Das Museo de la Memoria y los Derechos Humanos (Museum für Erinnerung und Menschenrechte – MMDH) in Chile wurde international mit dem X. Menschenrechtspreis des Königs von Spanien ausgezeichnet, einer Auszeichnung, die vom Bürgerbeauftragten und der Universität von Alcalá de Henares verliehen wird. Die feierliche Preisverleihung fand am 6. Mai im Auditorium der historischen Madrider Universität statt.
An der Verleihung nahmen der König von Spanien, der Senatspräsident, der Finanzminister, der Rektor der Universität von Alcalá und der Bürgerbeauftragte teil. Die Auszeichnung nahm die Geschäftsführerin des Museums, María Fernanda García, entgegen, die sich gemeinsam mit dem Vorstandsvorsitzenden des Museums, Patricio Zapata Larraín, bedankte.
„Der Wert des Museums der Erinnerung und der Menschenrechte liegt nicht darin, die Schatten der Vergangenheit zu vertreiben, sondern dazu beizutragen, die Gegenwart und die Zukunft zu gestalten. Und dies geschieht durch persönliche Geschichten, familiäre Bindungen, Vor- und Nachnamen: Umstände, in denen man sich wiedererkennen kann. Die große Leistung des Museums liegt in dieser Schaffung von Empathie“, erklärte König Felipe VI. bei der Feierstunde in der Kapelle San Idelfonso der Universität von Alcalá.
Die Jury, bestehend aus namhaften Persönlichkeiten wie dem Bürgerbeauftragten Ángel Gabilondo und dem Direktor der Königlichen Spanischen Akademie, Santiago Muñoz Machado, bewertete insgesamt 57 Bewerbungen aus 14 Ländern. In ihrer Begründung würdigten sie insbesondere die „enorme Erinnerungsarbeit“, die das Museum seit seiner Gründung im Jahr 2010 geleistet hat, und hoben diese als Garant für die Zukunft der Demokratie und der Menschenrechte hervor.
„Diese Auszeichnung aus den Händen des Bürgerbeauftragten und des Königs von Spanien entgegenzunehmen, ist eine Ehre, die den universellen Wert der Erinnerung bekräftigt“, erklärte María Fernanda García. „Im Museum für Erinnerung und Menschenrechte arbeiten wir in der Überzeugung, dass Erinnern kein Akt der Vergangenheit ist, sondern ein aktives Engagement in der Gegenwart. Wir haben uns mit Erfahrungen anderer Länder, die ebenfalls mit Menschenrechtsverletzungen konfrontiert waren, ausgetauscht und dabei einen übergreifenden Blickwinkel eingenommen. Das hat es ermöglicht, das Museum als einen Ort des Nachdenkens, des Austauschs und der Diskussion zu positionieren“, fügte die Geschäftsführerin hinzu.
Das Museum für Erinnerung und Menschenrechte hat seine internationale Legitimität durch Kooperationen mit ausländischen Regierungen und Organisationen gefestigt, indem es Methoden beisteuert und öffentliche Erinnerungspolitik begleitet. Seine Verbindungen zum UNHCR und zu den französischen Nationalarchiven sowie die Aufbewahrung von freigegebenen Dokumenten der CIA, der Vereinten Nationen und europäischer und lateinamerikanischer Archive machen es zu einem wichtigen Bewahrer in einem weitreichenden internationalen Netzwerk. Im Dezember 2025 wurde diese Arbeit durch die Übernahme des Archivs des spanischen Exils in Chile erweitert, wodurch die gemeinsame Erinnerung gestärkt wurde.
Mit der Unterstützung der UNESCO und ihrer beratenden Funktion in Iberoamerika und Europa bekräftigt das Museum seine Fähigkeit, weltweit Einfluss auf die Schaffung einer Kultur des Respekts vor der Menschenwürde zu nehmen. Die globale Wirkung des MMDH spiegelt sich auch in seiner intensiven Öffentlichkeitsarbeit und seinen internationalen Leihgeschäften wider. Im Jahr 2026 wird das Museum mit dem Kunstmuseum von São Paulo (MASP) in Brasilien zusammenarbeiten, indem es 60 Originalwerke für die Ausstellung über das Colectivo Acciones de Arte (CADA) ausleiht, sowie mit dem Museum Angewandte Kunst in Frankfurt am Main, Deutschland, dem es historische Plakate und Objekte der Unidad Popular zur Verfügung stellt.
Diese internationale Ausrichtung wird durch das gemeinsam mit dem Centro Cultural de España entwickelte Programm „Memorias Compartidas“ ergänzt, das Film-, Theater- und Konferenzveranstaltungen umfasst sowie durch die Aufnahme des Archivo del Exilio Español en Chile in den Bestand des Museums.
Archiv für die Justiz, themenübergreifende Ausstellungen und kultureller Ort
Die Dauerausstellung des MMDH nimmt zwei Drittel des 5.000 Quadratmeter großen Gebäudes ein. In diesem Bereich wird eine Ausstellung gezeigt, die Zeugenaussagen, Dokumente, historische Archive und audiovisuelle Beiträge umfasst, um die Erinnerung an die Menschenrechtsverletzungen in Chile während der Diktatur von Augusto Pinochet (Sept. 1973 – März 1990) zu bewahren. Das MMDH ist das größte Gedächtnisarchiv Chiles, das ständig neue Berichte aufnimmt. Es hat Spenden von mehr als 300 nationalen und internationalen Institutionen erhalten. Seine Bedeutung zeigt sich darin, dass die Justiz, die landesweit Verfahren führt, das Museum ständig um Informationen bittet.
Das temporäre Programm des Museums befasst sich mit globalen Themen, die über nationale Grenzen hinausgehen. Im Jahr 2026 präsentiert die Institution ein vielfältiges Programm, darunter die Ausstellung „Sibirien: Gefängnis der Nationen“, die vom Sybir Memorial Museum konzipiert wurde und die Massendeportationen von Polen während der sowjetischen Besatzung von 1939 nachzeichnet.
Zudem zeigt das Museum Werke der Künstler David Lamelas und Hildegarde Duane, eine Ausstellung zeitgenössischer Kunst, die die Konstruktion von Macht anhand von Fernsehbildern aus den 1970er- und 1990er-Jahren beleuchtet und die mediale Theatralik des Autoritarismus sowohl in Diktaturen als auch in Demokratien aufzeigt.
Neben seiner archivarischen und musealen Arbeit bietet das MMDH das ganze Jahr über ein aktives, kostenloses Kultur- und Bildungsprogramm, das es zu einem Ort der Begegnung für die Bürger macht. Das Programm umfasst Theater- und Filmreihen, Gesprächsrunden, Buchvorstellungen, Workshops für verschiedene Altersgruppen sowie Fortbildungen für Lehrkräfte. Das Gebäude stellt seine Räumlichkeiten zudem für Konzerte und vielbesuchte künstlerische Darbietungen zur Verfügung, wodurch der Zugang zur Kultur erweitert wird.
Die Sammlung umfasst Werke von mehr als 170 Künstler*innen, die durch Fotografie, bildende Kunst und audiovisuelle Medien dazu beigetragen haben, das historische Gedächtnis zu bewahren und neu zu interpretieren. Zu ihnen zählen insbesondere Jorge Tacla, Paz Errázuriz, Chas Gerretsen und Claudio Di Girolamo sowie zeitgenössische Größen wie Cecilia Vicuña, das Colectivo de Acciones de Arte (CADA), Vicente Ruiz und Silvio Caiozzi. Diese Vielfalt an Blickwinkeln und künstlerischen Ausdrucksformen macht die Sammlung zu einem einzigartigen Bestand.
Das Museum befindet sich in einem avantgardistischen Gebäude, das von den Architekten Mario Figueroa, Lucas Fehr und Carlos Dias entworfen wurde, in einem Stadtteil, der Parks mit einem intensiven gastronomischen, akademischen und kulturellen Leben verbindet. Es nutzt seine Struktur als „offener Block“, um eine natürliche Helligkeit zu erzeugen, die für Transparenz steht.
Die Vielfältigkeit der Institution stützt sich auf einen Vorstand, der sich aus Persönlichkeiten mit langjähriger öffentlicher Laufbahn zusammensetzt, wie der ehemaligen Präsidentin der Republik Michelle Bachelet Jeria, dem Schriftsteller Arturo Fontaine Talavera und dem Rektor der Universidad Diego Portales, Carlos Peña González.
Mit mehr als 3.500.000 Besuchern seit seiner Eröffnung und einer digitalen Community von fast 460.000 Menschen auf Instagram etabliert sich das Museum als das Kulturzentrum mit der größten digitalen Reichweite in Chile und als eine tragende Säule der Menschenrechtsbildung auf iberoamerikanischer Ebene.
Bedeutende Persönlichkeiten aus dem In- und Ausland haben das Museum besucht. Zu nennen sind politische Führungspersönlichkeiten wie Ban Ki-moon, Sebastián Piñera, Joachim Gauck, François Hollande, Pedro Sánchez und Olaf Scholz, Prinzessin Mary von Dänemark, Baltasar Garzón sowie Aktivisten und kulturelle Vorbilder wie Angela Davis, Adolfo Pérez Esquivel, Silvia Federici und Esther Mujawayo. Auch Künstler wie Sting und Tom Morello haben seine Räume besichtigt und sich der Anerkennung des Museums als Symbol demokratischer Widerstandsfähigkeit angeschlossen.
Seit der Gründung des Preises fanden neun Verleihungen statt
Zu den ausgezeichneten Organisationen gehörten die brasilianische Einrichtung Pastoral da Criança, die Fundación Myrna Mack aus Guatemala, das Lateinamerikanische und Karibische Komitee zur Verteidigung der Frauenrechte, die chilenische Nichtregierungsorganisation Un techo para mi País, das Nationale Netzwerk zivilgesellschaftlicher Menschenrechtsorganisationen Todos los Derechos para Todas y Todos aus Mexiko, die Institution der Adoratrices aus Spanien, die kolumbianische Patrulla Aérea Civil, die honduranische Acoes und, bei der letzten Ausgabe, die mexikanische Nichtregierungsorganisation Colectivo Familias por Nuestros Desaparecidos de Jalisco.
Original-Beitrag aus El Clarín de Chile vom 6. Mai 2026. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift.
Übersetzung aus dem Spanischen: G. Töpferwein
Bildquelle: [1, 2] flickr, cc_Andrés Moya