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Politik und Kultur in Lateinamerika

Suchergebnisse für "buen vivir"

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Lateinamerika: Internationaler Tag der Verschwundenen

Argentinien_JorgeJulioLopez_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasattiAm Sonntag, dem 30. August, wurde der Internationale Tag der Opfer des Verschwindenlassens weltweit begangen. Der Gedenktag, der sich dank einer Initiative der Nichtregierungsorganisation FEDEFAM (Federación Latinoamericana de Asociaciones de Familiares de Detenidos Desaparecidos) von der Organisation der Vereinten Nationen (UNO) ins Leben gerufen wurde, ist seit seiner offiziellen Erklärung im Jahr 2010 Anlass, um das Bewusstsein der Öffentlichkeit für die Grundlagen der Demokratie und Gerechtigkeit zu schärfen. Nicht nur in den 14 lateinamerikanischen Ländern (Argentinien, Bolivien, Brasilien, Kolumbien, Chile, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Mexiko, Nicaragua, Paraguay, Peru und Uruguay), die bei FEDEFAM seit ihrer Gründung 1981 vertreten sind, wurden vor allem in den 1970er Jahren Personen aus politischen Gründen von Angehörigen der Sicherheitskräfte entführt, gefoltert, umgebracht und als Nomen nescio in Massengräbern beigesetzt beziehungsweise versteckt. Das erzwungene Verschwinden von Personen, das damals mit der Unterstützung des Pentagons zur Staatsmaßnahme mehrerer lateinamerikanischen Diktaturen wurde, ist heute nach offiziellen Angaben leider immer noch Realität in mindestens dreißig Ländern der Welt. Das Argentinische Team für forensische Anthropologie (EAAF), ebenfalls eine NGO, stellt sich seit 1986 den Auswirkungen des Verschwindenlassens sowohl auf individueller als auch sozialer Ebene entgegen. Das EAAF widmet sich dem Wiederauffinden und der Identifizierung vermisster Personen sowie der Dokumentierung von Spuren, die zur Aufklärung von Verbrechen in mehreren Regionen der Welt beitragen und als Beweis vor Gericht dienen können (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_soleb).

Ölseifen: Eine Chance für saubere Flüsse

Wasser2_Bild_Quetzal-Redaktion_solebiasatti

Seit zwei Jahren verwandelt ein ideenreiches Unternehmen im Bezirk Huila gebrauchtes Öl aus Restaurants und Haushalten in Hygieneprodukte. Es befindet sich bereits unter den besten 22 grünen Unternehmen in Kolumbien. Ölrückstände vom Kochen wegzuschütten ist gang und gäbe nicht nur im Haushalt, sondern auch ...

Bolivien: Jeanine Áñez gegen Evo Morales – die nächste Runde

Noticias_Bolivien_EvoMorales_Bild_Quetzal-Redaktion_gcDie bolivianische De-facto-Regierung unter Jeanine Áñez, die bisher vor allem mit ihrem laxen Umgang mit dem Gesetz sowie mit Menschenrechtsverletzungen von sich reden machte, setzt ihre Versuche der Kriminalisierung politischer Gegner fort. Ein UNO-Vertreter bezeichnete dieses Vorgehen bereits vor einem halben Jahr als einen besorgniserregenden Einsatz richterlicher und staatsanwaltlicher Institutionen mit dem Ziel der politischen Verfolgung. Im Juli hatte die Staatsanwaltschaft den gestürzten Präsidenten Evo Morales wegen Terrorismus und Finanzierung terroristischer Aktivitäten angeklagt. Gestern schob sie ein Verfahren wegen Vergewaltigung, sexuellem Missbrauch und Menschenhandel nach. Morales wird vorgeworfen, bereits 2014 eine sexuelle Beziehung zu einer heute 19-Jährigen unterhalten zu haben. Einmal ganz davon abgesehen, was an den erhobenen Vorwürfen tatsächlich dran ist, das Verfahren erscheint als fadenscheinig und offensichtlich mit politischer Stoßrichtung konstruiert. Zumal Anwälte darauf hinweisen, dass die Regierung zu einem solchen Verfahren gar nicht berechtigt ist, da als Partei nur das Opfer oder seine Eltern zulässig seien. Bereits zwei Wochen vor der Anklageerhebung kursierten in den Medien detaillierte Informationen über die angebliche Beziehung von Noemi M. zu Morales. Es war offensichtlich das zuständige Ministerium selbst, das den Medien die Informationen zuspielte, und damit gegen Protokolle zur Fürsorge für Opfer sexistischer Gewalt verstieß. Die junge Frau, laut Anklage ein Missbrauchsopfer, wurde der Öffentlichkeit quasi zur Jagd frei gegeben. Anfang August wurde sie selbst von der Polizei verhaftet, verhört und danach unter Hausarrest gestellt. Inzwischen ist sie mit ihren Eltern nach Argentinien geflohen. Der bolivianischen Polizei wirft Noemi M. vor, sie mit Demütigungen und Beleidigungen gezwungen zu haben, eine Erklärung abzugeben, wonach sie die Freundin von Evo Morales gewesen sei. Eine solche Erklärung wurde den Medien inzwischen bekannt gegeben. Die Feministin María Galindo bringt den Zweck des Verfahrens auf den Punkt, wenn sie darauf verweist, dass hier das Leben einer jungen Frau zerstört werde, weil man das von Evo Morales zerstören wolle (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_gc).

Honduras: Auf Corona-Viren schießen?

Noticias_Honduras_Juan_Orlando_Hernandez-Bild_wiki_CCHonduras‘ Kampf mit Covid-19 hat, innerhalb Zentralamerikas, mindestens zwei Alleinstellungsmerkmale: Zum einen weist es laut Worldometer (16.08.2020) mit 158 Toten pro 1 Million Einwohner in der Region die höchste Rate auf. Es folgen Guatemala mit 131, El Salvador mit 94, Costa Rica mit 57 und Nicaragua mit 19, nimmt man alle Zahlen, insbesondere auch die Nicaraguas, ernst. Für Honduras steigen fast alle Corona-Kurven noch immer exponentiell. Zum anderen trifft COVID-19 in diesem Land auf die höchste Ungleichheitsrate Zentralamerikas: Der Gini-Koeffizient beträgt zwischen 0,50 und 0,52. Die Kluft zwischen Arm und Reich ist also riesig. Das Land hat eine der schwächsten Mittelklassen der Region. Bei der Armutsrate lässt es nur Guatemala den Vortritt, das in Zentralamerika seinerseits die höchste absolute Zahl von Corona-Opfern auf dem Isthmus vermeldet. Zudem arbeiten rund 80 % der Honduraner im informellen Sektor. Auch das ist in Zentralamerika eine vergleichsweise hohe Rate. Diese Menschen leben von der Hand in den Mund. In Corona-Zeiten nun beläuft sich deren Einkommen, angesichts strenger Restriktionen, fast auf null. Es wird davon ausgegangen, dass jeder dritte Betrieb schließen wird. Die Menschen betteln daher um Essen. Viele hungern. Darüber hinaus treffen in Honduras auf Ungleichheit, Armut und informellen Sektor besonders harte Corona-Regeln: Das Land hat den nationalen Notstand ausgerufen, der die Aussetzung aller Aktivitäten des öffentlichen und privaten Sektors mit Ausnahme der „systemrelevanten“ vorschreibt. Es herrscht totale Ausgangssperre, an den Samstagen und Sonntagen ohne Einschränkung. Auch wochentags darf eine Person, es sei denn, sie hat eine Ausnahmegenehmigung, nur an einem bestimmten Tag alle zwei Wochen das Haus für Einkäufe verlassen. Ausgenommen sind El Progreso und La Ceiba, wo die Infektionsrate niedrig ist. Dass der Staat die Gelegenheit nutzt, seine schon vor der Epidemie präsenten autoritären Züge auszuweiten, zum Beispiel indem er, auf neue Weise rechtlich kodifiziert, weitere Beschneidungen der Presse-und Informationsfreiheit einführt, macht die Situation natürlich nicht besser. Honduras‘ Staatsoberhaupt Juan Orlando Hernández (Bild), das als erstes in Lateinamerika positiv auf Corona getestet worden war, hat das Militärkrankenhaus inzwischen wieder verlassen. Ob Präsident Hernández nun immer noch meint, Corona-Viren könne man erschießen? Immerhin landeten etwa 45 Millionen US-Dollar Kredit, die der honduranischen Regierung im Juni von der Weltbank zur Eindämmung der Pandemie zur Verfügung gestellt worden waren, im Sicherheitssektor (Bildquelle: wiki_CC).

Cholera, Corona, Cholerona … „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ im Spiegel von Corona

Garcia_Marquez_Bild_wiki_CC

Vor 35 Jahren ist Gabriel García Márquez‘ Meisterwerk „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ erschienen. Sein Verkauf stieg in Corona-Zeiten bisher um 183 Prozent in spanischer Sprache und um 621 in englischer, beides im Vergleich zum Vorjahr. Aber warum? Was hat Kolumbiens alte Cholera mit seiner neuen Corona zu tun? Gibt es da etwa ...

Lateinamerika: Ausbreitung von COVID-19 im Vergleich

Noticias_Mexiko-Stadt_Foto Quetzal-Redaktion_pablo arocaWeltweit liegt die Zahl der Menschen, die sich bis heute mit COVID-19 infiziert haben, bei 20.223.306. Mit mehr als 5,1 Millionen Fällen sind die USA von der Pandemie am stärksten betroffen. Brasilien folgt mit 3.057.470 Infizierten und ist damit zugleich das Land mit den meisten Fällen in Lateinamerika. Rechnet man die Zahlen der USA und Lateinamerikas mit ca. 5,4 Millionen Fällen zusammen, dann entfallen auf den amerikanischen Doppelkontinent mehr als die Hälfte aller mit COVID-19 infizierten Menschen. Innerhalb Lateinamerikas sind Mexiko (492.522 Fälle), Peru (489.680 Fälle), Kolumbien (410.453 Fälle) und Chile (376.616 Fälle) nach Brasilien am stärksten betroffen. Im weltweiten Vergleich der nachgewiesenen Fälle liegen sie auf den Plätzen sechs bis neun. Indien (2.329.638 Fälle), Russland (895.691 Fälle) und Südafrika (566.109 Fälle) belegen in der globalen COVID-19-Statistik den dritten bis fünften Rang. Legt man die Mortalitätsrate zugrunde, dann sind Peru (66,7), Chile (57,9), Brasilien (47,4), Mexiko (40,4) und Ecuador (34,3) diejenigen Länder Lateinamerikas, auf die die meisten Todesfälle je 100.000 Einwohner entfallen. In der Region wurden bisher ca. 210.000 Menschen gezählt, die an COVID-19 verstorben sind, davon etwa die Hälfte (mehr als 100.000) in Brasilien. Weltweit geht die WHO von mehr als 740.000 Todesfällen aus, von denen die meisten (164.462 Tote) auf die USA entfallen. Dort liegt die Mortalitätsrate bei 50. Unter den Flächenländern weisen zwei europäische Länder Werte auf, die nicht nur über denen der USA liegen, sondern auch weltweit die höchsten sind: Belgien (86) und Großbritannien (69,3). Zwar haben Chile, das die zweithöchste Mortalitätsrate Lateinamerikas hat, und Schweden, das im europäischen Vergleich mit 57,8 noch hinter Spanien (61) und Italien (58,2) liegt, derzeit dieselben Werte. Dennoch liegt die Vermutung nahe, dass in Lateinamerika – anders als in Europa, wo die erste Welle seit Juni abgeflaut ist – der Höhepunkt der Pandemie erst noch bevorsteht. Angesichts der statistischen Dunkelziffer bei der Erfassung der Fallzahlen, des katastrophalen Zustandes der Gesundheitswesens, der schlechten Regierungsführung und der sozialen Missstände in den meisten Ländern steht der leidgeprüften Bevölkerung der Region offenbar das Schlimmste noch bevor (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_pablo_aroca).

Argentinien: Eine sinnvolle Hommage an Ástor Piazzolla

Noticias_Argentinien_CLAP-FlyerMit Blick auf den hundertsten Geburtstag von Ástor Pantaleón Piazzolla (1921-1992) wurde vom Universitätsinstitut für Kunst, Instituto Universitario Patagónico de las Artes (IUPA), in der argentinischen Stadt General Roca (Provinz Río Negro) der Lehrstuhl Cátedra Libre Ástor Piazzolla (CLAP) gegründet, um das Werk Piazzollas zu lehren. Aufgrund der offenen Anmeldung können sich sowohl Musikstudierende als auch Berufsmusiker sowie Amateure aus der ganzen Welt bewerben. Für die Einschreibung, deren Frist kommenden Sonntag, den 9. August, endet, soll die Interpretation zweier Werke des argentinischen Bandoneonspielers, Arrangeurs und Komponisten aufgenommen und elektronisch an catedrapiazzolla@iupa.edu.ar geschickt werden. Der Unterricht, welcher online und gebührenfrei stattfinden wird, beginnt am kommenden 24. August. CLAP umfasst zwei Seminare: „Technische Merkmale des Werkes Piazzollas“ und „Das Schlagzeug beim modernen Tango“, für die es jeweils ein Maximum von 36 Plätzen gibt. Während das erste Seminar vom Pianisten, Arrangeur und Komponisten Nicolás Guerschberg durchgeführt wird und die Musikinstrumente Bandoneon, Klavier, E-Gitarre, Bass und Bassgitarre, Schlagzeug, Flöte, Trompete, Posaune, Saxophon, Bassklarinette, Fagott, Oboe, Geige, Bratsche, Violoncello, Vibraphon und Percussion sowie Gesang umfasst, widmet sich das zweite unter der Leitung von Daniel Pipi Piazzolla dem Einsatz des Schlagzeug beim Tango – was selbst bei Ástor Piazzollas Musik unüblich ist. CLAP ist nicht nur eine Hommage an Ástor, sondern stellt auch ein ungewöhnliches Angebot dar, als kostenfreies und offenes akademisches Bestreben, sich ausschließlich der minuziösen Analyse Piazzollas Musik zu widmen. Und das nicht zuletzt aufgrund des Standortes, an dem dieses Vorhaben konzipiert wurde: die über 1100 km von der übermächtigen Hauptstadt Buenos Aires entfernte kleine Provinzstadt General Roca. Glückwunsch! (Bild: IUPA_Press).

Bolivien: Märsche und Einkapselungen gegen die Krise

noticia_Bolivien_Corona_Ministerio_de_Salud_de_BoliviaDie Zahl der an Covid-19 Erkrankten steigt immer stärker, selbst das Staatsoberhaupt ist infiziert, das Gesundheitssystem droht zusammenzubrechen, Menschen sterben auf der Straße. Die Polizei sammelte in den letzten Tagen mehr als 200 Leichen ein, von denen vier Fünftel mit Corona infiziert waren. Es ist wie ein Déja-vu; doch ist hier nicht von Ecuador die Rede und auch nicht von Brasilien, sondern von Bolivien. Als hätte der Andenstaat nicht genug Probleme ist in den letzten Wochen ein rasanter Anstieg der Infektionen mit dem Corona-Virus zu verzeichnen. Dabei schien das Land zunächst alles richtig gemacht zu haben. Bereits wenige Tage nach der Bestätigung des ersten Erkrankten am 10. März wurden die Grenzen des Landes geschlossen, Beziehungen zwischen den Departements auf den wirtschaftlichen Austausch beschränkt. Am 22. März erließ die Interimsregierung per Dekret eine Quarantäne mit strenger Ausgangssperre; die zunächst für zwei Wochen geplante Maßnahme wurde mehrmals verlängert. Im Mai wagte man dann regional erste Lockerungen, im Landesmaßstab waren die Fallzahlen moderat, stärker betroffen waren lediglich die Tieflanddepartements, insbesondere Santa Cruz. Doch Anfang Mai nahm die Pandemie an Fahrt auf. Die Fallzahlen haben sich bis heute mehr als verzehnfacht, woran auch die Einschränkungen für die Feiern zum Neujahrsfest der Aymara nichts änderten. Mittlerweile greift man zu einer Maßnahme, die bisher wohl nur den Chinesen als Maßnahme gegen Corona zugetraut wurde – den Einkapselungen (encapsulamientos). Immer wieder werden ganze Ortschaften für mehrere Tage von der Außenwelt abgeriegelt, die Häuser dürfen nicht verlassen werden und lediglich Krankenwagen, Polizei und Militär dürfen sich in der Öffentlichkeit bewegen. Während des encapsulamiento ziehen Gesundheitsbrigaden von Haus zu Haus, um Kranke zu identifizieren. Zuletzt traf es Oruro, das ab letztem Freitag für vier Tage „eingekapselt“ war. Bolivien mit seinen gut elf Millionen Einwohnern zählt inzwischen mehr als 71.000 bestätigte Covid-19-Fälle und 2.647 Todesfälle. Allein gestern registrierte man 1.752 Neuerkrankungen. Der Schwerpunkt der Pandemie verlagert sich immer mehr vom Osten in den Westen des Landes, den stärksten Anstieg der Fälle gibt es in La Paz und Cochabamba. Die angespannte politische Lage nach dem Sturz von Evo Morales und der Einsetzung einer Interimsregierung macht die Bekämpfung der Pandemie nicht einfacher, da die politischen Lager sich gegenseitig blockieren. Die Interimsregierung versucht nach wie vor, den MAS auszugrenzen und zu kriminalisieren. Einem für gestern geplanten Treffen zwischen MAS und Minister Yerko Núñez blieben die beiden MAS-Vertreter fern, nachdem sie von Núñez‘ Präsidentschaftsministerium als Verschwörer bezeichnet worden waren. Die Gewerkschaftszentrale (COB) rief dieser Tage zu einer Mobilisierung gegen den für Oktober geplanten Wahltermin auf; die ersten Märsche gab es heute in El Alto. Der MAS verweigert indes die Zustimmung zu internationalen Krediten, weil die Regierung keine genauen Angaben über deren geplante Verwendung liefert. Nach dem Korruptionsskandal im Zusammenhang mit dem Kauf von spanischen Beatmungsgeräten scheint das verständlich, doch ohne Kredite wird das Land die Krise kaum meistern können, deren Höhepunkt übrigens erst Ende August/Anfang September erwartet wird. Derweil registriert man im Land einen Run auf Medikamente, sofern diese noch erschwinglich sind. Ein absoluter Bestseller ist übrigens Chlordioxid, das von Wunderheilern als wirksames Mittel gegen Covid-19 angeboten wird (Bild: https://www.minsalud.gob.bo).

Paraguay: Das andere COVID 19-Wunder

Paraguay_FlaggeDrei COVID 19-Wunder – Nicaragua, Cuba und Uruguay – kennen wir schon in Lateinamerika. Paraguay ist mit 3.629 der Gesamtfälle (19.07.2020) das lateinamerikanische Land auf der Liste mit den viertwenigsten Infizierten. Bei den Corona-Toten pro eine Million Einwohner rangiert es an letzter Stelle im Lateinamerika-Ranking, ist hier also sogar am günstigsten aufgestellt: Es hat nur 12. Für die anderen von Corona wenig betroffenen Länder hatten wir gute Erklärungen parat: Cuba hat ein bemerkenswertes Gesundheits- und Sozialsystem, Uruguay verfügt darüber hinaus noch über geringe Armutszahlen und ein gut ausgebautes demokratisches Staatswesen, und für Nicaragua … kann einfach die Zählweise bezweifelt werden. Aber Paraguay, das hat doch nichts davon! Stimmt. Das Land gibt in der Region zudem am wenigsten für Soziales aus und hat ein besonders schlechtes Gesundheitssystem. Hier muss es also anders funktionieren! Aber wie? Zunächst weiß das Land vorteilhafte Bedingungen zu vermelden, die sonst nur schwerlich als positiv einzuschätzen sind: Es ist isoliert, eine „von Land umgebene Insel“ (Roa Bastos), was internationale Flüge und Tourismus betrifft. Mit China pflegt es keine diplomatischen Beziehungen, sondern nur mit Taiwan. Es zählt auch verhältnismäßig wenige Einwohner, von denen eine Minderheit in den Städten lebt. Und es hat eine schnelle, wirksame und konsistente Anti-Corona-Politik betrieben und diese auch erfolgreich kommuniziert: Es war am 7. März 2020 eines der ersten Länder, die eine Quarantäne deklariert haben. Am 20. März herrschte bereits ein vollständiger Lockdown – bis zum 3. Mai. Mundschutz, physische Distanz, obligatorisches Fiebermessen, Händewaschen und Schuhreinigen vor den Läden werden bis heute nicht in Frage gestellt. Für aus Corona-gefährdeten Gebieten, insbesondere aus Brasilien Einreisende gibt es „Gesundheitshotels“, in denen diese nach ihrer Einreise 14 Tage bleiben müssen. So weit, so gut. Und der Pferdefuß? Es sind Füße, nicht nur ein Fuß: Zur Absicherung wird in Paraguay auch eine ihre Rechte missbrauchende Polizei eingesetzt. Die Grenze ist in Schlüsselabschnitten militarisiert. Es werden verfassungsmäßige Rechte verletzt, mithin ohne das System der Checks and Balances einzuhalten. Der Gesundheitsnotstand beruht auf einem Gesundheitsgesetz, das in den diktatorischen 1980er Jahren unter dem berüchtigten Stroessner-Regime verabschiedet worden war. Überhaupt, so heißt es, sei eine aus Stroessner-Zeiten überkommene Angst vor Strafe ein Motiv zur strikten Befolgung der Gesundheitsmaßnahmen. Autoritarismus als beste Grundlage für Epidemie-Bekämpfung? Aber auch Uruguays Ergebnisse sind gut, und dieses Land hat eine bestens funktionierende Demokratie! Also im Zweifel doch lieber Uruguay! Oder wirkt auch hier eher erinnerter Autoritarismus als Demokratie, so wie in Paraguay? Schwer vorstellbar. Ach, und nicht zu vergessen, die Corona-Kurven in Paraguay steigen, sogar exponentiell, und bei der der Zahl der Corona-Tests pro eine Million Einwohner steht das Land recht schlecht da – es gehört nur zur zweiten Hälfte der Länder Lateinamerikas. Auch hier ist Uruguay das erfolgreichere Beispiel. Erst die Zukunft wird wohl diesen – natürlich imaginären – Wettbewerb entscheiden (Bild_cc_wiki).

Lateinamerika: Wichtige Ziele der Agenda 2030 sind unerreichbar

noticias_Ernährungsbericht_UNO_TitelIn den Jahren von 2000 bis 2014 sank die Zahl der Menschen, die in Lateinamerika und der Karibik an Hunger leiden, um fast die Hälfte auf. Als die UNO ihre 17 Ziele für nachhaltige Entwicklung beschloss, die am 1.1.2016 in Kraft traten, war diese positive Entwicklung aber bereits zum Stillstand gekommen. Die Ziele 1 und 2 der sogenannten Agenda 2030 lauten Keine Armut und Null Hunger. Was seit mehreren Jahren klar ist, hat der UNO-Bericht zum „Stand der Ernährungssicherheit und Ernährung in der Welt 2020“ bestätigt: Die lateinamerikanischen und karibischen Länder werden diese beiden Nachhaltigkeitsziele nicht erreichen. Entgegen der hochgesteckten Vereinbarung werden Hunger und Armut in der Region noch zunehmen. Der kürzlich veröffentlichte Bericht der Vereinten Nationen prognostiziert einen Anstieg der Hunger leidenden Menschen in Lateinamerika und der Karibik bis zum Jahr 2030 auf 67 Millionen. Das sind drei Viertel mehr als im Jahr 2014, bevor die Agenda 2030 beschlossen wurde. Gleichzeitig, so warnt der Bericht, nimmt die Zahl der Fettleibigen deutlich zu. Das ist nur scheinbar ein Widerspruch. In der Region liegen die Kosten für eine ausreichende Ernährung pro Person mit 1,6 Dollar um etwa ein Drittel höher als im weltweiten Durchschnitt. Für die Gewährleistung einer nicht nur hinsichtlich der Kalorien ausreichenden, sondern auch gesunden Ernährung, die alle wichtigen Nährstoffe liefert, müssen allerdings 3,98 Dollar aufgebracht werden. Das ist das Dreifache dessen, was Menschen, die unter der Armutsgrenze leben, täglich für ihre Ernährung aufbringen können. Mehr als 100 Millionen Einwohner der Region können sich eine ausgewogenen Ernährung schlicht nicht leisten. Das Erschreckende an diesen Zahlen zur Ernährungssicherheit in Lateinamerika und der Karibik ist die Tatsache, dass die neuen Entwicklungen durch die Covid-19-Pandemie noch nicht berücksichtigt werden konnten. Verschiedenen Prognosen zufolge wird infolge der Coronakrise das regionale Bruttoinlandsprodukt um 7,2 Prozent sinken (Weltbank) und die Zahl der Armen nimmt um 29 Millionen zu (CEPAL) (Bild: http://www.fao.org/).