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Politik und Kultur in Lateinamerika

Suchergebnisse für "buen vivir"

Wir haben 5.323 Ergebnisse für Ihre Suchanfrage gefunden.

Die Monroe-Doktrin: Totgesagte leben länger*

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Am 2. Dezember 1823 hielt US-Präsident James Monroe eine Rede zur Lage der Nation vor dem Kongress. Zwei Jahre zuvor hatte Mexiko seine Unabhängigkeit von Spanien verkündet und in Südamerika zeichnete sich die militärische Niederlage der iberischen Kolonialmacht ab. Monroe warnte die europäischen Staaten vor dem Versuch ...

Argentinien: Ehemaliger Präsident Carlos Menem wird 90 Jahre alt

Menem_Konvertibilität_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiHeute vollendet der ehemalige Präsident Carlos Saúl Menem sein neunzigstes Lebensjahr. Menem begann seine Laufbahn als Politiker 1973, als er zum Gouverneur seiner Heimatprovinz La Rioja gewählt wurde. Auch wenn Menem zunächst eher fortschrittliche Maßnahmen ergriff, unterstützte er nach dem Tod von Präsident Juan Domingo Perón 1974 den konservativen Flügel der Partido Justicialista (PJ) – was jedoch nicht ausreichte, um die Zustimmung der Putschisten 1976 zu bekommen. Nach der Rückkehr zur Demokratie 1983 wurde er erneut zum Gouverneur gewählt. Mithilfe einer antiimperialistischen Rhetorik und nicht zuletzt der Vereinnahmung der Figur des Ángel Vicente Chacho Peñaloza (1798-1863), der aus seiner Provinz stammte und eine der wichtigsten Figuren der Montonero-Bewegung im Kampf gegen den Zentralismus von Buenos Aires war, erhielt er bei den Präsidentschaftswahlen 1989 die Stimmen nicht nur der am stärksten benachteiligten Schichten und linksorientierten Sektoren, sondern auch der Oligarchie. Bereits in den ersten Monaten seiner Amtszeit begann seine Regierung mit der Einleitung neoliberaler Maßnahmen. Die schonungslose Umsetzung von Verordnungen auf Grundlage des Washington-Konsensus – sogenannte „fleischliche Beziehungen“ mit den USA – wurde damals vom Weltwährungsfonds als vorbildlich gelobt. Dazu zählt das „Gesetz zur Staatsreform“, welches die Privatisierung und Auflösung staatseigener Unternehmen regelte und die von der Junta begonnene Demontage des Industriestaates fortsetzte. Demzufolge wurden unter dem Motto „den Staat zu verschlanken, um die Heimat zu vergrößern“ strategische Unternehmen u.a. der Energie- und Kommunikationsbranche, Rüstungsbetriebe, Trinkwasser- und Stromversorgung sowie Verkehrsmittel im Einvernehmen mit den anderen Mehrheitsparteien verschleudert. Die Änderung der Verfassung ermöglichte es Menem, 1995 wieder zu kandidieren und bis 1999 an der Macht zu halten. Deshalb und u.a. aufgrund der Auswirkungen der Konvertibilität, der Verdreifachung der Auslandsschulden, der Abhängigkeit der Judikative von der Exekutive und unzählbarer Fälle von Korruption unter der gesamten politischen Führungsschicht zählt Menems marionettenhafte Amtszeit (1989-1999) zu den katastrophalsten der politischen Geschichte des Landes. Dennoch agierte er zwischen 2001 und 2003 als Vorsitzender der Mehrheitspartei PJ und ist seit 2005 Senator seiner Provinz. Derzeit gehört er zum regierenden Bündnis Frente de Todos. (Bild: Quetzal-Redaktion_solebiasatti).

La Noche Triste – Schlüsselmoment der Eroberung Mexikos durch die Spanier

Mexiko-DF_Bild Quetzal-Redaktion_PabloAroca

Vor 500 Jahren – in der Nacht vom 30. Juni zum 1. Juli 1520 – flüchtete Hernán Cortés mit seinen Truppen aus der aztekischen Hauptstadt Tenochtitlán. 600 Spanier und mehrere Tausend Tlaxcalteken, die die Nachhut bildeten, wurden in der Noche Triste (dt.: traurige Nacht) von den Mexica, wie sich die Azteken selbst nannten, getötet. Nur 400 Spanier, alle verwundet, entkamen mit knapper ...

Deutschland/USA/Kolumbien: Carlos Lehder – not welcome!

Noticias_Lehder_Bild_CC_wikiSeit dem 16. Juni 2020 sind wir in Deutschland einer mehr. Carlos Lehder Rivas, neben Escobar, Gacha und den Ochoas einer der großen Drogenbosse des Medellín-Kartells, ist an diesem Tag in Frankfurt/Main gelandet, als freier Mann. Alles ging mit rechten Dingen, ja rechtsstaatlich zu: Durch seinen deutschen Vater ist Lehder deutscher Staatsbürger, und er hat seine Strafe im US-amerikanischen Strafvollzug abgesessen. Das ihm 1988, nach seiner Auslieferung in die USA, auferlegte Strafmaß betrug „lebenslang + 135 Jahre Haft“. Da er jedoch als Kronzeuge gegen Panamas Ex-Präsidenten und Drogenhändler Manuel Noriega ausgesagt hatte, wurde er in ein Zeugenschutzprogramm aufgenommen, und ihm wurde die Haftstrafe reduziert, auf 55 Jahre, so hieß es damals. Auf keinen Fall sollte er länger im Strafvollzug sitzen als Noriega. Das kam anders. Am Ende belief sich Lehders tatsächliches Strafmaß auf 30 Jahre. In der Bundesrepublik ist ein solch‘ hohes Strafmaß nicht möglich. Für Lehder mag noch das alte, weichere US-Strafrecht gegolten haben, nach dem es üblich war, nur einen Teil der Gefängnisstrafe absitzen zu müssen. Lehder wurde als Sohn einer kolumbianischen Schönheitskönigin und eines deutschen Ingenieurs geboren. Seine Drogenkarriere begann er als capo des Kartells von Pereira/Armenia. Seine größten Geschäfte – er soll die USA mit fast vier Tonnen (!) Kokain beliefert haben – wickelte er von der nicht weit von Florida entfernten Insel der Bahamas, Norman Cay, ab, die er extra für diese Zwecke gekauft hatte, und von der er Transportflugzeuge voll von Kokain in den Himmel und dann in die USA schickte. Rund 10.000 $ zahlte er monatlich an die Regierung der Bahamas Schweigegeld. Er prahlte damit, aus einem Kilo Coca-Blätter ein Kilo Gold gemacht zu haben. 1982 stand er auf der Liste der acht reichsten Personen der Welt. Später war er im Medellín-Kartell aktiv. Im Februar 1987 wurde er auf seinem Gut Guarne im Osten Antioquias verhaftet. Es heißt, Escobar selbst habe der Antidrogenbehörde den Tipp gegeben. Der war mit Lehder nie warm geworden, denn dessen Redseligkeit und Drogensucht störten ihn. Lehder, voll von Bazuco, soll sich seiner Lage erst im Flugzeug in die USA bewusst geworden sein. 1983 hatte er in seiner kolumbianischen Heimat Armenia das Movimiento Latino Nacional gegründet, das später den Namen Los Extraditables annahm, anti-yankeeistische Positionen verkündete und sogar einige Abgeordnete stellte. Fürderhin gab sich diese Bewegung, die in Quindío, Armenia und La Tebaida Sitze in der örtlichen Legislative erreichte, den Namen Movimiento Latino Socialista und publizierte die Zeitschrift Quindío Libre. Zumindest einen Wachmann hat Lehder eigenhändig erschossen. Doch auch für die politischen Morde des Medellín-Kartells in Kolumbien trägt er (Mit)Verantwortung: Darunter waren, als prominenteste Opfer, der Innenminister Rodrigo Lara Bonilla und der Präsidentschaftskandidat der Liberalen Partei Luis Carlos Galán. Lehders Drogenhandel mit den daraus resultierenden Opfern kommt auf seiner Verbrechensliste hinzu. Er ist ein Bewunderer von Che Guevara, John Lennon und Hitler und errichtete auf seinem Anwesen in Antioquia eine nackte Bronzestatue Lennons, der er einen Nazihelm aufsetzte. Deutschland hat Lehder nun aufgenommen. Er soll schwerkrank sein. Keine seiner Straftaten hat er je gestanden. Bis zum Juni 2020 hatte er Deutschland nie betreten, auch Verwandte hat er hier nicht. Die Söhne von Lara und Galán hätten es weitaus lieber gesehen, wenn er aus den USA nach Kolumbien ausgeliefert worden wäre, um sich dort für alle Straftaten zu verantworten. Lehders Straftaten seien schließlich Verbrechen gegen die Menschlichkeit und gehörten vor die entsprechenden Gerichte. Zumindest vor eine Wahrheitskommission solle er gestellt werden. Deutschland und Kolumbien haben aber kein Auslieferungsabkommen. Schließlich können humanitäre Gründe zur Geltung gebracht werden. Es ist wie es ist. Glücklich muss man darüber nicht sein. Not welcome, Carlos Lehder! (Bildquelle: CC_wiki).

Lateinamerika: Indigene Völker und COVID-19

noticia_Indigena_Corona_Foto_Anderson_Riedel_PRDie „Bewegung der indigenen Völker, Gemeinschaften und Organisationen“ in Mexiko teilte mit, dass die Letalität von mit dem Corona-Virus infizierten indigenen Personen um etwa 70 Prozent höher liegt als im Landesdurchschnitt. Das verwundert insofern nicht, als die originäre Bevölkerung zu den ärmsten des Landes gehört. Der Gesundheitszustand Indigener ist schlechter, sie leiden häufiger an chronischen Krankheiten und verfügen über einen deutlich geringeren Zugang zu einer guten Gesundheitsversorgung; ganz gleich, ob sie in traditionellen Gemeinschaften oder in Städten leben. Dieses Schicksal teilen sie mit allen originären Völkern Lateinamerikas. Trotz der besonders gefährdeten Situation der Indigenen haben es die Regierungen des Kontinents bisher weitgehend versäumt, Maßnahmen gegen COVID-19 zu ergreifen, die spezifisch für diese Völker sind. In einigen Ländern scheint es der Fall zu sein, Brasilien ist nur ein Beispiel, dass die Coronakrise genutzt wird, die Schutzmaßnahmen für indigene Völker zu vernachlässigen und Landraub und Vertreibung ungehemmter durchzusetzen. Nach wie vor dringen Landbesetzer oder Holzfäller weitgehend ungehindert in Siedlungsgebiete de Indigenen ein – und schleppen nicht selten das Virus ein, auch die Morde an indigenen Aktivisten gehen weiter. Aufgrund des Landraubs und der Nutzung des Wassers für den Bergbau fehlt es oft an Wasser, und dort, wo noch ein Zugang besteht, ist dieses oft kontaminiert. Schon aus diesem Grunde ist die Einhaltung von Hygienemaßnahmen oft nicht möglich. In vielen Regionen des Kontinents haben die indigenen Gemeinschaften daher eigene Maßnahmen ergriffen, um sich zu schützen. Diese reichen von Einreisebeschränkungen über die verstärkte Nutzung traditioneller Heilpflanzen bis hin zu Informationskampagnen über das Virus in ihren eigenen Sprachen. Darüber hinaus aktivieren sie Solidaritätsnetzwerke zwischen verschiedenen Völkern, die sich bereits bei früheren Epidemien bewährt hatten. Diese Maßnahmen werden nicht selten von den Behörden behindert; so etwa in Chile, wo Vertreter der Mapuche verhaftet wurden, als sie versuchten, zum Schutz ihrer Gemeinschaften die Einreise Fremder in Mapuche-Territorium zu verhindern. Die jetzt von vielen Regierungen aufgelegten Programme zur Unterstützung der angeschlagenen Wirtschaft lassen eine weitere Verschlechterung der Situation der indigenen Völker befürchten. Verfolgen diese Maßnahmen doch in expliziter Form eine Politik des Extraktivismus, die in besonderer Weise die Territorien der indigenen Gemeinschaften und damit deren Überleben bedroht (Bildquelle: Anderson-Riedel_PR).

Notfall Mexico City – Ich mag es, Unfälle zu sehen

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Der Nationale Gesundheitsrat Mexikos (Consejo Nacional de Salud) führte 2015 erstmals eine landesweite Prüfung des Rettungssystems durch, in deren Rahmen alle Rettungswagen kontrolliert wurden. Ein Vertreter des Gesundheitsrates stellte gegenüber der Zeitung El Universal fest, es gebe sehr viele Ambulanzen, die der Norm 034 nicht ...

Lateinamerika: Der kolumbianische George Floyd heißt Anderson Arboleda

noticia_Brasilien_Foto_Claudia_Cardoso_CCAm 19. Mai wurde der 21-jährige Anderson Arboleda bei einer Polizeikontrolle so stark am Kopf verletzt, dass er drei Tage später an seinen Verletzungen starb. Arboleda soll gegen die Quarantänebestimmungen verstoßen haben, er trug keine Maske. Bekannt wurde dieser Tod infolge Polizeigewalt erst neun Tage später, genaugenommen als eine unmittelbare Folge der weltweiten Proteste nach dem Tod Afroamerikaners George Floyd. Anderson Arboleda war Kolumbianer, und er war schwarz. Ebenfalls am 19. Mai wurde in Rio de Janeiro der 14-jährige João Pedro Pinto während einer Polizeiaktion gegen Drogenhändler erschossen; die Polizisten hatten das Haus beschossen, in dem sich der unbeteiligte Junge befand. Auch er war schwarz. Aktivisten weisen darauf hin, dass es zahlreiche weitere Fälle gibt. Ebenso wie in Kolumbien ist auch in auch in anderen Ländern Lateinamerikas die Ermordung des Afroamerikaners Floyd durch einen weißen Polizisten Anlass den alltäglichen Rassismus im eigenen Land wieder sichtbar zu machen. In Lateinamerika, so zeigen Studien, besteht ein enger Zusammenhang zwischen Hautfarbe und sozialer Lage: Je dunkler ihre Hautfarbe, desto eher ist die Person arm und hat eine niedrige Schulbildung. Afrokolumbianer haben ein um zehn Prozent höheres Risiko, von Polizisten kontrolliert zu werden als ihre weißen Landsleute. Eine Besonderheit des Rassismus in Lateinamerika, so Aurora Vergara, Direktorin des Zentrums für afrodiasporische Studien der Icesi-Universität in Cali, sei seine Verleugnung. Man tue so, als gäbe es ihn nicht. Dabei hat der Rassismus auf dem Kontinent zumeist eine komplexere Struktur als in den USA, die Diskriminierung zielt nicht allein auf die Hautfarbe, sondern auch auf die ethnische Herkunft oder soziale Klasse. Aktivisten der Antirassimusbewegung hoffen jetzt, dass die von der Mobilisierung in den Vereinigten Staaten inspirierte Auseinandersetzung mit Polizeigewalt auch dazu führt, die alltägliche Rassen- und Klassendiskriminierung ins öffentliche Bewusstsein zu bringen (Bildquelle: claudia-cardoso_CC).

Lateinamerika: Haushaltsangestellte: Die Schwächsten sind am härtsten betroffen

ILO-Flagge_Bild_wiki_CCDie Haushaltsangestellten in Lateinamerika sind meist weiblich, schlecht bezahlt, weitgehend rechtlos und in der Öffentlichkeit kaum sichtbar. So stellte sich die Situation jener 18 Millionen Menschen dar, die dort laut Internationaler Arbeitsorganisation (ILO) bereits vor Ausbruch der Covid-Pandemie im Haushalt von Besserverdienenden und Reichen ihre Arbeitskraft verkauft haben. Aus verschiedenen Gründen stehen sie nunmehr am Abgrund. Die meisten haben inzwischen ihre Arbeit verloren und kämpfen nun ohne Verdienst um ihr Überleben. Dort, wo sie noch als billige Arbeitskräfte „geduldet“ werden, fristen sie fast das Dasein von Sklavinnen. Wenn sie dann noch an der Pandemie erkranken, bleiben sie meist schutzlos ihrem Schicksal überlassen. In Mexiko hat nur ein Prozent der 2,3 Millionen Haushaltsangestellten eine Sozialversicherung. Von 700.000 Frauen, die in Kolumbien in diesem „Dienstleistungssektor“ beschäftigt sind, haben nach Angaben der Escuela Nacional Sindical inzwischen 90 Prozent ihre Arbeit verloren. In Zentralamerika, wo die Situation besonders kritisch ist, haben lediglich Costa Rica und Nicaragua die ILO-Konvention Nr. 189 von 2011, in der die Rechte der Haushaltsangestellten geregelt sind, ratifiziert. In Honduras sind schätzungsweise 139.000 Frauen als Hausangestellte tätig. Die meisten von ihnen verdienen weniger als 150 US-Dollar monatlich. Eda Luz, die Direktorin des Red de Trabajadoras Domésticas de Honduras, verwies darauf, dass laut dortigem Arbeitsrecht die Arbeitszeit von Hausangestellten 14 Stunden täglich beträgt und ihnen weder während der Woche freie Tage noch ein Jahresurlaub zustehen. Lauf einer Meinungsumfrage, die Mitte April 2020 in Brasilien unter Personen durchgeführt wurde, die Hausangestellte für sich arbeiten lassen, erklärten 39 Prozent, dass sie diese weiterhin beschäftigen und auch bezahlen. Dieselbe Anzahl von Befragten gab an, dass sie ihre Hausangestellten ohne weitere Bezahlung entlassen haben. Der Rest teilte mit, dass die Haushälterinnen zu Hause bleiben würden. Je länger die Pandemie anhält, desto dramatischer werden gerade die Ärmsten leiden müssen. Entscheidend wird sein, wie lange sie sich in ihr vermeintliches Schicksal fügen werden (Bildquelle: wiki_CC).

Ecuador: Wohin mit den COVID 19-Toten?

Ecuador_COVID-19_Bild_wiki_CCBerechnet man die Corona-Toten pro eine Million Einwohner, steht Ecuador an der Spitze der lateinamerikanischen Statistik. Weltweit liegt es auf Platz 17. Das Land hat in etwa genauso viele Todesfälle wie Genesene. In Deutschland beträgt dieses Verhältnis 1 zu 20. Das gibt zu denken. Theoretisch könnte das daran liegen, dass in Ecuador einfach weniger getestet wird. Aber getestet wird hier (pro eine Million Einwohner), nach Peru, innerhalb Lateinamerikas sogar am meisten. Und die Tatsache, dass, wenn die Toten arm waren, sie in der Regel zu Hause starben und somit keinen Eingang in die Statistik fanden, würde bedeuten, dass es eher noch mehr Tote sind als angegeben, aber auch mehr Infizierte natürlich, was einander wieder ausgleichen würde. Auch so kann diese besondere Relation zwischen Infizierten zu Toten also nicht erklärt werden. Liegt das an einem selbst für lateinamerikanische Verhältnisse besonders schlechten Gesundheitssystem? Es soll vollkommen kollabiert sein, heißt es. Horrornachrichten gibt es auch über die Bergung und Beerdigung der Toten: Hier sterben die Menschen direkt auf der Straße. Ihre Leichen bleiben liegen. Oder sie verbleiben in den Häusern, über mehrere Tage, weil sie nicht abgeholt werden. Auf den Straßen allenthalben Leichensäcke, keine Gräber für die Toten, in Guayaquil, dem diesbezüglichen Hotspot, stünden Container voller Leichen. Grund dafür sei u.a. die Ausgangssperre, die Abtransporte verhindert habe. Kranke verschwänden aus Krankenhäusern, für tot Erklärte seien noch am Leben … . Ein Chaos. Präsident Moreno hat daher den Ausnahmezustand verkündet. Die erste COVID-19-Patientin, die am 14. Februar einreiste, soll eine Ecuadorianerin aus Spanien gewesen sein. Auch sie, die 71Jährige, ist mittlerweile verstorben. Man habe zwar die Flüge aus dem Iran, China und Italien abgesagt, aber eben nicht die aus Spanien oder den USA. Dazu muss man wissen, dass Ecuador das Land Lateinamerikas mit der größten community in Spanien ist. Die Isolation von Guayaquil als Epizentrum der Pandemie und auch die von Quito sei nicht diszipliniert genug umgesetzt worden. 76 % der Infizierten kommen allein aus Guayaquil. Mehr als die Hälfte der Infizierten ist unter 49 Jahre alt. COVID-19 trete außerdem zusammen mit dem grassierenden Dengue-Fieber auf. Auf die gestiegenen Kosten reagierte Präsident Moreno mit der Schließung von Botschaften, der Außerdienststellung von Diplomaten, der Kürzung der Gehälter von anderen Staatsbediensteten. Es steht die Annahme eines Gesetzes bevor, auf dessen Grundlage die generelle Arbeitszeit, aber eben auch die Löhne um etwa die Hälfte gekürzt werden sollen. Massendemonstrationen sind die Antwort darauf, in denen die indígenas aber gefehlt haben sollen. Dabei sind sie es doch, die über den Bergbau bzw. den Ölsektor in ihren Territorien besonders betroffen wurden (Bildquelle: wiki_CC).

Bioy Casares, Adolfo: Morels Erfindung

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Genau vor 80 Jahren wurde vom argentinischen Schriftsteller Adolfo Bioy Casares (Buenos Aires 1914) das Buch La invención de Morel (dt.: Morels Erfindung) veröffentlicht. Die Biografie des Autors ist inzwischen bekannt: Der aus gutem Hause stammend Bioy Casares begann zunächst ein Jura und Literaturstudium an der Universität Buenos Aires. Nachdem er es unterbrach, konnte er sich nun ...