020 wurde im mexikanischen Bundesstaat Guerrero der 78jährige, inzwischen legendäre Guerilla-Ex-Comandante Julio César Macías alias César Montes – im Kontext einer konzertierten Aktion mexikanischer und guatemaltekischer Sicherheitskräfte – von Interpol festgenommen und nach Malacatán in San Marcos, Guatemala, ausgeflogen. Die mexikanische Regierung begründete seine Ausweisung damit, dass er illegal nach Mexiko eingereist sei. Macías galt als der meistgesuchte Mann Guatemalas. Ihm werden ein versuchter Mord, illegale bewaffnete Vereinigung und der Mord an drei Soldaten, dies am 3. September 2019 im Ort Semuy II, in El Estor, Izabal, Guatemala, zur Last gelegt. Drei weitere Soldaten wurden verwundet, drei andere flohen. Macías bestreitet seine Schuld an der Ermordung der drei Soldaten. Er sei zu dieser Zeit gar nicht vor Ort gewesen, sondern in Zacapa, und auch ein Befehl „über die Distanz“ sei von ihm nicht ergangen. „Wenn ich es gewesen wäre“, so setzte er fort, „wäre keiner der neun Soldaten mehr am Leben. Es waren die Bauern.“ Das Konfliktszenario wird in den Quellen unterschiedlich hinterfragt: 1) Haben die Morde damit zu tun, dass es sich um das Gebiet einer Landebahn für Flugzeuge im Kokain-Schmuggel handelte? 2) Sind es wütende Bauern gewesen, die ihre Vertreibung von den ihnen rechtmäßig zuerkannten Ländereien befürchteten? 3) Ging es in Wirklichkeit um Bergbauminen? 4) Haben zuerst die Soldaten geschossen oder die Dorfbewohner oder eine von Macías befehligte paramilitärische Gruppe? César Macías hat 36 Jahre seines Lebens in Guerillas verbracht. In Guatemala waren darunter das Movimiento 13 de Noviembre und, ab 1963, die Fuerzas Armadas Rebeldes (FAR), deren Comandante en Jefe er war, aber auch das 1972 gebildete Ejército Guerrillero de los Pobres (EGP), als dessen Chef Macías bis 1978 figurierte. 1981 wechselte er zur FMLN nach El Salvador, hier zur Resistencia Nacional (RN oder auch FARN) nach Guazapa, um schließlich, ab 1985, die Spezialtruppen des Innenministeriums im sandinistischen Nicaragua zu unterstützen. 2001, längst wieder in Guatemala und Jahre nach dem dortigen Friedensabkommen, übernahm er die Leitung der Fundación Turcios Lima (die u.a. 13 Bataillone mit 11.000 Bauern unter Waffen hält), eine Funktion, die er genauso wie die des Ko-Präsidenten der Internacional Guevarista noch immer innehat. Macías‘ Bewunderer vergleichen ihn gar mit dem Che, den der Bewunderte auch noch persönlich gekannt hat. Doch anders als es Che je getan hätte, schreibt und spricht Macías schon einmal in der dritten Person von sich. Seine Inhaftierung hat die guatemaltekischen staatlichen Institutionen sehr zufrieden gestimmt: Macías sei eine Bedrohung für das Land gewesen, mit seinen Leuten in Fincas eingedrungen, habe dort Privateigentum zerstört und Entführungen von Landbesitzern und Unternehmern angedroht und unternommen. In Mexiko hingegen werden Stimmen laut, die Macías‘ Auslieferung verurteilen, denn er sei in diesem Land als politischer Flüchtling anerkannt gewesen, und Mexiko habe sich traditionell darauf verpflichtet, in solchen Fällen Asyl zu gewähren. Linke lateinamerikanische Intellektuelle und Politiker haben an den guatemaltekischen Präsidenten Alejandro Giammattei einen Brief verfasst und darin ihrer Sorge um das Leben von Macías Ausdruck gegeben. Für seinen Guerilla-Alias „César Montes“ hatte Macías schon längst, bereits 1997, den „Epitaph“ verkündet (vgl. Bild). Seitdem wollte er, als Julio César Macías, nur noch dem Frieden dienen. (Bildquelle: CoverScan).
Wie Kolumbien mehrfach leidet – Tod und Repression vermehren sich in Zeiten der COVID-Pandemie in Kolumbien

Im März 2020 begannen die Fälle von Coronavirus-Infektionen in Kolumbien zu steigen. Die Regierung hat deshalb am 17. März beschlossen, den nationalen Notstand auszurufen. Diese Notstandsmaßnahme wird nach mehreren Verlängerungen voraussichtlich noch bis zum 30. November in Kraft bleiben ...
Argentinien: Sind Brände ebenso unaufhaltsam wie das Gewinnstreben?
In zwölf der insgesamt 23 Provinzen Argentiniens sind dieses Jahr großflächige Brände ausgebrochen. In acht Provinzen sind die Feuerwehren immer noch mit der Brandbekämpfung beschäftigt. Den offiziellen Zahlen zufolge fielen bislang ca. 770.000 Hektar dem Feuer zum Opfer. Dies und die in den letzten Jahren zunehmende Erweiterung der landwirtschaftlichen Anbaugebiete hat nach Meinung der Fachleute erhebliche Auswirkungen auf die Biodiversität. Auch wenn die Entstehung von Bränden mit dem Klimawandel verbunden ist, steht dennoch fest, dass die Feuersbrünste in 75 Prozent der Fälle von Menschen verursacht wurden. Obwohl das herkömmliche Verfahren der Erneuerung von Weideflächen gelegentlich zur Entstehung von Bränden führt, liegen UmweltaktivistInnen zufolge die wichtigsten Ursachen der Brände bei der Immobilienspekulation, die vor allem von Großgrundbesitzern und Bergbaugesellschaften praktiziert wird. Dies zeige sich darin, dass es sich bei den Gebieten, die oftmals dem Feuer zum Opfer fallen, um geschützte und sogenannte „unproduktive“ Grundstücke handelt. Im Ergebnis der Brände ist es den Spekulanten möglich, die bislang als Naturreservat geschützten Gebiete zu niedrigen Preisen zu kaufen, um sie dann in produktive Flächen umzuwandeln. In diesem Zusammenhang sieht eine von der regierenden Partei Frente de Todos (FT) vorgeschlagene Änderung des Gesetzes „Über die Handhabung des Feuers“ vor, dass bereits verbrannte Reservate erst nach 60 Jahren erworben werden dürfen. Mitglieder der FT beklagen, dass die Gesetzesänderung von Abgeordneten der konservativen Partei Juntos por el Cambio (JC) zusammen mit dem oligarchischen Landwirtschaftsverband Sociedad Rural Argentina und anderen Immobilienspekulanten gebremst wird. Bereits 2013 und 2016 wurde von der JC die Abstimmung über das sogenannte „Gesetz über Feuchtgebiete“, welches den Schutz der Reservate vorsah, verhindert. Auch andere Länder der Region verzeichneten in diesem Jahr mehrere tausend Waldbrände – wie beispielsweise Paraguay, Bolivien und Brasilien, wo der nationale Notstand ausgerufen wurde. Allein 2020 wurden in diesen vier südamerikanischen Ländern insgesamt mehr als 3,5 Millionen Hektar durch Brand vernichtet. Wie viele Geschäfte daraus entstehen werden, wird sich zeigen. (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_emam).