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Politik und Kultur in Lateinamerika

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Das doppelte Amerika (Teil 2) – Pax Americana: Vom kontinentalen zum globalen Empire

Peter Gärtner | | Artikel drucken
Lesedauer: 13 Minuten

Nach der Errichtung ihres Imperiums der weißen Siedler, die mit der Schließung der frontier 1890 weitgehend abgeschlossen war, erlebten die USA einen gewaltigen Zuwachs an ökonomischer, politischer und militärischer Macht. Der Spanisch-Amerikanische Krieg von 1898 markiert nicht nur den Übergang von der inneren (kontinentalen) zur äußeren (hemisphärischen) Expansion, sondern zugleich den Eintritt der USA in den globalen Klub der imperialistischen Mächte. Mit dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 konnte sich Washington die Position der westlichen Supermacht erobern. Noch vor dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991, der zweiten Supermacht der bipolaren Weltordnung des Kalten Krieges, proklamierten die Vereinigten Staaten schließlich ihr „unipolares Moment“. Es stellt sich die Frage, durch welche geostrategischen Entscheidungen dieser rasante Aufstieg ermöglicht wurde. Die Antwort, die in diesem Beitrag zu geben versucht wird, umfasst drei Schritte. Im ersten wird der Eintritt der USA in den Klub ihrer imperialistischen Konkurrenten skizziert. Es folgt zweitens ein Rückblick auf die Weltexpansion der USA bis zu ihrem „unipolaren Moment“. Drittens werden die wichtigsten Fehlkalkulationen nach 1991 benannt, die den Niedergang der USA bis zur neuerlichen Wahl von Donald Trump zum US-Präsidenten 2024 befördert haben.    

Eintritt in den Klub der imperialistischen Großmächte

Sieht man sich den Klub der imperialistischen Mächte an, die im Ersten Weltkrieg um die Neuaufteilung der Welt gekämpft haben, dann kann man zunächst drei Gruppen identifizieren. Von den klassischen europäischen Kolonialmächten hatten nur Großbritannien und Frankreich den Sprung in die erste imperialistische Liga geschafft. Das niederländische Kolonialreich in Südostasien (das heutige Indonesien) hatte zwar eine gewisse Relevanz, das „Mutterland“ selbst spielte im Konzert der Großmächte jedoch keine Rolle. Eine zweite Gruppe umfasste Österreich-Ungarn und Russland, die beiden großen multinationalen Imperien Mittel- und Osteuropas, die als die „schwächsten Glieder“ in der imperialistischen Kette galten und keine Kolonien in Übersee hatten. Das Osmanische Reich war – wie das chinesische Kaiserreich und der Iran – Opfer der imperialistischen Kolonialexpansion. Die dritte Gruppe, zu der neben den USA auch Deutschland, Japan und – mit Abstrichen – Italien gehörten, bestand aus imperialistischen Aufsteigern, die als Nachzügler an der Neuaufteilung der Welt in besonderem Maße interessiert waren. 

Die Besonderheiten des US-Imperialismus haben ihre Grundlagen im früheren Status als Kolonie und dem Aufbau eines kontinentalen Siedlerimperiums in Nordamerika. Ihre geographische Lage verschaffte den USA drei Vorteile, die an ihre Lage auf dem Doppelkontinent Amerika gebunden sind. Der erste Vorteil ist ihre faktische Insellage zwischen zwei Ozeanen und zwei schwachen Nachbarn. Sie bietet maximalen Schutz vor äußeren Angriffen.

Zweitens umfassen die von den Siedlern eroberten Territorien, die vom Atlantik bis zum Pazifik reichen, verschiedene, mehrheitlich gemäßigte Klimazonen und besitzen eine reiche Ressourcenausstattung. Nachdem die Sklavenfrage durch den Bürgerkrieg 1862-1865 entschieden worden war, erfolgte auf der Basis des riesigen Binnenmarktes eine rasche Industrialisierung. „Die Vereinigten Staaten schienen alle wirtschaftlichen Vorteile zu haben, von denen einige andere Mächte nur einen Teil besaßen, und sie schienen keine Nachteile auf sich nehmen zu müssen.“[i] Ihr wirtschaftliches Wachstum war so stark, dass sie – wäre der Erste Weltkrieg ausgeblieben – 1925 Europa überholt hätten. Durch dessen Auswirkungen wurde dieser Zeitpunkt um sechs Jahre – auf 1919 – vorgezogen. „Die ‚Ära Vasco da Gamas‘ – die vier Jahrhunderte europäischer Weltherrschaft – ging bereits vor der Katastrophe von 1914 zu Ende.“[ii]

Auch den dritten Vorteil – einen geschützten äußeren Expansionsraum – hatte sich Washington bereits vor dem Ersten Weltkrieg gesichert. Der schnelle und umfassende Sieg über Spanien 1898 hatte den USA nicht nur den Status einer Kolonialmacht, sondern auch die Hegemonie über die gesamte westliche Hemisphäre beschert. Dieser neue Status manifestierte sich in der „Ergänzung“ (eng.: corollary) zur Monroe-Doktrin, die US-Präsident Theodore Roosevelt (1901-1909) am 6. Dezember 1904 in seiner Jahresbotschaft an den Kongress verkündete. Es gab damals nur zwei imperialistische Mächte, die in der Lage waren, Washington im eigenen „Hinterhof“ herauszufordern – Großbritannien und Deutschland. Nachdem London die Monroe-Doktrin mit dem Übergang ins 20. Jahrhundert anerkannt hatte, verweigerte nur noch das Kaiserreich dem neuen Hegemon die Anerkennung.

Dieses Problem konnten die USA im Ergebnis des Ersten Weltkriegs zügig bereinigen. Die gesicherte Vorherrschaft über die westliche Hälfte des Planeten, die neben Lateinamerika weite Teile des Pazifiks bis hin zu den Philippinen einschloss, zeitigte zwei Folgen für den weiteren Weg zur Weltherrschaft: Anders als alle anderen Konkurrenten im Klub der imperialistischen Großmächte setzte Washington trotz des Erwerbs eigener Kolonien nicht auf das Modell des klassischen Kolonialismus, sondern entschied sich für eine neue Variante, den Neo-Kolonialismus. Das Beispiel der Philippinen, die den größten Kolonialbesitz der USA darstellten und 1946 in die Unabhängigkeit entlassen wurden, bestätigt diese Richtungsentscheidung. Der zweite Punkt verweist auf ein Paradoxon. Wie die Debatten um den Völkerbund und das Schicksal von US-Präsident Woodrow Wilson (1913-1921) zeigen, scheiterte dieser mit seinem Griff nach der Weltherrschaft. Es stellt sich die Frage, warum sich die USA damals trotz ihres Machtzuwachses im Ergebnis des Ersten Weltkrieges mit der Hegemonie über die Westliche Hemisphäre zufriedengaben und was sie später veranlasste, nach der globalen Vorherrschaft zu greifen.

Von der „Festung Amerika“ zur amerikanischen Weltordnung

Beim globalen Aufstieg der USA waren die beiden Weltkriege von entscheidender Bedeutung. Gegenüber ihren imperialistischen Rivalen hatten sie einen dreifachen Vorteil. Erstens bildete Europa das hauptsächliche Schlachtfeld, von dem Nordamerika durch den Atlantischen Ozean räumlich getrennt war. Ähnliches gilt in Hinblick auf den Pazifischen Ozean für die Schlachten des Zweiten Weltkrieges in Asien, wo Japan der Hauptgegner war. Zweitens nutzten die USA ihre faktische Insellage sowohl im Ersten Weltkrieg (1914-1918) als auch im Zweiten Weltkrieg (1939-1945), um zunächst neutral zu bleiben. Ihr Kriegseintritt im April 1917 bzw. Dezember 1941 erfolgte zu einem Zeitpunkt, an dem sich die Kriegsgegner bereits gegenseitig geschwächt hatten und Washington das Zünglein an der Waage spielen konnte. So gehörten die USA zu den Siegern, ohne die hohen Kosten der anderen Großmächte teilen zu müssen. Der dritte Vorteil resultiert aus ihrer „Verwandlung“ von einem Schuldner- in einen Gläubigerstaat im Ergebnis des Ersten Weltkrieges. Die USA nutzten diesen neuen Status geschickt, um ihre Position als führende Wirtschaftsmacht der Welt weiter auszubauen.

Aber anders als die übrigen imperialistischen Großmächte setzten sie diesen Machtzuwachs nicht für den Auf- und Ausbau eines eigenen Kolonialreiches ein. Zwar hatten sie 1898 die spanische „Erbmasse“ genutzt, um sich im Pazifik und in der Karibik einige Kolonien zuzulegen, aber bereits damals hatte Washington den Schwerpunkt auf eine neue Form der imperialistischen Herrschaft gelegt, bei der die ökonomische Abhängigkeit formell souveräner Staaten und – bei Bedarf – militärische Interventionen die wichtigsten Merkmale waren. Für diesen „modernen Imperialismus“ (Carl Schmitt), der in ganz Lateinamerika zur Anwendung kam, bildete Kuba den paradigmatischen Fall. Während Puerto Rico, Guam und die Philippinen ihren Kolonialstatus auch unter der Herrschaft Washingtons behielten, wurde die größte Karibikinsel 1902 in die „Unabhängigkeit“ entlassen, nicht ohne dass sich die Vereinigten Staaten zuvor das „Recht“ auf militärische Intervention vertraglich und per Verfassung (Platt Amendment) gesichert hätten. Im Zeichen des „Großen Knüppels“ (Big Stick) wurde Panama 1903 von Kolumbien abgetrennt und entlang des 1914 fertig gestellten Kanals eine US-Kolonie errichtet. Ihre Höhepunkte erlebt die US-Interventionspolitik mit der Besetzung Nicaraguas (1912-1933), Haitis (1915-1934) und der Dominikanischen Republik (1916-1924). Die „imperialistische Umformung“, die die Monroe-Doktrin 1904 durch Theodore Roosevelt erfahren hatte, blieb auch nach der offiziellen Abschaffung des Platt Amendment 1933 in Kraft. Neben militärischen Interventionen, die bis heute immer wieder zur Anwendung kommen, zählen Putsche, ungleiche Verträge und Sanktionen zum Instrumentarium des US-Imperialismus.

Die Besonderheiten des „modernen Imperialismus“ der USA[iii] zeigen sich nicht nur in der Hegemonie über die Westliche Hemisphäre, sondern auch in den Beziehungen zur übrigen Welt. Auf dieser globalen Ebene kann man drei Etappen der US-amerikanischen Weltexpansion unterscheiden: Anfangs- und Endpunkt der ersten Etappe werden durch den Eintritt der USA in den Ersten bzw. Zweiten Weltkrieg markiert. Woodrow Wilson versuchte nach Kriegsende den Machtzuwachs Washingtons zu nutzen, um die Nachfolge des britischen Weltreiches anzutreten und eine liberale Weltordnung unter Führung Washingtons zu etablieren. Obwohl er damit am Widerstand eines Großteils der US-Eliten und der eigenen Bevölkerung scheiterte, befanden sich die USA bis zum Ausbruch der Weltwirtschaftskrise 1929 in der komfortablen Position eines „Schiedsrichters der Erde“.[iv] Wilsons Niederlage erklärt sich nicht zuletzt aus der US-Hegemonie über die Westliche Hemisphäre. In den Augen der US-Amerikaner bot die „Festung Amerika“ mit den beiden Ozeanen im Osten bzw. Westen genügend Raum und Schutz, um von dort aus die Weltwirtschaft zu kontrollieren. Erst der Verlauf des Zweiten Weltkrieges bewirkte einen Paradigmenwechsel. Der überraschende Fall von Paris am 14. Juni 1940 und das ungewisse Schicksal Britanniens führten in Washington zu der Überzeugung, dass es nunmehr höchste Zeit sei, sich die globale Hegemonie zu sichern. Der schnelle Vorstoß der deutschen Truppen nach dem Überfall auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 und vor allem der japanische Angriff auf Pearl Harbor am 7. Dezember 1941 taten dann ihr Übriges, um die Bevölkerung von der Unausweichlichkeit des Krieges gegen die Achsenmächte zu überzeugen.

Nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges 1945 waren die USA nicht nur ökonomisch, sondern auch politisch und militärisch das mächtigste Land der Welt. Zwischen ihnen und der Weltherrschaft stand nur noch die Sowjetunion, die mit 27 Millionen Toten die Hauptlast im Kampf gegen den Faschismus zu tragen hatte. Unter den Bedingungen der bipolaren Weltordnung 1945 bis 1990, die die zweite Etappe der Weltexpansion der USA bildet, erlebte die Monroe-Doktrin einerseits eine Phase der Globalisierung, ohne andererseits ihre Gültigkeit für die Westliche Hemisphäre zu verlieren. Die Klammer, die diese Bifurkation zusammenhielt, war der Kalte Krieg gegen die Sowjetunion. In der Kubakrise vom Oktober 1962 fielen beide Ebenen der US-Hegemonie – die hemisphärische und die globale – zusammen. Es war der Einsicht und dem diplomatischen Geschick der Führer der beiden nuklearen Supermächte – John F. Kennedy und Nikita Chruschtschow zu danken, dass der Menschheit die Vernichtung durch einen Atomkrieg erspart blieb.

Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion 1991 sahen sich die USA als siegreiche und damit einzige globale Supermacht innerhalb einer nunmehr unipolaren Weltordnung. 1997 gründeten neokonservative Politiker, Akademiker und Publizisten unter dem Namen „Project for a New American Century“ (PNAC) einen Think-Tank, der sich das Ziel setzte, den unipolaren Moment maximal zu nutzen. Die globale Hegemonie der USA sollte soweit ausgebaut und gestärkt werden, dass sie ein weiteres Jahrhundert Bestand hatte. Die kurze Phase der Unipolarität bildet die dritte Etappe der Weltexpansion. Die Terroranschläge vom 11. September 2001 boten dem US-Präsidenten George W. Bush (2001-2009) den geeigneten Anlass, um einen weltweiten „War on Terror“ zu beginnen. In Afghanistan, das diesem Krieg als erstes Land zum Opfer fiel, glaubte er, einen leichten Sieg erringen zu können. Als die USA und ihre Verbündeten nach zwanzigjährigen Kampfhandlungen Ende August 2021 überstürzt Kabul verlassen mussten, war klar, dass sie am Hindukusch eine demütigende Niederlage erlitten hatten. Wie war es möglich, dass die USA ihre einzigartige Machtposition derart schnell verspielten? Die Antwort auf diese Frage findet sich in einer Weltsicht, die zu kontraproduktiven Entscheidungen führte: Das unipolare Moment der USA erwies sich als eine Illusion, die in ihrem Abstieg endete.  

Die kurze Ära der unipolaren Weltordnung

Die unipolare Weltordnung beruhte von Anfang an auf der Hybris der „Sieger“. Diese Hybris speist sich aus zwei Quellen. Die erste war der „Geist der Sieger“. Die USA waren alles gleichzeitig – Sieger des Kalten Krieges, Inkarnation des siegreichen Kapitalismus und damit auch Sieger der Geschichte. Dieses Weltbild schien in der neoliberalen Globalisierung seine materielle Entsprechung zu finden: Die ganze Welt war ein einziger Markt, dessen Regeln in Washington als Konsensus formuliert wurden. Weit und breit war kein Rivale in Sicht. Die Sowjetunion war implodiert und in 15 Teile zerfallen. Ihr Nachfolger Russland durchlitt eine existentielle Krise. Die Volksrepublik China öffnete sich der Globalisierung und trat 2001 der WTO bei. In Europa wurde die Europäische Union, gegründet 1992, mehr und mehr zum Synonym für den gesamten Kontinent, während die in ähnlicher Weise erweiterte NATO sich von einem Verteidigungsbündnis zu einer Kriegsallianz mit globalem Anspruch wandelte. Einzelne Störenfriede wurden entweder militärisch zerschlagen (Irak 1991, Somalia 1992/1993, Jugoslawien bis 1999) oder ökonomisch mittels Sanktionen stranguliert (Kuba, Nordkorea, Iran). Mit dem globalen „War on Terror“ erreichte die Hybris der US-Eliten einen Höhepunkt.

Neben der darauf folgenden Kette von Kriegen, mit denen die USA vor allem Westasien und Nordafrika verheerten, erwiesen sich drei strategische Entscheidungen Washingtons als gravierende Fehler: Erstens die Auslagerung der eigenen Industrie in Billiglohnländer des globalen Südens; zweitens die Annahme, dass sich China als Nutznießer der Globalisierung zum kapitalistischen Juniorpartner der USA wandeln würde; drittens die Ausgrenzung und Demütigung Russlands, das von den westlichen Entscheidungsträgern nur noch als schwächelnde Regionalmacht wahrgenommen wurde. Das Ende der unipolaren Weltordnung wurde mit der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise von 2008 eingeleitet. Sie legte nicht nur die strukturellen Defekte und Widersprüche der Globalisierung bloß, sondern beschleunigte auch den Aufstieg wichtiger Schwellenländer, allen voran Chinas, das sich 2009/2010 mit Russland, Indien, Brasilien und Südafrika zur Gruppe der BRICS zusammenschloss. Die Euro-Krise (ab 2010) und der Ausbruch der Covid-19-Pandemie Ende 2019, die 2020/2021 mit einer schweren Weltwirtschaftskrise einherging, haben die Krise des globalen Kapitalismus weiter vertieft. 

Die Osterweiterung der NATO, die von den transatlantischen Eliten des Westens seit 1997 in mehreren Wellen vorangetrieben worden war, bildete jene Strategie, mit der Russland, das sich unter der Präsidentschaft von Wladimir Putin ab 2000 zu erholen begann, eine strategische Niederlage bereitet werden sollte. Mit dem „Schwenk nach Asien“ 2011 reagierte US-Präsident Barack Obama (2009-2017) auf die wachsende Herausforderung durch die Volksrepublik China, die 2013 mit ihrer Belt and Road Initiative (BRI) ihre eigene Variante der Globalisierung eingeleitet hatte. Im Glauben, Russland militärisch wie ökonomisch in die Knie zwingen und auf diese Weise zugleich China schwächen zu können, forcierte die NATO ab 2008 ihren Kurs zur Aufnahme der Ukraine als Mitglied des westlichen Militärbündnisses. Dieser Kurs führte 2014 zum Konflikt mit Russland, der am 24. Februar 2022 in eine offene militärische Konfrontation umschlug. Aus ihr entwickelte sich rasch ein Stellvertreterkrieg zwischen dem kollektiven Westen und Russland, in dem es letztlich um die künftige Weltordnung geht. In dem Maße, wie klar wurde, dass die NATO ihre Kriegsziele trotz wachender Eskalation nicht erreichen konnte, schwanden auch die letzten Reste der unipolaren Weltordnung der USA. Im Umkehrschluss beschleunigt der Ukrainekrieg den Übergang zu einer multipolaren Weltordnung, für die Russland, China und der globale Süden eintreten. Die wachsende Einsicht, dass die USA mit der Aufrechterhaltung ihrer unipolaren Illusion überfordert sind, brachte Donald Trump nach seiner ersten Präsidentschaft (2017-2021) im November 2024 den erneuten Wahlsieg. Sein „America first!“ verkörpert den Wunsch, die Vormacht der USA trotz ihres Niedergangs unter den neuen Bedingungen einer multipolaren Welt zu verteidigen. Wie und mit welchen Ergebnissen er seinen Kurs umzusetzen imstande ist, wird im dritten Teil der Amerika-Serie diskutiert.

 


 

Anmerkungen:

[i] Kennedy, Paul: Aufstieg und Fall der großen Mächte. Ökonomischer Wandel und militärischer Konflikt von 1500 bis 2000. Frankfurt a. M. 1991, S. 369

[ii] Ebenda, S. 371

[iii] Vgl. Schmitt, Carl: 19. Völkerrechtliche Formen des modernen Imperialismus (1932), in: Derselbe: Positionen und Begriffe im Kampf mit Weimar – Genf – Versailles 1923-1939, 4. Korr. Auflage, Berlin 2014, S. 184-203

[iv] Ebenda, S. 192 und 196

 

Bildquellen: Quetzal-Redaktion_[1] soleb; [2] gc

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