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Politik und Kultur in Lateinamerika

Suchergebnisse für "buen vivir"

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Nicaragua: Der Dichter und Priester Ernesto Cardenal ist tot

noticias_Nicaragua_Ernesto_Cardenal_CCDiese Bilder haben sich eingeprägt: Die irgendwie etwas gelangweilten Gesichter von Gästen des Festaktes, die der Dankesrede des Geehrten lauschen; die Übersetzung seines Redemanuskriptes bleibt unbeachtet auf dem Schoß liegen, so als interessiere es nicht, was dieser zu sagen habe. Das war im Oktober 1980, der nicaraguanische Dichter und Vertreter der Theologie der Befreiung Ernesto Cardenal war gerade mit dem Friedenspreis des Deutschen Buchhandels ausgezeichnet worden. Im Jahr zuvor hatten die Sandinisten die Somozadiktatur gestürzt und Cardenal gehörte als Kulturminister der sandinistischen Regierung an. Verständlich, dass sich im deutsche Publikum des Festakts nicht nur Sympathisanten fanden. Knapp drei Jahre später wird Papst Johannes Paul II. während seiner ersten Lateinamerikareise den revolutionären Priester mit großer Geste tadeln und im Jahr darauf vom Priesteramt suspendieren. Der Vorwurf des explizit politisch agierenden Papstes aus Polen betraf das politische Engagement Cardenals und der anderen Gemaßregelten. Ernesto Cardenal wird diesen Papst gut 20 Jahre später in einem Spiegel-Interview als ein Unglück für Lateinamerika und die Welt bezeichnen. Erst im vergangenen Jahr wurde diese Suspendierung wieder aufgehoben. Ernesto Cardenal Martínez, der aus einer einflussreichen Familie stammte, hatte zunächst Philosophie und Literaturwissenschaft studiert. Später zog er sich in ein Trappistenkloster zurück, studierte schließlich Theologie und wurde zum Priester geweiht. Von der Welt zog er sich indes nicht zurück. Sein politisches Engagement für die Armen treibt ihn zeit seines Lebens um; ob nun in seiner Gemeinschaft von Solentiname gegen Somoza, als Minister der sandinistischen Regierung oder in der Opposition gegen das System Ortega. Er selbst sagte über sich einmal, er sei zum Dichter geboren, weshalb er auch Priester geworden sei, um die Schönheit Gottes zu besingen. Für Cardenal, der bis zuletzt betonte, er bleibe ein christlicher Marxist, war die Theologie der Befreiung eher eine Theologie der Revolution, schließlich stehe die Kirche Jesu Christi auf der Seite der Armen. Am Sonntag, dem 1. März, ist Ernesto Cardenal in Managua verstorben. Seine letzte Ruhe wird er in Solentiname finden. (Bildquelle: Roman Bonnefoy_CreativeCommoms).

Argentinien: Holocaust Museum in Buenos Aires wiedereröffnet

Argentinien_HolocaustMuseum_Bild_CC_wiki_Ginés90Vergangene Woche öffnete das Museo del Holocausto Buenos Aires, das als eines der besten seiner Art gilt, wieder seine Pforten. Das kürzlich sanierte Museum, welches 2000 eingeweiht worden war, beherbergt auf drei Etagen nicht nur zahlreiche Exponate und Berichte von Überlebenden, die im argentinischen Exil ihr Leben neu beginnen durften, sondern auch eine spezialisierte Bibliothek und ein Archiv. Die neue Dauerausstellung zeigt in einer modernen Präsentation die Judenverfolgung während der NS-Zeit und des Zweiten Weltkriegs in Europa sowie ihre Auswirkungen in Argentinien. Das südamerikanische Land war einerseits einer der wichtigsten Exilorte für verfolgte Juden, nicht nur nach Hitlers Machtergreifung, sondern bereits während der Pogrome im zaristischen Russland. Andererseits nahm Argentinien – Ironie des Schicksals und nicht zuletzt der doppeldeutigen politischen Handlung des damaligen Präsident Juan Domingo Perón – auch mehrere Kriegsverbrecher auf, die nach der Zerschlagung Nazideutschlands flüchteten, u.a. Josef Mengele, Erich Priebke und Adolf Eichmann. Buenos Aires berief sich in den 1930er Jahren darauf, den wichtigsten NSDAP-Sitz außerhalb des Dritten Reiches zu haben. Auch damit bestärkte Argentinien schon damals seine ausgeprägte Leidenschaft für Superlative. Es ist zu hoffen, dass das Land seinem Stil in diesem Sinne nicht ganz treu blieb. (Bild: CC_wiki_Ginés90).

Schwestern für Deutschland – Bundesrepublik wirbt mexikanisches Pflegepersonal an

Mexiko_Pflege_Foto_Paulette636_CreativeCommons

Die Schlagzeilen klingen schon einmal gut; egal, ob sie aus bundesdeutschen oder mexikanischen Medien stammen. Und wenn man sich die entsprechenden Texte näher ansieht, verstärkt sich dieser Eindruck noch. Mexikanische Pflegekräfte kommen nach Deutschland und helfen, den Pflegenotstand hierzulande zu lindern. Das hilft der Bundesrepublik. Auf der anderen Seite gibt es in Mexiko zu viele Pflegekräfte ...

El Salvador: Demokratie? Egal! Der „coolste Präsident der Welt“ wollte das Geld!

Noticias_El Salvador_Bukele_Bild_wiki_CCAm 9. Februar 2020 traute man in San Salvador seinen Augen kaum: Ein etwa halbes Hundert schwerbewaffneter Armeeangehöriger und Polizisten mit Schusswesten besetzte den halbleeren Plenarsaal des salvadorianischen Parlaments. Wenig später marschierte auch der Präsident El Salvadors Nayib Bukele in den Saal, um dortselbst den Sitz des Parlamentspräsidenten einzunehmen, der seinerseits nicht anwesend war. Bukele verkündete mit klarer Stimme: „Nun ist es wohl klar, wer die Situation kontrolliert!“ In El Salvador hatte wieder einmal die Exekutive, gar militärisch, die Legislative „besiegt“. Demokratie und Gewaltenteilung? Egal! Nach seinem einzigen Satz schloss der Präsident für ein paar Minuten die Augen und verließ dann den Saal wieder, gefolgt von seinen bewaffneten Begleitern. Das Fernsehen übertrug live. Draußen wurde Bukele von etwa 5000 Anhängern, darunter vor allem Mitglieder seiner Partei Nuevas Ideas und Regierungsangestellte, empfangen, denen er eröffnete, im Saal habe Gott zu ihm gesprochen und ihn doch noch um Geduld gebeten. Wie schön, Gott hatte ihn noch einmal vor einem „Selbstputsch“ bewahrt! Aber für wie lange? Denn im gleichen Atemzug kündigte Bukele vor den Menschenmassen an: Wenn das Parlament nicht innerhalb einer Woche seiner Intention entspräche, würde er es nunmehr durch einen „Aufstand“ auflösen. In dieser Rede soll Bukele dann Gott sogar 25 Mal angerufen haben. Für deren Ende wählte er den Satz der Linken: „El pueblo unido jamás será vencido!“ Was war zuvor passiert? Am 5. Februar hatte das Parlament dem Präsidenten die Erfüllung seines Wunsches nach einem Kredit von 109 Millionen $ versagt, die dieser für die Finanzierung der Phase 3 seines Planes Control Territorial beanspruchte. Bukele hätte dafür der Stimmen entweder der Partei ARENA oder der FMLN bedurft, die sie ihm allerdings nicht gaben. Wieder einmal rächte sich, dass er sich im Parlament auf keine signifikante eigene Partei stützen kann. Am 9. Februar waren dann bis zu der von Bukele anberaumten Uhrzeit nicht genügend Abgeordnete für eine Außerordentliche Parlamentssitzung erschienen. Der Präsident reagierte mit o.g. Szenario. Bis zum heutigen Tag (18.02.2020) hat das Parlament seine Forderung nicht erfüllt. Was wird nun passieren? Zu Recht bezeichnen salvadorianische Kolumnisten Bukeles Akt vom 9. Februar, der im Übrigen auch bei der politischen Rechten und der Unternehmerschaft Kritik fand, als die schlimmste Krise der Demokratie seit Unterzeichnung des Friedensabkommens. Denkt man diese Krise, mithin die autoritäre Attitüde Bukeles, mit der Tatsache zusammen, dass dieser als der populärste Präsident seit 1992 in El Salvador gilt (noch im Januar 2020 gaben ihm 91 Prozent in einer Umfrage von CID GALLUP ihre Unterstützung), schwant einem nichts Gutes. Bukele dünkt sich zudem als coolster Präsident, sogar der Welt. Nun ja, es ist da wohl mindestens noch einer auf dem Kontinent, der das von sich meinen dürfte. Aber selbst dessen Botschafter in El Salvador hat in einem Tweet lakonisch Respekt vor der drei Gewalten und Verhandlungen gefordert. (Bild: wiki_CC).

Dialogando – Drei Erzählungen

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Había sólo dos sitios en el mundo donde te podían ayudar: En una clínica de cirugía plástica o en el quiosco de restauraciones de don Lucho Avellano, ex maestro mayor de construcciones civiles (preferiblemente de casas de tres pisos sin terraza - porque le marean las alturas-) y miembro fundador de la "Hermandad de la Plomada y el Bailejo". En esos momentos Don Lucho estaba al alcance de tu mano ...

Lateinamerika: Fettleibigkeit ist auch in Lateinamerika ein Problem

noticia_Übergewicht_Bild_Weltbank_CreativeCommonsUnter dem Titel „Obesity“ veröffentlichte die Weltbank am 6. Februar einen Bericht zu den wirtschaftlichen und gesundheitlichen Folgen von Fettleibigkeit. Für Lateinamerika sind die veröffentlichten Ergebnisse durchaus alarmierend. 60 Prozent der erwachsenen Lateinamerikaner werden als fettleibig eingestuft. Darüber hinaus ist auf dem Kontinent eine zunehmende Häufigkeit von Übergewicht bei Kindern und Jugendlichen zu verzeichnen, und die Wachstumsrate steigt. Bereits jetzt leiden fast 40 Prozent der Kinder an starkem Übergewicht und mehr als Prozent bringen mehr auf die Waage als ihr Idealgewicht. Von den lateinamerikanischen Ländern sind Mexiko und Chile am stärksten, Nicaragua, Paraguay und Haiti am wenigsten betroffen. In Mexiko sind durch Fettleibigkeit verursachte Krankheiten bereits die häufigste Todesursache. Die Autoren des Berichtes benennen neben genetischer Veranlagung eine Reihe von verhaltensbedingten Ursachen für diese Entwicklung: frühkindliche Ernährung, Veränderung der Ernährungsgewohnheiten (hoher Konsum zuckerhaltiger und verarbeiteter Lebensmittel), zu wenig Bewegung. Um der „Zeitbombe Fettleibigkeit“ Herr zu werden, fordern die Autoren die Regierungen auf, Programme aufzulegen, die eine gesunde Lebensweise ermöglichen. Das schließt Bildung und Information über gesunde Ernährung ebenso ein wie eine verbesserte urbane Infrastruktur. In Mexiko, Kolumbien, Peru und Chile wurden zuckerhaltige Softdrinks mit einer Extrasteuer belegt. Das kann aber nur ein Anfang sein, auch wenn für Mexiko bereits erste Wirkungen der Steuer nachweisbar sind. (Bild: Weltbank_CC).

Bolivien: Acht Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen registriert

Bolivien_Regierungspalast_Bild_Quetzalredaktion_pgDer Präsident der Obersten Wahlbehörde Boliviens (TSE), Salvador Romero, gab auf einer Pressekonferenz am Montag die Namen der Spitzenkandidaten für anstehenden Wahlen bekannt. Im ersten Wahlgang, der für den 3. Mai anberaumt ist werden acht Bündnisse bzw. Parteien antreten. Für den MAS (Movimiento al Socialismo) wird der frühere Wirtschaftsminister Luis Arce als Kandidat für das höchste Staatsamt antreten. Carlos Mesa, der von 2003 bis 2005 das Land regierte, und Jorge Quiroga, der 2001 bis 2002 das Präsidentenamt innehatte, werden für die Bürgervereinigung (Comunidad Ciudadana) bzw. Libre 21 ins Rennen gehen. Mit Jeanine Áñez, die sich nach dem Putsch gegen Evo Morales selbst zur Interimspräsidentin ernannt hatte, sowie Luis Fernando Camacho, der als Chef des Bürgerkomitees von Santa Cruz die Aktionen der Putschisten koordiniert hatte, kandidieren auch zwei Vertreter der extremen Rechten. Die drei anderen Kandidaten sind Chi Hyun Chung, der für den Frente para la Victoria antritt, Feliciano Mamani, ein Bergarbeiterführer, der an der Spitze von Pan-Bol steht, sowie der rechte Militär Ismael Schabib, der für die Acción Democrática Nacionalista (ADN), die Partei des ehemaligen Diktators Hugo Banzer, kandidiert. Am Wochenende zuvor war der Versuch gescheitert, eine Einheitsfront gegen den MAS von Evo Morales zu bilden. Dieser wird am 3. Mai für den Sitz eines Senator für das Departamento Cochabamba kandidieren. Bei der jüngsten Umfrage, deren Ergebnisse letzte Woche präsentiert wurden, lag Arce (MAS) mit 26 Prozent vorn, gefolgt von Mesa und Camacho mit je 17 Prozent. Áñez erhielt 12 Prozent, während Chi und Quiroga mit sechs bzw. drei Prozent hinten lagen. Der wahrscheinlich notwendige zweite Wahlgang soll am 14. Juni stattfinden. Zuvor, am 3. April, wollen sich die Gegner von Evo Morales treffen, um erneut über die Bildung einer Einheitsfront zu beraten. Massive Kritik an der amtierenden Regierung rief das Vorgehen der bolivianischen Sicherheitskräfte gegen zwei MAS-Politiker am vergangenen Samstag hervor. César Navarro, ehemaliger Bergbauminister, und Pedro Damián Dorado, ehemaliger Vizelandwirtschaftsminister, waren im Beisein der Botschafter der EU und Mexikos verhaftet worden, obwohl ihnen freies Geleit für ihren Flug ins Exil nach Mexiko zugesagt worden war. Erst nach internationalen Protesten kamen die Inhaftierten wieder frei. Der Vorfall zeigt, welche Anstrengungen die Gegner von Evo Morales unternehmen, um dessen Anhänger unter Druck zu setzen und zu behindern. (Bild: Quetzalredaktion_pg).

Kolumbien/USA: Durchführung militärischer Übungen in Namen der Demokratie

Noticias_Kolumbien_USA_Bild_Quetzal-Redaktion_gcVergangene Woche führten Einheiten der kolumbianischen und US-amerikanischen Streitkräfte gemeinsame Übungen auf kolumbianischem Gebiet durch. Die Manöver erfolgten im Anschluss an ein Treffen des US-Staatsministers Mike Pompeo mit dem venezolanischen Oppositionsführer Juan Guadió in Bogotá. Bei dem Gespräch, das im Rahmen einer regionalen Konferenz über den Kampf gegen den Terrorismus stattfand, hatte Pompeo dem selbsternannten Präsidenten Venezuelas die Unterstützung Washingtons zugesichert, um den Rücktritt von Präsident Nicolás Maduro zu erzwingen. Die auf der kolumbianischen Militärbasis Tolemaida durchgeführte Übung wurde neben Pompeo und dem neuen US-Botschafter, Philip Goldberg, von Vertretern der brasilianischen Armee beaufsichtigt. Goldberg, der seit vergangenem September in Bogotá tätig ist, war bereits 2008 vom damaligen Präsident Boliviens, Evo Morales, ausgewiesen und wegen Verschwörung gegen die bolivianische Regierung zur „Persona non grata“ erklärt worden. Die USA sind zurzeit in über 170 Ländern militärisch präsent – einschließlich Kolumbien und Brasilien. Auch wenn ein Streifzug durch die Geschichte Lateinamerikas im 20. Jahrhundert das militärische Engagement Washingtons für die Rechtsstaatlichkeit und die Schaffung des Friedens infrage stellt, begründete die kolumbianische Regierung die Maßnahme mit der Notwendigkeit, die vor internationalen kriminellen Organisationen gefährdete Demokratie zu stärken. (Bild: Quetzalredaktion_gc).