Suchergebnisse für
"buen vivir"
Wir haben 5.323 Ergebnisse für Ihre Suchanfrage gefunden.
Lateinamerika/ Deutschland: Vom deutschen Umgang mit präkolumbischer Kunst
Die Geschichte ist nicht mehr ganz taufrisch und eine große Schlagzeile war sie auch nie wert: Im November 2020 fand die Polizei auf einem Bauernhof in Klötze im Westen Sachsen-Anhalts 13 präkolumbische Artefakte. Der zur Begutachtung hinzugezogene Altamerikanist Nikolai Grube bestätigte die Echtheit der um die 1500 Jahre alten Kulturgüter, die seinen Aussagen zufolge aus illegalen Ausgrabungen in Mexiko und Guatemala stammen. Es handelt sich unter anderem um Gefäße und Tonfiguren, die zum einen der Mayakultur Guatemalas und zum anderen der Kultur von Teotihuacán in Mexiko zugeordnet werden. Das Land Sachsen-Anhalt machte sehr schnell deutlich, dass die Fundstücke an die Herkunftsländer zurückgegeben werden. Nachdem ein erster Termin im Mai dieses Jahres aus „diplomatischen Gründen“ scheiterte, will Ministerpräsident Reiner Haseloff am kommenden Freitag, den 5. November, die Botschafter Mexikos und Guatemalas, Francisco Quiroga und Jorge Lemcke, treffen, um die wertvollen Kulturgüter zurückzugeben. Leider ist der Umgang mit den Produkten „des europäischen Kolonialismus in Südamerika“ (Nikolai Grube) hierzulande nicht immer so vorbildhaft wie in diesem Fall. Erst im September dieses Jahres sahen sich die Botschafter von elf lateinamerikanischen Ländern veranlasst, gegen eine Auktion in München zu protestieren. Das Auktionshaus Gerhard Hirsch Nachfolger versteigerte mehr als 320 Objekten präkolumbischer Kunst. Das Auktionshaus weigerte sich, die Versteigerung auch nur zu verschieben und betonte angesichts des Protests, dass für alle angebotenen Kunstwerke Herkunftsnachweise vorlägen, diese sich also legal in Deutschland befänden. Die Lateinamerikaner wiesen ihrerseits darauf hin, dass Stücke, die sich in Privatbesitz befinden und auf Auktionen auftauchen, wohl eher nicht legal erworben sein können. Die diplomatischen Vertreter sahen in der Versteigerung eine Kommerzialisierung ihres kulturellen Erbes, die die Grundrechte ihrer Völker schwerwiegend verletze. In diesem Fall verhallte der Appell „an das beste Gewissen der Deutschen“ allerdings ungehört (Bildquelle: V_T_Polywoda_flickr_cc).
Auch Organisationen haben ein Geschlecht

Zwei kürzlich ergangene Urteile des Obersten Gerichtshofs bzw. der Berufungsabteilung des Friedenstribunals der JEP (Jurisdicción Especial para la Paz – Spezielle Gerichtsbarkeit für den Frieden), zeigen uns, wie wichtig es ist, den Opfern zuzuhören. Sie zeigen die Schwierigkeiten, Diskriminierung nachzuweisen und Maßnahmen zu ergreifen ...
Guatemala: Ausnahmezustand im Departement Izabal verhängt
Guatemalas Präsident Alejandro Giammattei hat am Sonntag den Ausnahmezustand verhängt. Betroffen ist das Departement Izabal im Osten des Landes. Anlass sind die Auseinandersetzungen um die Nickelmine Fénix in El Estor am Nordufer des Izabalsees. Die örtliche Bevölkerung, die mehrheitlich dem indigenen Volk der Maya Q’eqchi’ angehört, wehrt sich schon seit Jahren gegen die Bergbauaktivitäten, die ihre Lebensgrundlagen bedrohen. Der 30tägige Ausnahmezustand muss innerhalb von drei Tagen vom Parlament bestätigt werden, weshalb für Montag eine Sitzung der Abgeordneten anberaumt wurde. Wie Journalisten vor Ort berichten, sind in El Estor 500 Soldaten und 350 Polizisten im Einsatz. Die Mine gehört der Solway Investment Group mit einem Jahresumsatz von 637 Millionen US-Dollar (2019), die ihren Sitz im Kanton Zug in der Schweiz hat und außer in Guatemala in der Ukraine, in Russland, Nordmazedonien, Indonesien und den Philippinen aktiv ist. Neben der Mine Fénix, die von der Compañía Guatemalteca de Níquel S.A. (CGN) betrieben wird, besitzt Solway mit der Compañía Procesadora de Níquel de Izabal S.A. (Pronico) eine zweite guatemaltekischen Tochterfirma, die das Nickelerz zu Ferronickel verarbeitet. Die Mine Fénix hat eine lange und konfliktreiche Geschichte. Bis 1982 wurde sie von der kanadischen Bergbaugesellschaft International Nickel Company (INCO) betrieben. Im Jahr 2006 erhielt die CGN eine Lizenz für ein Konzessionsgebiet von 248 km², in dem die Gemeinden El Estor (Izabal), Senahú, Santa María Cahabón und Panzos (Alta Verapaz) liegen. 2011 kaufte Solway die CGN von der kanadischen Hudbay Minerals Inc. und nahm 2014 die Ferronickel-Raffinerie (Pronico) in Betrieb. Bereits 2007 und 2009 war es zu schweren Konflikten zwischen der lokalen Bevölkerung und Sicherheitskräften gekommen (siehe Quetzal vom März 2011). Am 27. Mai 2017 wurde in El Estor bei Protesten gegen die Nickelmine der Fischer Carlos Maaz Coc durch einen Schuss der Polizei getötet. Dass der Konflikt weiter schwelte, zeigt die Verhängung des Ausnahmezustandes am 4. September 2019 und am 19. Juli 2020. Im Juli 2019 gab das guatemaltekische Verfassungsgericht (Corte de Constitucionalidad) einer Beschwerde der lokalen Bevölkerung statt und suspendierte die Lizenz der Mine. Das Urteil wurde am 18. Juni 2020 bestätigt. Ungeachtet dessen ließen die Verantwortlichen die Bergbauaktivitäten weiterlaufen. Als sich die Bevölkerung daraufhin vor mehr als zwei Wochen mit Straßenblockaden zu wehren begann, kam es mit dem massiven Einsatz der Sicherheitskräfte erneut zur gewaltsamen Eskalation (Bildquelle: wiki_cc).
Am Rande universitärer Annalen – Lateinamerikaner* an der Leipziger alma mater

Es verwundert sicher wenig, wenn sich jemand wie ich, die mehr als drei Jahrzehnte an der Universität Leipzig tätig und wissenschaftlich mit Lateinamerika beschäftigt war, für die von ihr geehrten, promovierten oder an ihr studierenden Lateinamerikaner interessiert. Einigen von ihnen bin ich persönlich begegnet. Andere „traf“ ich in ihren Publikationen. Bei meiner Recherche stieß ich, neben ...
Brasilien: Toninho Geraes gegen Adele
Toninho Geraes ist ein brasilianischer Sänger und Songwriter, der eine ganze Reihe von Liedern geschrieben hat, die – meist gesungen von Kollegen – heute bereits Klassiker sind. Außerhalb Brasiliens allerdings dürften ihn wohl nicht allzu viele kennen. Das könnte sich jetzt ändern, denn Geraes erhob den neuesten Plagiatsvorwurf in der brasilianischen Musikszene. Es gab in der internationalen Popmusik schon einige dieser Vorwürfe; die brasilianische Musik ist vielseitig und hat viele Liebhaber. Darunter offensichtlich auch Komponisten in der ganzen Welt, die sich hin und wieder bei brasilianischen Stücken bedienen und das Ergebnis als eigenes Werk ausgeben. Der spektakulärste Fall war zweifellos der von Rod Stewart, der sich bei einem Lied von Jorge Ben Jor bediente und das Plagiat schließlich zugab. Jetzt trifft es die britische Sängerin Adele, die sich mit dem Vorwurf konfrontiert sieht, ihr Song „Million years ago“ aus dem Jahr 2015, plagiiere Geraes’ „Mulheres“. Das Lied, das in der Interpretation von Martinho da Vila ein Hit wurde, stammt aus dem Jahr 1995. Vielleicht hat Toninho Geraes ja recht, wenn er mutmaßt, man hätte wohl geglaubt, dass ‚dieser Bursche aus Brasilien‘ nichts merken würde; noch dazu, bei einem so alten Lied. Der Fall selbst ist nicht mehr ganz neu, denn der Anwalt von Geraes hatte bereits vor einem guten halben Jahr Mahnungen an Adele, den Komponisten Greg Kurstin, das britische Plattenlabel XL Recording und Sony Music geschickt. Eine Antwort kam bisher nur von Sony – man prüfe den Fall. Adele und Kurstin hüllen sich in Schweigen. Derweil sammelt Geraes’ Anwalt Beweise, um Klage erheben zu können. In Brasilien stellen Anwälte im Auftrag der Medien Vermutungen an, ob die Klage Erfolg haben wird und brasilianische Fans gehen mittlerweile nicht sehr nett mit Adele um. Urheberrechtsklagen, so weiß man, sind meist sehr langwierig. Das könnte der Geschichte letztlich eine größere Publizität verschaffen, auch außerhalb Brasiliens. Vermutlich wird dann einige Zeit lang niemand die Frage stellen: Wer ist Toninho Geraes? (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_gc)
US-Sondergesandter für Haiti tritt aus Protest gegen Massenabschiebungen zurück

Die interne Krise der Joe Biden Regierung verschärft sich immer mehr. Am Donnerstag verkündete der US-Sondergesandte für Haiti aus Protest seinen Rücktritt aufgrund der inhumanen Migrationspolitik an der Grenze und der Massenabschiebungen von Haitianer:innen aus Texas zurück in ihr unsicheres Herkunftsland. Sondergesandter Daniel Foote, schickte nach knapp drei Monaten im Dienst ein Schreiben über ...
Víctor Montoya – Microcuentos – Teil 15

Man hat mich in diese Drecksklapsmühle eingewiesen, wo ich Stunden damit zubringe, meine Finger gleich einem Krawattenknoten ineinanderzuschlingen. Die Hände an den Kopf gepresst gehe ich mal hierhin und mal dorthin und weiß nicht, was ich machen oder sagen soll. Wenn mir langweilig ist, betrachte ich zuweilen das Bild von Don Quijote, das im Zimmer der Psychiaterin, süß wie Dulcinea von Toboso ...
Chile: Wenn Hass eskaliert – die Antimigrant:innenbewegung in Iquique
Am 25. September kam es zu fremdenfeindlichen Aufmärschen im Norden von Chile. Die rund fünftausend Demonstrant:innen sammelten sich unter dem Motto: No+migrantes in der Stadt Iquique, wo hauptsächlich haitianische und venezolanische Migrant:innen ihren Aufenthaltsstatus legalisieren möchten. Der Protest gipfelte im Verbrennen der Habseligkeiten von Migrant:innen, die provisorisch auf Plätzen oder am Strand übernachten wollten. Matratzen, Kinderspielzeug, Windeln, Zelte und Bettwäsche fielen den Flammen zum Opfer. Die Brandstiftung wurde vom Gouverneur, dem Bürgermeister, sowie der Regierung und der internationalen Gemeinschaft als xenophob und rassistisch verurteilt. Chiles Innenminister, Rodrigo Delgado, reagierte dennoch mit der Ankündigung von „Massenabschiebungen“ und einer strengen Migrationspolitik, sehr zur Besorgnis von Menschenrechtsorganisationen. José Miguel Carvajal, Gouverneur der Region Tarapacá, macht Präsident Piñera für diese Ereignisse verantwortlich. Seine Regierung habe versagt und ihn z.B. nicht von den Zwangsräumungen mehrheitlich venezolanischer Camps durch die Polizei unterrichtet. Humanitäre Hilfe für die Vertriebenen seitens der Regierung erfolgte nicht. Viele der No+migrantes-Demonstrierenden fühlen sich von der Regierung vernachlässigt. So äußerte der Bürgermeister von Colchane, Javier García, Chile sollte sich auch um die Einhaltung der Rechte für Aymara kümmern, die – im Gegensatz zu Migrant:innen – nicht unter internationalem Schutz stünden. Die prekäre Situation der Menschen vor Ort ist jedoch vor allem auf mangelnde politische Initiative und fehlende Investitionen in den notwendigen gesellschaftlichen Bereichen zurückzuführen und nicht auf den Fakt der Migration. So solidarisierten sich auch gerade Chilen:innen in Einwanderungsregionen mit den Opfern rassistischer Gewalt (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_soleb).
Bolivien: Präsident Arce sucht vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen nach Gerechtigkeit
Der bolivianische Präsident Luis Arce prangerte in seiner Rede vor der 76. UN-Vollversammlung die Regierung des ehemaligen Präsidenten Argentiniens, Mauricio Macri, aufgrund der Lieferung militärischer Ausrüstung, die im Kontext des gewaltsamen Rücktritts vom Präsident Evo Morales erfolgte, an. Arce verwies auch auf die angebliche Beteiligung der Organisation der Amerikanischer Staaten an den Ereignissen und betonte, dass ebenfalls Vertreter der Europäischer Union und Nichtregierungsorganisationen eine Rolle in der institutionellen Krise Boliviens gespielt haben würden. Die Anschuldigung gegen die Regierung Macris ergänzt einen Fall, der vergangenen Juli eingeleitet wurde, als die bolivianische Justiz die Lieferung vom militärischen Material made in Argentina anzeigte. Dieses wurde bei der Unterdrückung von BürgerInnen, die November 2019 gegen die Amtseinführung der De-facto-Präsidentin Jeanine Áñez demonstrierten, eingesetzt. Die Beschwerde der bolivianischen Regierung hatte auch Auswirkungen auf Argentinien. Im Rahmen eines Verfahrens, in dem sowohl Macri als auch führende Mitglieder seiner Regierung wegen »schweren Schmuggels« angeklagt sind, leitete die argentinische Justiz Ermittlungen, um herauszufinden, wohin die illegal verschickte Ausrüstung gelang ist. Von den 70.000 Geschossen, die die Gendarmerie Argentiniens wenige Stunden nach Beginn des politischen Konflikts ins Nachbarland gebracht hat, sind nach den bisherigen Erkenntnissen 40.000 in den Händen der bolivianischen Luftwaffe verblieben, während die Polizei 26.900 Geschosse behielt. Eine Hypothese, die die Regierung Arces in Erwägung zog, war, dass die verbleibenden 3.100 Schuss Munition in die Hände von paramilitärischen Gruppen gelangt waren. In seiner Rede wies Arce auch auf die Folgen der durch Covid-19 verursachten Pandemie hin und kritisierte das kapitalistische System für die Kommerzialisierung aller Bereiche des gesellschaftlichen Lebens, einschließlich der Gesundheit. In diesem Zusammenhang betonte er, dass die Medizin vielmehr im Dienste der Menschheit stehen muss und forderte die internationalen Laboratorien auf, Patente freizugeben und Wissen und Technologie zur Herstellung von Impfstoffen gemeinsam zu nutzen, um allen Menschen in allen Ländern der Welt den Zugang zu gewährleisten (Bildquelle: Quetzal-Redaktion_gc).
Kein Bicentenario – Belizes Sonderweg zur Unabhängigkeit
Von den sieben Ländern, die auf dem zentralamerikanischen Isthmus liegen, feiern sechs im Jahr 2021 den 200. Jahrestag ihrer Unabhängigkeit von Spanien: Guatemala, El Salvador, Honduras, Nicaragua und Costa Rica am 15. September und Panama am 28. November. Belize hingegen, das siebente Land, muss sich dieses Jahr mit einem 40-jährigen Jubiläum begnügen. Das Land erhielt seine Unabhängigkeit von Großbritannien am 21. September 1981. Die zeitliche Differenz und die Nationalität der Kolonialmacht verweisen bereits darauf, dass Belize einen eigenen, vom Rest Zentralamerikas verschiedenen Weg von der Kolonie zur staatlichen Selbstständigkeit finden musste. Eine der Ironien dieser Geschichte liegt darin, dass es...