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Politik und Kultur in Lateinamerika

Suchergebnisse für "buen vivir"

Wir haben 5.314 Ergebnisse für Ihre Suchanfrage gefunden.

Bioy Casares, Adolfo: Morels Erfindung

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Genau vor 80 Jahren wurde vom argentinischen Schriftsteller Adolfo Bioy Casares (Buenos Aires 1914) das Buch La invención de Morel (dt.: Morels Erfindung) veröffentlicht. Die Biografie des Autors ist inzwischen bekannt: Der aus gutem Hause stammend Bioy Casares begann zunächst ein Jura und Literaturstudium an der Universität Buenos Aires. Nachdem er es unterbrach, konnte er sich nun ...

Chile: Corona-Pandemie verschlimmert die Lage im ohnehin schon kriselnden Land

COVID-19 Fälle in Chile, Stand: 25. Mai 2020 - Foto: NaveenNkadalaveniIm südlichen Andenland spitzt sich die Corona-Krise seit ein paar Wochen zu. Nachdem Anfang März die ersten Fälle in Chile festgestellt worden waren, stiegen nun die Fallzahlen stark an. Täglich infizieren sich nun rund 4.000 Menschen. Bisher wurden insgesamt knapp 78.000 Fälle nachgewiesen und es starben bereits 806 Infizierte. Am schlimmsten betroffen ist die Hauptstadtregion, wo knapp 80% der Fälle zu verzeichnen sind. Das sogenannte Gran Santiago, also fast die komplette Región Metropolitana, steht unter einer strikten Ausgangssperre. Anstatt eine Ausbreitung vorzubeugen, agierte Chiles Regierung meist erst reaktiv, dann waren die Maßnahmen jedoch weitreichend: Neben dem Durchsetzen drastischer Restriktionen wurden die Testkapazitäten sowie die Zahl der Betten auf den Intensivstationen ausgeweitet. Alle COVID-19-PatientInnen werden sowohl auf Privatkliniken als auch öffentliche Krankenhäuser verteilt unabhängig ihrer Krankenversicherung und alle Tests und Behandlungen werden vom Staat übernommen. Zudem werden Infizierte oder Verdachtsfälle isoliert, auch in eigens dafür angemieteten Hotels. Da insbesondere die ärmeren Bevölkerungsschichten in teils sehr prekären Unterkünften leben und in einigen Stadtviertel Santiagos eine extrem hohe Bevölkerungsdichte besteht, breitet sich das Virus dennoch stark aus. So sind einige Krankenhäuser in der Hauptstadt bereits überlastet. Hinzu kommt, dass es in Chile kaum Kündigungsschutz gibt und ein Drittel aller ArbeitnehmerInnen informell beschäftigt sind. Daher geraten viele Menschen zurzeit in Armut oder setzen sich über die Restriktionen der Regierung hinweg, um weiterhin ein Einkommen zu haben. Zwar verteilt der Staat Subventionen und Essenspakete an die ärmeren Bevölkerungsschichten. Es ist jedoch stark anzuzweifeln, dass diese ausreichen um die Not der Menschen effizient abzuwehren. Die Wirtschaftshilfen dienen zumeist den großen Unternehmen. So legt die Corona-Krise die substantiellen Probleme im Land offen und verschlimmert sie noch: Die ohnehin prekäre sozio-ökonomische Lage vieler ChilenInnen hat sich gravierend verschlechtert und die extreme soziale Ungleichheit nimmt in der Krise noch zu. Die lahmende Wirtschaft kommt teilweise zum Erliegen und der politischen Führung, welche bereits vor der Krise kaum noch das Vertrauen der Bevölkerung genoss, wird die Kompetenz immens angezweifelt. Auf diese Weise durchlebt Chile zurzeit nicht nur eine Gesundheitskrise, sondern auch eine soziale, wirtschaftliche und politische. Die landesweiten Proteste, welche im Oktober 2019 begannen und zwischenzeitlich abebbten, sind keineswegs vorbei. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, ob es der Regierung unter Sebastián Piñera gelingen wird, die multiple Krise zu meistern. Sollte sich die Lage jedoch weiterhin verschlechtern, sind eine neuerliche Protestwelle und eine weitere Instabilisierung des Landes zu erwarten (Bildquelle: NaveenNkadalaveni).

Der Okima aus Bilina – Miloslav Stingl und die „Indianer ohne Tomahawks“

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Dieser Beitrag erinnert an Miloslav Stingl, einen tschechischen Ethnologen und Archäologen, der vom Stamm der Kikapu, der im US-Bundestaat Oklahoma lebt, zum Häuptling (Okima) gekürt worden war. Stingl, der damals an der Akademie der Wissenschaften arbeitete und die Nachricht über seine neue „Funktion“ am ersten April 1971 erhielt, vermutete dahinter zunächst ...

Uruguay: Unterschiedliche Begriffe von individueller Freiheit in Zeiten des Coronavirus

Uruguay_Notzustand_Flagge_Bild_quetzalredaktion_gcNach mehr als zwei Monaten, seit dem der Notstandszustand aufgrund der Covid-19-Pandemie in Uruguay ausgerufen wurde, zählt das südamerikanische Land 730 bestätige Fälle – davon 20 Todesfälle und über 560 Genesene. Diese Zahlen kontrastieren drastisch mit den Statistiken im Nachbarland Brasilien, wo die Zahl an Erkrankten 245.000 und die Todesfälle über 16.000 ist. Im Gegensatz zur Regierung Brasiliens traf Präsident Luis Lacalle Pou (Bündnis Compromiso por el País) frühzeitig die von der Weltgesundheitsorganisation empfohlenen Sofortmaßnahmen. Dabei wurde betont, dass die Maßnahmen kein Zwang seien, sondern man appellierte vielmehr an Solidarität und Engagement der Bürgerschaft, um die individuelle Freiheit zu gewährleisten. In anderem Zusammenhang brachte Lacalle Pou im vergangenen April den Entwurf für das „Gesetz zur dringlichen Behandlung“ (LUC) ein, der von der Opposition und sozialen Bewegungen als Beschränkung der demokratischen Freiheiten bezeichnet wurde. Das Maßnahmenpaket, das die Modifizierung und Verabschiedung von mehreren Gesetzen umfasst, wurde wegen seiner „Dringlichkeit“ kritisiert – zumal die öffentlichen und parlamentarischen Debatten im Kontext mit dem Notstand stattfinden müssen. Das Dringlichkeitsverfahren zur Verabschiedung des LUC sieht nicht nur die Verkürzung der Debatte vor, sondern stellt fest, dass der Entwurf nach Ablauf der vorgeschriebenen 90 Tage von der Exekutive bewilligt werden kann. Der Gesetzesvorschlag wurde außerdem als „pro-unternehmerisch“ und als ein gesellschaftliches Kontrollinstrument bezeichnet. Unter anderem betreffen die über 500 Paragraphen die Privatisierung öffentlicher Unternehmen, das Verstärkung der Sicherheitskräfte, die Kriminalisierung sozialer Proteste und die Beschränkung der Rolle der staatlichen Hochschulbildung zugunsten des privaten Sektors. (Bildquelle: quetzalredaktion_gc).

Der Mord an Roque Dalton oder wie (m)ein blaues Einhorn verloren ging

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Vor 85 Jahren, am 14. Mai 1935, kam der salvadorianische Schriftsteller Roque Dalton García zur Welt. Vor 45 Jahren, am 10. Mai 1975, nur wenige Tage vor seinem 40. Geburtstag, wurde er getötet. Es war Mord. Von Che Guevara wissen wir, dass er vom Feind in der Gestalt eines bolivianischen Feldwebels ...

Brasilien: Die größte Gefahr in der Corona-Krise heißt Bolsonaro

COVID-19_Brasilien_Creative_CommonsBrasiliens Parlament hat am 9. Mai eine dreitägige Staatstrauer für die Opfer von COVID-19 angeordnet, deren Zahl 10.000 überschritten hatte. Das Land gilt als der neue Corona-Hotspot, die Zahl der Infizierten und Todesfälle steigt rasant an. Zusammengefasst stellt sich die aktuelle Situation im größten Land Lateinamerikas folgendermaßen dar: Die Johns Hopkins University ermittelt vom 25. Februar bis zum 11. Mai 170.021 bestätigte Fälle von COVID-19 und 11.701 an der Krankheit Verstorbene. Allein am 11. Mai wurden 6.895 neue Erkrankte und 530 Tote gezählt. Schwerpunkte der Pandemie sind die Bundesstaaten Rio de Janeiro, São Paulo, Ceará, Pernambuco und Amazonas. Nach einer britischen Studie erreichte die Übertragungsrate mittlerweile den weltweit höchsten Wert – 2.81. Es wird eine Verdopplung der Todesrate in nur fünf Tagen befürchtet. Die Hälfte der Intensivbetten befindet sich in Privatkliniken. Ein Viertel der Bevölkerung hat Zugang zu den Privatkliniken. Auf 100.000 Einwohner kommen drei Beatmungsgeräte. „Na und?“ So lautete kürzlich die Antwort von Präsident Jair Bolsonaro auf Fragen von Journalisten nach der schnell wachsenden Zahl von COVID-19-Fällen in Brasilien. (Bildquelle: CC_wiki).

Zur Erinnerung an Luis Sepúlveda – Von Menschen und Tieren und dem Leben, wie es ist

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Am 16. April 2020 starb der chilenische Schriftsteller und Journalist Luis Sepúlveda an den Folgen einer COVID-19-Infektion. Zur Erinnerung an ihn entschied sich QUETZAL, eines seiner Bücher in die Rubrik „wiedergelesen“ aufzunehmen. Man ehrt einen Schriftsteller schließlich am besten, indem man ihn liest. Aus diesem Grund sollen ...

Zentralamerika: Pandemie als Krisenkatalysator

SICA-Logo_CC_flickrWenn sich die Zahl der Toten, die der COVID-19-Pandemie zum Opfer gefallen sind, in den meisten zentralamerikanischen Ländern derzeit im zwei- oder dreistelligen Bereich bewegt, dann mag dies zunächst verwundern. Dies könnte auf die relativ frühen und zum Teil einschneidenden Gegenmaßnahmen zurückzuführen sein. Als erstes Land rief Panama am 12. März den Ausnahmezustand aus, gefolgt von Honduras (16. März) und Guatemala (Grenzschließung am 17. März). El Salvador verhängte am 21. eine umfassende Ausgangssperre und Costa Rica reagierte am 24. März mit der Schließung seiner Grenzen. Am 1. April rief Belize den nationalen Notstand aus. Nur Nicaragua beschreitet einen Sonderweg. Mit der Begründung, dass das Land ausreichend gegen die Pandemie gerüstet sei, erlaubt die Regierung sogar Massenkundgebungen und Sportveranstaltungen. Nach 34 Tagen Abwesenheit trat Präsident Daniel Ortega am 15. April mit einer Rede in der Öffentlichkeit auf, in der er COVID-19 als „Strafe Gottes“ bezeichnete, die sich in erster Linie gegen die USA richte. Nicaragua meldet derzeit 15 Kranke, fünf Todesfälle und sieben Genesene, die sich mit dem Virus infiziert hatten. Mit sechs bzw. zwei Fällen liegen Costa Rica und Belize bei den Todesfällen ebenfalls im einstelligen Bereich. Von den insgesamt 330 Menschen, die in der Region nach offiziellen Angaben an COVID-19 verstorben sind, entfallen allein auf Panama 203 Fälle. Auch bei den akut Infizierten konzentrieren sich zwei Drittel (7.387 von 10.657 Fällen in allen sieben Ländern Zentralamerikas) im südlichsten Land des Isthmus. Bei der Bewertung dieser Zahlen sollte man jedoch folgende Faktoren berücksichtigen: Zum einen dürfte es sich aufgrund der geringen Testkapazitäten und des oftmals schlechten Zustands des Gesundheitswesens um die Spitze des Eisbergs handeln. Zudem zeigen die verantwortlichen Politiker oft das Bestreben, die Situation und damit ihr Wirken in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Als dritter Faktor ist die Wirkung der getroffenen Maßnahmen zu nennen. Generell verschärfen sich durch sie all jene Probleme, Ängste und Benachteiligungen, unter denen die Schwächsten der Gesellschaft „normalerweise“ schon zu leiden haben. So wird für Guatemala eine Hungersnot prognostiziert, weil die Mehrheit der im informellen Sektor Tätigen aufgrund der Schließung der Departementsgrenzen und der umfassenden Mobilitätsbeschränkungen nicht mehr ihren Lebensunterhalt sichern kann. Auch die zahlreichen Migranten, die mit ihren Rücküberweisungen für Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua einen unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor darstellen, sind durch COVID-19 massiv gefährdet, da sie in der Regel die ersten sind, die während einer Wirtschaftskrise ihren Job verlieren. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) prognostiziert für dieses Jahr einen ökonomischen Einbruch, der die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 noch übertreffen wird. Laut einer Pressemitteilung vom 22. April rechnen Experten der Weltbank bei den Rücküberweisungen nach Lateinamerika für 2020 mit einem Rückgang von 19,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2019 schickten Migranten aus dieser Weltregion rund 69 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer zurück. Des weiteren ist der Kaffeesektor, in dem nach Angaben des Zentralamerikanischen Integrationsbündnisses (SICA) rund fünf Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen, massiv von den Folgen der Pandemie betroffen. So sind die honduranischen Kaffee-Exporte gegenüber dem Vorjahr im April 2020 um rund 20 Prozent eingebrochen. Der Anteil Zentralamerikas an der weltweiten Kaffeeproduktion beträgt rund zehn Prozent. Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes nimmt außerdem die Tendenz der Militarisierung des öffentlichen Lebens und eines repressiven Vorgehens gegenüber der Gesellschaft zu, wie das Beispiel von Nayib Bukele, dem neugewählten Präsidenten El Salvador, anschaulich zeigt. Alles in allem werden sich die sozialen und politischen Probleme in allen Ländern Zentralamerikas infolge der Corona-Pandemie rapide zuspitzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Region, die schon in „normalen“ Zeit äußerst fragil ist, von einer Welle sozialer Explosionen erschüttert wird. (Bildquelle: CC_flickr).

Ein Huhn für 22 Familien: Der Hunger peinigt das letzte Nomadenvolk Kolumbiens

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Die indigenen Nukak-Makú aus Guaviare durchleben eine Hungersnot. Obgleich der Verfassungsgerichtshof sich zu ihren Gunsten ausgesprochen hat, wird nichts von den geplanten Schutzmaßnahmen in die Tat umgesetzt. Im Bezirk Agua Bonita, zwanzig Minuten entfernt von der Hauptstadt der amazonischen Guaviare-Region ...

Kuba: Allgemeines und Besonderes von Corona

Kuba_Covid19_Bild_Regierung-KubaDie ersten Corona-Infizierten wurden in Kuba nach dem 11. März 2020 registriert. Diese Infektionen gelten als „eingeschleppt“. Am Sonntag, dem 26.04.2020, gab es 1.337 Infizierte und 51 Tote im Land. Mit diesen Zahlen gehört Kuba zur mittleren Gruppe in Lateinamerika und der Karibik. In Kuba am meisten betroffen sind Havanna, Santa Clara und die Isla de la Juventud. Vergleicht man den Prozentsatz der Corona-Toten an den Infizierten, so ist dieser in Kuba und Deutschland mit jeweils rund 0,038 gleich hoch, in den USA, wo, wie man weiß, das Problem anfangs total ignoriert wurde, fällt er schlechter aus. Was mögen eigentlich die dortigen Exilkubaner darüber denken? Wichtiger ist indes die Frage, warum es angesichts einer solchen „Corona-Normalität“ dennoch interessant ist, über Kuba zu berichten. Mindestens aus den drei folgenden Gründen: Erstens, weil hier Prävention und Kontrolle besonders frühzeitig begonnen wurden, schon als es noch keine Fälle gab, und weiterhin effektiv gehandhabt werden: Der kubanische Prävention- und Kontrollplan ist seit Januar 2020 in Kraft. Er beinhaltet das Training des medizinischen Personals, Maßnahmen zur Quarantäne-Vorbereitung und die Information der Öffentlichkeit. Der öffentliche Nahverkehr ist landesweit gestoppt. Dabei sind staatliche und auch private Autofahrer gehalten, Patienten und medizinisches Personal zu transportieren. Große Supermärkte sind geschlossen, die Verteilung knapper Güter wird vom Zivilschutz übernommen, 60.000 Medizin-Studenten besuchen die Wohnhäuser, um Risikogruppen zu untersuchen. Weil Seife und Desinfektionsmittel fehlen, werden die Hände an den Eingängen von Läden und Dienstgebäuden mit gechlortem Wasser desinfiziert. Jeder Patient, der sich aufgrund von Symptomen dem Arzt vorstellt, wird zunächst als Corona-verdächtig eingestuft. Es werden auch besonders viele Tests durchgeführt: Die Ratio von Tests zu identifizierten Fällen beträgt in Kuba 25 zu 1. In Deutschland ist das Verhältnis 10 zu 1. Zweitens, weil Kuba zur Therapierung der Virus-Erkrankung schon mehrere eigene Medikamente entwickelt hat: CIGB-2020 soll insbesondere bei älteren Menschen den Krankheitsverlauf abschwächen. Interferon alfa 2 B (INFrec) stärkt das Immunsystem und wurde schon bei Dengue, Krebs sowie Hepatitis B und C mit Erfolg angewandt. Ferner werden noch das vorbeugende Medikament Biomodulina-T und, für Schwerkranke, CIGB 254 als erfolgversprechend aufgeführt. Auch deutsche und andere ausländische Firmen sind an einigen dieser Medikamente interessiert. Drittens, weil Kuba, das bereits über vielfältige Ärzte-Erfahrung im Ausland verfügt, seine erprobten Ärzte und Pfleger insgesamt in 31 Staaten, darunter Italien, Andorra, französische Überseegebiete, Jamaica, Surinam, Nicaragua, Grenada, Honduras, Katar und Argentinien „exportiert“. Kuba schickt seine Ärzte selbst in Länder, mit denen es keine diplomatischen Beziehungen hat. Aus dem Export soll die kubanische Regierung 6,3 Milliarden Dollar eingenommen haben, was sich insgesamt auf rund 11 Milliarden summieren könnte. Dieser Export, so zitiert das „Handelsblatt“ zwei Spezialisten, sei zurzeit Kubas wichtigste Devisenquelle. Von Kuba-kritischen Quellen wird moniert, dass die Ärzte das Geld nicht selbst erhalten, sondern die Regierung. Dabei machen das andere Regierungen genauso. Dieselben Quellen betonen auch immer wieder, diese Hilfe sei bloßes Propaganda-Instrument. Und wenn es so wäre, ist nicht Hilfe immer noch besser als keine? Was zeigt uns Kuba noch? Dass Corona leider auch in warmen Regionen gedeiht und dass es ausgesprochen günstig ist, wenn Regierung und Bevölkerung an einem Strang ziehen. Aber auch: Wenn man Kuba mit Deutschland vergleicht, kommt heraus, dass die Resultate bei der Bekämpfung der Krankheit in Nicht-Demokratien und Demokratien ähnlich gut sein können. Was die Versorgung betrifft, war ja Kuba, anders als Deutschland, auch schon vor der Corona-Krise an Mangel gewöhnt. Man kann es aber auch anders sehen: Das, was in der Kritik an Kuba oft an erster, mindestens aber an zweiter Stelle genannt wird – dass es Versorgungsengpässe gibt – trifft in Corona-Zeiten auch auf Deutschland zu, o.k. hier wohl etwas weniger als dort. Jedoch bei fehlendem Toilettenpapier prügelt man sich in Kuba nicht. (Bild: Ministerio de Salud_Cuba).