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Politik und Kultur in Lateinamerika

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Zentralamerika: Pandemie als Krisenkatalysator

SICA-Logo_CC_flickrWenn sich die Zahl der Toten, die der COVID-19-Pandemie zum Opfer gefallen sind, in den meisten zentralamerikanischen Ländern derzeit im zwei- oder dreistelligen Bereich bewegt, dann mag dies zunächst verwundern. Dies könnte auf die relativ frühen und zum Teil einschneidenden Gegenmaßnahmen zurückzuführen sein. Als erstes Land rief Panama am 12. März den Ausnahmezustand aus, gefolgt von Honduras (16. März) und Guatemala (Grenzschließung am 17. März). El Salvador verhängte am 21. eine umfassende Ausgangssperre und Costa Rica reagierte am 24. März mit der Schließung seiner Grenzen. Am 1. April rief Belize den nationalen Notstand aus. Nur Nicaragua beschreitet einen Sonderweg. Mit der Begründung, dass das Land ausreichend gegen die Pandemie gerüstet sei, erlaubt die Regierung sogar Massenkundgebungen und Sportveranstaltungen. Nach 34 Tagen Abwesenheit trat Präsident Daniel Ortega am 15. April mit einer Rede in der Öffentlichkeit auf, in der er COVID-19 als „Strafe Gottes“ bezeichnete, die sich in erster Linie gegen die USA richte. Nicaragua meldet derzeit 15 Kranke, fünf Todesfälle und sieben Genesene, die sich mit dem Virus infiziert hatten. Mit sechs bzw. zwei Fällen liegen Costa Rica und Belize bei den Todesfällen ebenfalls im einstelligen Bereich. Von den insgesamt 330 Menschen, die in der Region nach offiziellen Angaben an COVID-19 verstorben sind, entfallen allein auf Panama 203 Fälle. Auch bei den akut Infizierten konzentrieren sich zwei Drittel (7.387 von 10.657 Fällen in allen sieben Ländern Zentralamerikas) im südlichsten Land des Isthmus. Bei der Bewertung dieser Zahlen sollte man jedoch folgende Faktoren berücksichtigen: Zum einen dürfte es sich aufgrund der geringen Testkapazitäten und des oftmals schlechten Zustands des Gesundheitswesens um die Spitze des Eisbergs handeln. Zudem zeigen die verantwortlichen Politiker oft das Bestreben, die Situation und damit ihr Wirken in einem besseren Licht erscheinen zu lassen. Als dritter Faktor ist die Wirkung der getroffenen Maßnahmen zu nennen. Generell verschärfen sich durch sie all jene Probleme, Ängste und Benachteiligungen, unter denen die Schwächsten der Gesellschaft „normalerweise“ schon zu leiden haben. So wird für Guatemala eine Hungersnot prognostiziert, weil die Mehrheit der im informellen Sektor Tätigen aufgrund der Schließung der Departementsgrenzen und der umfassenden Mobilitätsbeschränkungen nicht mehr ihren Lebensunterhalt sichern kann. Auch die zahlreichen Migranten, die mit ihren Rücküberweisungen für Belize, El Salvador, Guatemala, Honduras und Nicaragua einen unverzichtbarer Wirtschaftsfaktor darstellen, sind durch COVID-19 massiv gefährdet, da sie in der Regel die ersten sind, die während einer Wirtschaftskrise ihren Job verlieren. Die UN-Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) prognostiziert für dieses Jahr einen ökonomischen Einbruch, der die Folgen der Weltwirtschaftskrise von 1929 noch übertreffen wird. Laut einer Pressemitteilung vom 22. April rechnen Experten der Weltbank bei den Rücküberweisungen nach Lateinamerika für 2020 mit einem Rückgang von 19,3 Prozent im Vergleich zum Vorjahr. 2019 schickten Migranten aus dieser Weltregion rund 69 Milliarden US-Dollar in ihre Heimatländer zurück. Des weiteren ist der Kaffeesektor, in dem nach Angaben des Zentralamerikanischen Integrationsbündnisses (SICA) rund fünf Millionen Menschen ihren Lebensunterhalt verdienen, massiv von den Folgen der Pandemie betroffen. So sind die honduranischen Kaffee-Exporte gegenüber dem Vorjahr im April 2020 um rund 20 Prozent eingebrochen. Der Anteil Zentralamerikas an der weltweiten Kaffeeproduktion beträgt rund zehn Prozent. Mit der Verhängung des Ausnahmezustandes nimmt außerdem die Tendenz der Militarisierung des öffentlichen Lebens und eines repressiven Vorgehens gegenüber der Gesellschaft zu, wie das Beispiel von Nayib Bukele, dem neugewählten Präsidenten El Salvador, anschaulich zeigt. Alles in allem werden sich die sozialen und politischen Probleme in allen Ländern Zentralamerikas infolge der Corona-Pandemie rapide zuspitzen. Es ist nur eine Frage der Zeit, dass die Region, die schon in „normalen“ Zeit äußerst fragil ist, von einer Welle sozialer Explosionen erschüttert wird. (Bildquelle: CC_flickr).

Ein Huhn für 22 Familien: Der Hunger peinigt das letzte Nomadenvolk Kolumbiens

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Die indigenen Nukak-Makú aus Guaviare durchleben eine Hungersnot. Obgleich der Verfassungsgerichtshof sich zu ihren Gunsten ausgesprochen hat, wird nichts von den geplanten Schutzmaßnahmen in die Tat umgesetzt. Im Bezirk Agua Bonita, zwanzig Minuten entfernt von der Hauptstadt der amazonischen Guaviare-Region ...

Kuba: Allgemeines und Besonderes von Corona

Kuba_Covid19_Bild_Regierung-KubaDie ersten Corona-Infizierten wurden in Kuba nach dem 11. März 2020 registriert. Diese Infektionen gelten als „eingeschleppt“. Am Sonntag, dem 26.04.2020, gab es 1.337 Infizierte und 51 Tote im Land. Mit diesen Zahlen gehört Kuba zur mittleren Gruppe in Lateinamerika und der Karibik. In Kuba am meisten betroffen sind Havanna, Santa Clara und die Isla de la Juventud. Vergleicht man den Prozentsatz der Corona-Toten an den Infizierten, so ist dieser in Kuba und Deutschland mit jeweils rund 0,038 gleich hoch, in den USA, wo, wie man weiß, das Problem anfangs total ignoriert wurde, fällt er schlechter aus. Was mögen eigentlich die dortigen Exilkubaner darüber denken? Wichtiger ist indes die Frage, warum es angesichts einer solchen „Corona-Normalität“ dennoch interessant ist, über Kuba zu berichten. Mindestens aus den drei folgenden Gründen: Erstens, weil hier Prävention und Kontrolle besonders frühzeitig begonnen wurden, schon als es noch keine Fälle gab, und weiterhin effektiv gehandhabt werden: Der kubanische Prävention- und Kontrollplan ist seit Januar 2020 in Kraft. Er beinhaltet das Training des medizinischen Personals, Maßnahmen zur Quarantäne-Vorbereitung und die Information der Öffentlichkeit. Der öffentliche Nahverkehr ist landesweit gestoppt. Dabei sind staatliche und auch private Autofahrer gehalten, Patienten und medizinisches Personal zu transportieren. Große Supermärkte sind geschlossen, die Verteilung knapper Güter wird vom Zivilschutz übernommen, 60.000 Medizin-Studenten besuchen die Wohnhäuser, um Risikogruppen zu untersuchen. Weil Seife und Desinfektionsmittel fehlen, werden die Hände an den Eingängen von Läden und Dienstgebäuden mit gechlortem Wasser desinfiziert. Jeder Patient, der sich aufgrund von Symptomen dem Arzt vorstellt, wird zunächst als Corona-verdächtig eingestuft. Es werden auch besonders viele Tests durchgeführt: Die Ratio von Tests zu identifizierten Fällen beträgt in Kuba 25 zu 1. In Deutschland ist das Verhältnis 10 zu 1. Zweitens, weil Kuba zur Therapierung der Virus-Erkrankung schon mehrere eigene Medikamente entwickelt hat: CIGB-2020 soll insbesondere bei älteren Menschen den Krankheitsverlauf abschwächen. Interferon alfa 2 B (INFrec) stärkt das Immunsystem und wurde schon bei Dengue, Krebs sowie Hepatitis B und C mit Erfolg angewandt. Ferner werden noch das vorbeugende Medikament Biomodulina-T und, für Schwerkranke, CIGB 254 als erfolgversprechend aufgeführt. Auch deutsche und andere ausländische Firmen sind an einigen dieser Medikamente interessiert. Drittens, weil Kuba, das bereits über vielfältige Ärzte-Erfahrung im Ausland verfügt, seine erprobten Ärzte und Pfleger insgesamt in 31 Staaten, darunter Italien, Andorra, französische Überseegebiete, Jamaica, Surinam, Nicaragua, Grenada, Honduras, Katar und Argentinien „exportiert“. Kuba schickt seine Ärzte selbst in Länder, mit denen es keine diplomatischen Beziehungen hat. Aus dem Export soll die kubanische Regierung 6,3 Milliarden Dollar eingenommen haben, was sich insgesamt auf rund 11 Milliarden summieren könnte. Dieser Export, so zitiert das „Handelsblatt“ zwei Spezialisten, sei zurzeit Kubas wichtigste Devisenquelle. Von Kuba-kritischen Quellen wird moniert, dass die Ärzte das Geld nicht selbst erhalten, sondern die Regierung. Dabei machen das andere Regierungen genauso. Dieselben Quellen betonen auch immer wieder, diese Hilfe sei bloßes Propaganda-Instrument. Und wenn es so wäre, ist nicht Hilfe immer noch besser als keine? Was zeigt uns Kuba noch? Dass Corona leider auch in warmen Regionen gedeiht und dass es ausgesprochen günstig ist, wenn Regierung und Bevölkerung an einem Strang ziehen. Aber auch: Wenn man Kuba mit Deutschland vergleicht, kommt heraus, dass die Resultate bei der Bekämpfung der Krankheit in Nicht-Demokratien und Demokratien ähnlich gut sein können. Was die Versorgung betrifft, war ja Kuba, anders als Deutschland, auch schon vor der Corona-Krise an Mangel gewöhnt. Man kann es aber auch anders sehen: Das, was in der Kritik an Kuba oft an erster, mindestens aber an zweiter Stelle genannt wird – dass es Versorgungsengpässe gibt – trifft in Corona-Zeiten auch auf Deutschland zu, o.k. hier wohl etwas weniger als dort. Jedoch bei fehlendem Toilettenpapier prügelt man sich in Kuba nicht. (Bild: Ministerio de Salud_Cuba).

Argentinien: Covid-19 und die (notwendige) Neugründung des Landes

Argentinien_Covid_Bild_quetzal-redaktion_solebiasattiSeit einem Monat befindet sich auch Argentinien unter Quarantäne aufgrund der Covid-19-Pandemie. Die Maßnahme wurde damals von Teilen der Opposition als „voreilig“ kritisiert, da es zu diesem Zeitpunkt lediglich weniger als 100 bestätige Infizierte und 3 Todesfälle gab. Zwei Wochen nach Feststellung des ersten Falles am 2. März war die Schließung von Grenzübergängen und die Aussetzung des Schulunterrichts verordnet worden. Geht man von der Glaubwürdigkeit der offiziellen Zahlen aus, 2.900 Erkrankte und 130 Todesfälle, so führten die frühzeitig durchgeführten Maßnahmen zur Verlangsamung der Virusausbreitung, was wiederum von der bislang niedrigen Belegung von Intensivbetten bestätigt wird. Da die Zahl der bislang durchgeführten Tests unzureichend sind, sollen jedoch die niedrigen Zahlen mit Vorsicht betrachtet werden. Im Gegensatz zu diesen niedrigen Covid-Zahlen steht die hohe Zahl an Suspendierungen und Entlassungen, die im Zusammenhang mit der Ausgangssperre durchgeführt wurden – bis dato fast 16.000 MitarbeiterInnen – nicht nur von kleineren Familienfirmen, sondern hauptsächlich von großen Konzernen wie General Motors, Techint oder Minera del Altiplano. In diesem Zusammenhang gab Präsident Fernández einerseits einen Dringlichkeitserlass heraus, der innerhalb der kommenden zwei Monate Entlassungen untersagt. Andererseits wurde ein Programm zur Unterstützung der Beschäftigung und Produktion gestartet, das zinsfreie Darlehen für Selbständige anbietet und Firmen bei der Lohnzahlung unterstützt. Der Beschluss zur Maskenpflicht, der bereits am 8.04. in einigen Provinzen eingeführt wurde und seit gestern landesweite Geltung hat, stellt für zahlreiche Handwerker, die aufgrund der Ausgangssperre nicht arbeiten dürfen, eine konkrete Beschäftigungsmöglichkeit dar. Derzeitige parlamentarische Diskussionen über die Verabschiedung eines Gesetzes zur Vermögensversteuerung sind von ausschlaggebender Bedeutung – zumal eine Rückkehr zur Normalität im Fall Argentiniens über die momentane Lage hinausgeht. Hinzu kommt nicht nur die Ausbreitung von Denguefieber, sondern auch die Belastung des Internationalen Währungsfonds und eine langfristige einheimische Wirtschaftskrise, die von unpopulären Maßnahmen der vorherigen Regierung Macri verschärft wurden. Fernández brachte erneut seine Überzeugung aus dem Wahlkampf zum Ausdruck, dass es notwendiger denn je sei, ein solidarisches und gerechteres Land neu zu begründen. (Bild: quetzalredaktion_solebiasatti).

Ecuador: Apocalipsis ahora

noticias_ecuador_covid-19_public_domainHeute meldete Ecuador 7.603 bestätigte Coronafälle und 369 an der Krankheit Verstorbene. 71,2 Prozent der Kranken entfallen auf die Küstenprovinz Guayas, aus deren Hauptstadt Guayaquil die Medien rund um den Globus apokalyptische Szenen schildern: Tote auf den Straßen und in Wohnungen, überfüllte Leichenhallen. Die Stadt baut drei neue Friedhöfe, um die Toten bestatten zu können, eine Firma spendete Särge aus Pappe. Mittlerweile wurde gemeldet, dass extra zu diesem Zweck abkommandierte Polizeieinheiten in Guayaquil Hunderte Tote aus Wohnungen und Krankenhäusern abgeholt hätten. Es ist trotz der Situation in Guayas vermutlich nicht gerechtfertigt, die offiziellen Angaben zu den Coronatoten einfach als Vertuschungsversuch der Regierung abzutun. Staatsministerin María Paula Romo gab heute bekannt, dass die Ergebnisse von etwa 10.000 Tests noch ausstehen. Fakt ist, dass man einfach nicht weiß, wie viele Menschen tatsächlich an Covid-19 gestorben sind. Das Gesundheitssystem ist faktisch zusammengebrochen, Hilfsbedürftige – und nicht nur Coronakranke – warten oft vergeblich auf Behandlung. Jetzt versuchen die Behörden verzweifelt gegenzusteuern und der Krise Herr zu werden; es wird auch an einem Fernpflegesystem gearbeitet. Vor drei Wochen war die Gesundheitsministerin wegen der unzureichenden Maßnahmen im Kampf gegen COVID-19 zurückgetreten. Dass die Regierungsmitglieder jetzt auf die Hälfte ihres Gehalts verzichten wollen, fühlt sich da eher wie Kosmetik an. Zehn Milliarden US-Dollar, so heißt es, brauche Ecuador, um die Krise zu überwinden. Man rechnet mit einem Wirtschaftsrückgang von sechs Prozent. Schlechtere Prognosen gibt es in Lateinamerika nur für Venezuela und Mexiko. (Bildquelle: wiki_public_domain).

Espero tua (re)volta - Ein Film von Eliza Capai über die Schüler- und Studentenbewegung in São Paulo

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Das Wichtigste gleich zu Beginn: Sehen Sie sich diesen Film an. Espero tua (re)volta ist kurzweilig und informativ, der Film macht Hoffnung und gleichzeitig auch unglaublich wütend. Die Regisseurin und Autorin Eliza Capai lässt drei junge Paulistanos ihre Geschichte erzählen, oder ...

Nicaragua: Corona und der magische Realismus

Nicaragua_CC_wikiGoogelt man Mexiko mit Corona, findet man schon lange nicht mehr an erster Stelle die beliebte süffige Flüssigkeit. Bei Nicaragua ist das anders: Hier sind es noch immer die dicken Rauchstäbchen, die uns aus dem Internet grüßen. Richtig, auch in Lateinamerika haben viele Länder viele Corona-Infizierte und wenige wenige. Es ist schon eine Crux mit den Statistiken: Wer nicht misst oder testet, hat natürlich auch keine oder kaum Fälle. Immer dieses Misstrauen! Warum kann es nicht sein, dass es in Nicaragua einfach nichts zu testen gibt, weil keiner oder kaum einer krank ist? Nun ja, um das zu wissen, müsste man erst einmal … testen. Kurzum, wir wissen es nicht. Nach Belize sei es Nicaragua, das in Lateinamerika am wenigsten von COVID-19 betroffen ist oder solches zumindest vorgibt. Dabei sind seine zentralamerikanischen Nachbarn keinesfalls frei von höheren Zahlen: Für Honduras werden (am 31.03.) 141 und für Costa Rica 330 Infizierte angegeben. Die für „hochkonsistente Daten“ bekannte Johns-Hopkins-Universität, die, ob direkt oder indirekt, ihre Quellen aber auch nur in den betreffenden Ländern selbst haben kann, nennt nun schon dreizehn Tage lang nur vier Betroffene für Nicaragua. In dreizehn (!) Tagen ist in diesem Land nichts weiter an Ansteckung passiert? Was ist denn hier mit der exponentiellen Kurve? O.k., am Anfang ist sie ja immer flach. Am 18. März wurde in Nicaragua vom ersten Corona-Fall berichtet. Doch ein Schelm, der Böses dabei denkt: Präsident Ortega zeigt sich – aus welchem Grunde eigentlich, wo doch nichts gefährlich ist? – schon seit dem 21. Februar nicht mehr in der Öffentlichkeit. Vogel Strauß lässt grüßen. Er lässt wieder einmal seine Frau, Rosario Murillo, die Vizepräsidentin, sprechen. Ihre offiziellen Zahlen seien „tadellos transparent“. Fragen von Journalisten werden nicht zugelassen. Nach den Worten der Ehefrau brauche Nicaragua weder Ausnahmezustand noch Quarantäne, weder soziale Distanz noch Grenzschließung. Stattdessen ruft Frau Murillo zum Marsch der Bürger unter der Losung auf „Amor en los tiempos de COVID-19“. Nun ja, die Liebe verlangt halt nach Nähe und nicht nach sozialer Distanz. Ein wirklich magischer Realismus! Oder, wie Wikipedia sagt: Die Grenze zum Surrealismus ist fließend. (Bildquelle: CC_wiki).

Lateinamerika: In Erwartung der Katastrophe – Corona in Lateinamerika

noticia_mexico_covid-19_foto_mctic.gov.brCovid-19 kam am 26 Februar in Lateinamerika an: an diesem Tag meldete Brasilien den ersten Erkrankten in der Region. Die neuesten Zahlen der bestätigten Erkrankungen reichen von 1.900 in Brasilien über 416 in Peru bis zu 1 in Nicaragua. Damit ist Lateinamerika nach wie vor verhältnismäßig wenig von der Pandemie betroffen, doch die Länder bereiten sich auf Schlimmeres vor und ergreifen bereits zu diesem frühen Zeitpunkt drastische Maßnahmen wie nächtliche Ausgangssperren, die Schließung öffentlicher Einrichtungen oder Ein- und Ausreiseverbote. De facto haben sich die Länder gegeneinander abgeschottet. Zwar beschlossen die Regierungen der am Forum für den Fortschritt Südamerikas (Prosur) beteiligten Länder vor wenigen Tagen ein gemeinsames Vorgehen im Kampf gegen das Virus, doch fällt es ihnen schon im nationalen Rahmen schwer, entsprechende Maßnahmen durchzusetzen, da ihr Rückhalt in der Bevölkerung meist nicht groß ist. In Brasilien führt ein die Krise leugnender Präsident politische Auseinandersetzungen mit den Gouverneuren der am stärksten von der Pandemie betroffenen Regionen des Landes statt sie zu unterstützen. In Kolumbien starben bei einem Gefängnisaufstand vor zwei Tagen 23 Menschen und 90 weitere wurden verletzt. Aus Peru wird von mehreren Hundert Verhafteten berichtet, weil die nationale Quarantäne nicht eingehalten wird. Neben dem Fehlen staatlicher Autorität erschweren schlechte Gesundheitssysteme ein wirksames Vorgehen gegen das Virus. Zudem treffen Ausgangssperren die Bevölkerung in vielen Ländern der Region weit stärker als in Europa oder auch in China. Allein in Mexiko arbeiten knapp 60 Prozent im informellen Sektor, ihnen würde so jeglicher Lebensunterhalt entzogen. Experten rechnen deshalb mit einer wirtschaftlichen und sozialen Katastrophe, falls die Pandemie die gleiche Stärke erreicht wie in Europa und China. Die gegenseitige Abschottung der wirtschaftlich miteinander verflochtenen Länder dürfte diese Krise noch verschärfen (Bildquelle: mctic.gov.br).

Was macht der chinesische Drache in Uncle Sam's Hinterhof?*

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Die Beziehungen Chinas zu Lateinamerika haben erst während der letzten dreißig Jahre an Kontur und Gewicht gewonnen. In dieser historisch kurzen Zeit ist die Volksrepublik zum zweitwichtigsten Handelspartner der Region aufgestiegen und hat damit die EU auf den dritten Platz ...