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"buen vivir"
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El Estado Plurinacional de Bolivia: „Plurinationalität“ zur Vorbeugung von Rassismus?

Die Schwierigkeit, Bolivien unabhängig zu machen, besteht in der Unvereinbarkeit zwischen Weltbildern und Praktiken der Kolonisierten mit den Machtstrukturen der wirtschaftlich-mächtigen Elite („Oligarchie“), die sich genauso als Teil des bolivianischen Staates sieht. Und damit stehen wir vor einem Definitionsproblem. Was ist die bolivianische Identität? Gibt es eine bolivianische „Nation“? Ist die „Nation“ der Weg zur ...
Argentinien: Die Madres de Plaza de Mayo wurden aufgrund ihres 45-jährigen Kampfes geehrt
Anlässlich ihres 45-jähriges Bestehen wurde am vergangenen Samstag in Buenos Aires die Menschenrechtsorganisation Madres de Plaza de Mayo (dt.: Mütter des Platzes der Mairevolution) gewürdigt. An der Veranstaltung, die am Standort der bedeutendsten Anlage des Verschwindenlassens während der Diktatur Argentiniens, der ex-ESMA, stattfand, nahmen renommierte MusikerInnen teil, die den Müttern eine emotionales Hommage darbrachten. Der Ursprung dieser Organisation geht auf den ersten Jahrestag des Staatsstreichs 1976 zurück, als gut ein Dutzend Mütter von Inhaftierten und Verschwundenen – sogenannten desaparecidos – zum Regierungsgebäude kamen, um eine Audienz beim de-facto-Präsidenten Jorge R. Videla zu erhalten und sich nach dem Verbleib ihrer Kinder zu erkundigen. Aufgrund des Belagerungszustands wurde damals jede Versammlung von mehr als drei Personen als potenziell subversiv unterbunden, so dass die Polizei die am Platz vor dem Regierungspalast wartenden Frauen aufforderte, „sich zu bewegen“. Daraus entwickelte sich eine Form der Demonstration, die seit 1980 ununterbrochen und wöchentlich bis zum heutigen Tagen stattfindet: ein Marsch um ein Denkmal auf dem Platz der Mairevolution gegen den Uhrzeigersinn, ohne Unterbrechung – der auch in gleichnamigen Platzen anderer Städten stattfindet. Mit der Zeit entstand die Idee, sich in großen (zugelassenen) Menschenansammlungen gegenseitig zu erkennen, ohne die Aufmerksamkeit der Sicherheitskräfte auf sich zu ziehen: eine Stoffwindel ihrer verschwundenen Kinder als Kopftuch, die bald zum Symbol des Strebens nach Gerechtigkeit wurde. 1979 gelang es der Gruppe der von der Diktatur bedrohten Mütter, die Organisation Madres de Plaza de Mayo zu gründen. Wenngleich sie von den ersten demokratischen Regierungen nicht unterstützt wurden, erlangten die Frauen nach und nach die Anerkennung des größten Teils der Bevölkerung und bauten Räume für politische Bildung auf – u.a. eine eigene Zeitung, einen Radiosender (welcher anfangs illegal die der Luftwaffe zugewiesenen Frequenzen nutzte) und sogar eine Universität. Die Vereinigung, derer Tätigkeit inzwischen in der ganzen Welt bekannt ist, hat den Platz der Mairevolution zu einem Ort der politischen Demonstration gemacht, was sich nicht auf das spezifische Verbrechen der Diktatur beschränkt, sondern der Ungerechtigkeit in all ihren Formen entgegentritt – und in diesem Sinne den von ihren Kindern begonnenen Kampf aufnimmt. (Bild: Quetzal-Redaktion_mceniza)
King Cotton und die Amerikas. Eine globalgeschichtliche Betrachtung

Globalgeschichte liegt im Trend. Historiker wie Jürgen Osterhammel und Wolfgang Reinhardt haben mit eindrucksvollen Werken Maßstäbe gesetzt. Der Ausbruch der Covid-19-Pandemie, die seit 2020 in immer neuen Wellen ihren Tribut fordert und unsere Sicht auf wie auch die Realität von Globalisierung verändert, wird zum Anlass ...
Costa Rica: Rodrigo Chaves als neuer Präsident gewählt
Am 3. April 2022 wurde in einer Stichwahl der 60jährige Ökonom Rodrigo Alberto Chaves Robles, Kandidat von Progreso Social Democrático, zum neuen Präsidenten Costa Ricas gewählt. Er bezwang in der zweiten Runde mit 52,8 zu 47,2 % seinen Widersacher José María Figueres Olsen von der Partei Liberación Nacional, der seinerseits Chaves‘ Wahlsieg auch sofort anerkannte. Während Name und Partei des letzteren, seines Zeichens Sohn des legendären Vaters der costaricanischen Demokratie José María Hipólito Figueres Ferrer, bekannt sein dürften, galt Wahlsieger Chaves bislang als Außenseiter. Karriere machte er bis 2019 und über 27 Jahre in der Weltbank, als deren Vertreter er vor allem in Indonesien tätig war. Danach fungierte er sechs Monate als Finanzminister unter dem z.Zt. noch amtierenden Präsidenten Carlos Alvarado. Von diesem Posten musste er jedoch im Mai 2020, und zwar aufgrund von Konflikten mit dem Staatspräsidenten, zurücktreten. Chaves gilt als hochqualifiziert, wird als Technokrat eingeschätzt, besitzt jedoch zugleich den zweifelhaften Ruf eines Populisten und Machisten im Stile eines Trump oder Bolsonaro. Er soll insbesondere mit Sektoren der Evangelikalen kokettiert und angekündigt haben, aus dem Bildungssystem jegliche „Geschlechter-Ideologie“ entfernen zu wollen. Ihm wird auch sexueller Missbrauch von zwei Angestellten vorgeworfen, der aber juristisch nicht nachgewiesen wurde. Diesem „Skandal“ bei Chaves steht der „Skandal“ der Korruption bei Figueres gegenüber. Das Wahlvolk konnte also zwischen zwei Übeln wählen und das in einem Land, das inzwischen zu den Staaten mit der in Lateinamerika größten Ungleichheit gehört. Es sind aber noch zwei andere Fakten, die einen Schatten auf die Wahlen und den Wahlsieger werfen: 1) Als die größten „Wahlgewinner“ erwiesen sich darin die Nichtwähler, die fast 60 % der Wahlberechtigten ausmachten. Das ist die geringste Wahlbeteiligung seit den 1940er Jahren. In der Stichwahl war ihr Anteil sogar noch größer als in der ersten Runde, in der keiner der Kandidaten die für einen Wahlsieg nötigen 40 % der Stimmen auf sich hatte vereinen können. Insgesamt bedeutet dies, dass Chaves von weniger als einem Viertel der Wahlberechtigten gewählt wurde. 2) Chaves‘ erst 2018 gegründete Partei Progreso Social Democrático konnte im Parlament lediglich neun Sitze gewinnen und stellt damit die nur drittgrößte Fraktion. Damit wird Chaves‘ politischer Spielraum als Präsident eingeengt sein. Dazu passt es wiederum, dass er danach strebt, vor allem über Referenden zu regieren, was, als Form der direkten Demokratie, repräsentative Demokratie ja immer etwas konterkariert. Chaves wird sein für vier Jahre anberaumtes Präsidentenamt am 8. Mai 2022 antreten. (Bildquelle: wiki_cc)
Ein Leben im Wechsel der Welten – Cho Arte, alias Claus Henning Obst

Der Künstler erblickte 1952 in Offenbach am Main das Licht der Welt. Niemand konnte ahnen, dass aus dem Volksschüler, der nach dem Abitur 1972 das Studium der Rechtswissenschaft, der Soziologie und der Psychologie aufnahm und 1978 sein erstes und 1981 sein zweites juristisches Staatsexamen jeweils mit Prädikatsnote beendete und der lange als erfolgreicher Rechtsanwalt arbeitete, in einer Art zweitem ...
Serge, Victor; Sedova Trotzky, Natalia: Leben und Tod von Leo Trotzky*#
Politik sind Entscheidungen an Weggabelungen. Geschichte ist der Weg durch die Zeit. Eine Biographie ist das Abbild von Politik und Geschichte auf das Leben eines Individuums. Oftmals werden individuelle Lebenserinnerungen jedoch nicht festgehalten, weil Politik und Geschichte in scheinbar anderen Sphären verlaufen – und vor allem entschieden werden. Doch es gibt Personen, die an vielen Weggabelungen standen, entschieden ...
Argentinien: Ermittlungen wegen des Verdachts betrügerischer Handlungen während der Amtzeit des ehemaligen Präsidenten Macri
Das argentinische Verteidigungsministerium wird voraussichtlich diese Woche die Ergebnisse einer Untersuchung veröffentlichen, die genaue Informationen über eine umstrittene Operation liefern wird, bei der der Staat im Jahr 2017 französische Kampfflugzeuge erworben hat. Dabei handelt es sich um fünf ausgemusterte Super Etendard, die damals nicht einsatzbereit waren und immer noch nicht eingesetzt werden konnten, da sie Ersatzteile benötigen. Das Kuriose daran ist, dass diese Anschaffung im Zusammenhang mit dem Verteidigungsbedarf im Rahmen des G20-Gipfels erfolgte, der zwischen November und Dezember 2018 in Buenos Aires stattfand. Schließlich wurde jedoch bekannt, dass die Flugzeuge erst sechs Monate nach dem Ende des Gipfels im Lande eintrafen. Darüber hinaus tauchten Informationen auf, die darauf hindeuten, dass die argentinischen Streitkräfte bereits vor dem Kauf wussten, dass die benötigten Ersatzteile nur schwer oder gar nicht zu beschaffen sein würden. Ein Beispiel dafür sind die Schleudersitze, ohne die die Maschinen nicht einsatzfähig sind. Für diese Kampfflugzeuge sind Sitze der britischen Martin-Baker Aircraft Company erforderlich, deren Verkauf an Argentinien abgelehnt wird. Nach der Niederlage Argentiniens im Malvinas/Falkland-Krieg 1982 übte damals die Thatcher-Regierung internationalen Druck aus, um die militärische Macht der Besiegten zu begrenzen, was zur Verhängung eines Embargos führte. Obwohl einige der Verbündeten Großbritanniens im Laufe der Zeit begannen, das Embargo aufzuheben, und somit u.a. Verkäufe von Militärgütern an Argentinien getätigt wurden – wie dies bei Frankreich der Fall war –, unterliegt Argentinien den britischen Ausfuhrkontrollen. In diesem Zusammenhang prangerte der amtierende argentinische Verteidigungsminister den Fall einer argentinischen Korvette an, die zur Reparatur nach England geschickt worden war und trotz der durchgeführten Arbeiten nicht nach Argentinien geliefert werden darf, weil es sich um militärisches Ausrüstungsgut handelt. Zusätlich zu den fraglichen Kampfflugzeugen hat die Regierung des ehemaligen Präsidenten Mauricio Macri im Rahmen der Sicherheitsvorbereitungen für den G20-Gipfel auch schwedische Raketen bestellt, die aufgrund einer Zahlungverzögerung fast vier Jahre nach dem Gipfel geliefert wurden. Nach Bekanntwerden der Ergebnisse der oben genanten Prüfung wird das Verteidigungsministerium Erklärungen abgeben müssen, gefolgt von einer Erklärung der Antikorruptionsbehörde, die eine weitere Untersuchung in dieser Angelegenheit durchführt. Dieser Fall wirft ein Schlaglicht auf Unregelmäßigkeiten, die während der Amtzeit Macris begangen wurden und die in den Kontext von Korruption und politischer Unterordnung unter die Großmächte fallen. (Bildquelle: catalog_archives_PublicDomain)
Arias, Lola: Der Krieg in ihren Köpfen

Der Dokumentarfilm Teatro de guerra/Der Krieg in ihren Köpfen nähert sich der Malvinas/Falklands-Frage aus der Sicht seiner Protagonisten an der Front: Kriegsveteranen beider Länder, die Mitte 1982 in eine Schlacht im Südatlantik gegeneinander geworfen wurden, wurden aufgefordert, ihre Erinnerungen an den Krieg und die Nachkriegszeit zu teilen. Es ist bezeichnend, dass es gut 35 Jahren gedauert hat, um ein solches Projekt ...
Mexiko/Lateinamerika: Zapatisten fordern: Russische Armee raus aus der Ukraine!
Die Linke in Lateinamerika ist bezüglich der russischen Aggression gespalten; man findet Unterstützung und zurückhaltend geäußertes Verständnis ebenso wie Neutralität und konsequente Verurteilung. Ein Tatbestand der in der hiesigen Presse von FAZ bis taz mit teils süffisantem Unterton vermerkt wird. Immerhin wird auf die klare Ablehnung des Krieges durch die Zapatistische Armee der Nationalen Befreiung (EZLN) verwiesen, ohne näher auf die entsprechende Veröffentlichung einzugehen. Das überrascht nicht, denn „Nach der Schlacht wird es keine Landschaft geben. Über den Krieg in der Ukraine“ unterstützt weder »Selenskyj noch Putin« und ruft dazu auf, »gegen den Krieg und zur Unterstützung der Ukrainer und Russen zu demonstrieren, die in ihren Ländern für eine Welt in Freiheit kämpfen«. Im Folgenden der bereits am 2. März veröffentlichte und von Subcomandante Insurgente Moisés und SupGaleano unterzeichnete Text in Auszügen. (Quelle: www.enlacezapatista.ezln.org.mx) »Es gibt einen Aggressor, die russische Armee. Es geht um die Interessen des Großkapitals, und zwar auf beiden Seiten. Diejenigen, die jetzt unter den Wahnvorstellungen der einen und den schlauen wirtschaftlichen Berechnungen der anderen leiden, sind die Völker Russlands und der Ukraine (und vielleicht bald auch die anderer Regionen in nah und fern). (…) Verschiedene Regierungen haben sich aus wirtschaftlichem Kalkül für die eine oder andere Seite entschieden. (…) Für diese Regierungen und ihre "Ideologen" gibt es gute und schlechte Interventionen - Invasionen - Zerstörungen. Die guten sind die von ihren Anhängern durchgeführten und die schlechten die von ihren Gegnern verübten. (…) Der Beifall für Putins kriminelles Argument zur Rechtfertigung der militärischen Invasion in der Ukraine wird sich in Wehklagen verwandeln, wenn mit denselben Worten die Invasion anderer Völker gerechtfertigt wird, deren Prozesse dem Großkapital nicht gefallen. Sie werden in andere Gebiete einmarschieren, um sie vor der "Neonazi-Tyrannei" zu retten oder den benachbarten "Narkostaaten" ein Ende zu setzen. Sie werden dann die Worte von Putin wiederholen: "Wir werden entnazifizieren" (oder das Äquivalent dazu) und zahlreiche „Begründungen“ der "Gefahr für ihre Völker" geben. (…) Die Gewinner dieses Krieges sind die großen Waffenkonzerne und die Großkapitalisten, die die Gelegenheit sehen, Gebiete zu erobern, zu zerstören/umzubauen, d.h. neue Märkte für Waren, Verbraucher und Menschen zu schaffen. (…) Zusammenfassend lässt sich sagen, dass unsere Geschwister auch das Banner von @libertär hochhalten und standhaft bleiben: im Widerstand die im Donbass in der Ukraine; und in der Rebellion jene, die auf den Straßen und Plätzen Russlands gehen und arbeiten. In Russland gibt es Menschen, die verhaftet und geschlagen werden, weil sie gegen den Krieg protestieren. In der Ukraine werden Menschen von der russischen Armee getötet. (…) Sie sind miteinander und mit uns vereint, nicht nur, weil sie NEIN zum Krieg sagen, sondern auch, weil sie sich weigern, sich mit Regierungen zu verbünden, die ihr Volk unterdrücken. (…) Widerstand bedeutet, zu bestehen und sich durchzusetzen. Unterstützen wir diese Geschwister in ihrem Widerstand, d.h. in ihrem Kampf um das Leben. Das sind wir ihnen und uns selbst schuldig. (…) Unbeirrt rufen wir und (…) fordern: Russische Armee raus aus der Ukraine. (…) Der Krieg muss jetzt aufhören. Wenn er so weitergeht und – wie zu erwarten ist – eskaliert, dann wird es vielleicht niemanden mehr geben, der nach der Schlacht über die Landschaft berichten wird.« (Bildquelle: Pixabay_CC)
Feldforschung – Abenteuer zwischen Adrenalin und Erschöpfung Teil 1: Kolumbien (1991)

Mehr als ein Dutzend Feldforschungsreisen führte mich zwischen 1991 und 2016 nach Süd- und Zentralamerika. Ihre Ergebnisse gingen in wissenschaftliche Publikationen ein. Doch Feldforschung hat auch immer eine emotionale Seite und zieht Reflexionen nach sich, die über Wissenschaft weit hinausgehen. Oft habe ich gedacht, wie schön es doch wäre, auch diese – eher verborgene – Seite von ...