Jahrzehntelang wurden die Noten, Briefe, Fotos und Konzertprogramme von Diana Pey Casado von ihrer Familie sorgfältig aufbewahrt. Sie waren weit mehr als nur Familienunterlagen: Sie waren die Spuren eines Lebens, das von zwei Kriegen, zwei Exilen und zwei Diktaturen geprägt war. Im März dieses Jahres trat dieses Archiv eine letzte Reise an. Es überquerte erneut den Atlantik, um in die Obhut der Spanischen Nationalbibliothek zu gelangen, wo es als Teil des Erbes des republikanischen Exils bewahrt wird. Paradoxerweise war es Spanien – das Land, aus dem Diana floh, um ihr Leben zu retten –, das letztendlich ihr Andenken bewahrte. Chile, wo sie den größten Teil ihrer künstlerischen und akademischen Laufbahn verbrachte, hat ihr nie eine ähnliche Anerkennung zuteilwerden lassen.
„Es erschien uns nicht angebracht, an Chile zu denken“, sagt ihre Tochter Mara Colli Pey, wenn sie an die Entscheidung zurückdenkt, das Archiv der Spanischen Nationalbibliothek zu schenken. „Es gab nie irgendein Anzeichen von Interesse dafür.“ In diesem Satz, der mit Gelassenheit ausgesprochen wird, verdichtet sich eine Geschichte, die über den Werdegang einer herausragenden Pianistin und Musikpädagogin hinausgeht. Es ist auch die Geschichte einer Generation von Künstlern, deren Leben von der politischen Gewalt des 20. Jahrhunderts geprägt war.
Eine vom Krieg geprägte Kindheit
Für Mara war Diana Pey – noch vor ihrer Rolle als Konzertpianistin und Universitätsdozentin – eine Mutter, deren Auftreten von einer außergewöhnlichen Lebenskraft geprägt war. „Ihre Herzlichkeit war das vorherrschende Gefühl“, erinnert sie sich. „Sie ging alle Aufgaben – ob im Haushalt, in der Familie oder im Beruf – mit Begeisterung und Energie an. Ich kann mich nicht daran erinnern, sie jemals gelangweilt oder lustlos gesehen zu haben.“
Doch hinter dieser Energie verbarg sich eine Wunde, die nie ganz verheilt war. Der Spanische Bürgerkrieg blieb ihr ganzes Leben lang präsent. Anfangs tauchten ihre Erinnerungen häufig auf. Im Laufe der Jahre wurden sie seltener, verschwanden jedoch nie ganz. Der Krieg hatte ihr Verständnis von Familie, Solidarität und Verantwortung gegenüber anderen tief geprägt.
Ihre ständige Sorge um ihre Liebsten – ihre Kinder, ihren Mann, ihre Mutter, ihre Geschwister und später ihre Enkelinnen – hatte tiefe Wurzeln. Mara glaubt, diesen Charakterzug im Laufe der Zeit verstanden zu haben. Als sie alte Briefe durchging, die ihre Mutter als Teenager geschrieben hatte, entdeckte sie, dass diese Hingabe an andere schon lange vor dem Exil vorhanden war, auch wenn die erlebten Erfahrungen sie schließlich noch verstärkten.
Diese Briefe offenbarten zudem eine weitere frühe Berufung: die Musik. Seit ihrer Kindheit stand das Klavier im Mittelpunkt ihres Lebens.
Der Weg zur „Winnipeg“
Im Januar 1939, als Barcelona kurz davor stand, in die Hände der Truppen Francos zu fallen, war Diana eine frisch verheiratete junge Frau. Ihr Mann war zur Arbeit in einer Fabrik für Kriegsmaterial eingezogen worden. Auch ihre Brüder befanden sich weit weg von der Stadt. Sie blieb zusammen mit ihrer Mutter in Barcelona.
Am Vorabend des Falls der Stadt ging sie zu einem Lokal der Freimaurer, einer Organisation, der sie angehörte. Dort erfuhr sie, dass ein Lastwagen in Richtung der französischen Grenze abfahren würde. Sie kehrte zurück, um ihre Mutter zu holen. Es gab keine Transportmöglichkeiten. In der Stadt herrschte Chaos. Sie brachen praktisch nur mit dem auf, was sie auf dem Leib trugen.
Der Rest gehört zum kollektiven Gedächtnis des republikanischen Exils. Bombardements auf der Straße, endlose Fußmärsche im Winter, Tausende von Menschen, die die Pyrenäen überquerten, kalte Nächte mit eisigem Wind, bis sie schließlich Frankreich erreichten.
Ihr Mann und ihre Brüder durchlebten eine parallele Odyssee. Sie wurden festgenommen und im Konzentrationslager Le Boulou interniert, bevor sie in ein anderes Lager in der Nähe von Perpignan verlegt wurden. Nur dank eines Netzes der Solidarität und einer zufälligen Begegnung konnte die Familie wieder vereint werden.
Wenige Monate später bot sich eine neue Chance: die „Winnipeg“. An Bord des alten Frachters, der für den Transport von mehr als zweitausend Flüchtlingen umgerüstet worden war, tat Diana wieder das Einzige, womit sie nie aufgehört hatte: Klavier spielen. Während der Überfahrt gab sie kleine Konzerte für die Passagiere und unterhielt zusammen mit anderen jungen Frauen die zahlreichen Kinder, die auf dem Weg zu einem unbekannten Ziel waren. Während sich Europa einem neuen Weltkrieg näherte, half die Musik, die Hoffnung aufrechtzuerhalten.
Als das Schiff in der Nacht des 2. September 1939 die Lichter von Valparaíso erblickte, hatten viele das Gefühl, dass ein neues Leben begann. Und für die Familie Pey war es genau das.
Ein in Chile aufgebautes Leben
Chile war kein Ort auf der Durchreise: Es war das Land, in dem Diana ihr Talent voll entfalten konnte. Nachdem sie ihre Ausbildung am Nationalen Musikkonservatorium fortgesetzt hatte, begann sie eine Karriere, in der sie das Musizieren, das Komponieren und vor allem den Unterricht miteinander verband.
Wie Mara sich erinnert, waren diese drei Bereiche nie voneinander getrennt. „Das Musizieren, das Komponieren und vor allem die Musikpädagogik waren Teil ein und desselben Lebensprojekts, das von einer starken Berufung getragen wurde.“
In den ersten Jahren standen die Konzerttätigkeit und das Komponieren im Vordergrund. Später rückte die Musikpädagogik zunehmend in den Mittelpunkt. Es war keine Arbeit, um den Lebensunterhalt zu bestreiten. Es war eine Art, Musik zu verstehen.
Ihre Tätigkeit am Nationalen Musikkonservatorium und später an der Fakultät für Musikalischen Wissenschaften und Künste an der Universität von Chile trug entscheidend zur musikalischen Bildung bei. Sie beteiligte sich an akademischen und öffentlichkeitswirksamen Aktivitäten, vertrat die Universität in verschiedenen lateinamerikanischen Ländern und half mit, Generationen von Musiklehrern auszubilden.
Bis 1973 spiegelte sich diese Anerkennung in der Vielfalt der Aufgaben wider, die sie innerhalb der Universität von Chile wahrnahm. Ihr Name war ganz selbstverständlich bekannt unter denjenigen, die eine der fruchtbarsten Phasen des chilenischen Musiklebens prägten.
Die Geschichte wiederholte sich. Am 11. September 1973 befand sich Diana Pey außerhalb Chiles. Wie für Tausende von Wissenschaftlern und Beamten, die sich mit der Regierung der „Unidad Popular“ identifizierten, beendete ein Dekret alle ihre universitären Ämter. Es gab kein Gerichtsverfahren. Es gab keine Verteidigung. Sie gehörte einfach nicht mehr zu der Institution, an der sie jahrelang gearbeitet hatte.
Während es ihrem Bruder Víctor Pey gelang, in der venezolanischen Botschaft Asyl zu finden, bevor er ins Exil ging, konzentrierte Diana ihre ganze Aufmerksamkeit darauf, Familienangehörigen und Freunden zu helfen, die von der Diktatur verfolgt wurden. Sie reiste nach Caracas, um dort auf die Ankunft von Víctor zu warten.
In jenen Monaten, erinnert sich Mara, gab es keinen Raum, um persönliche Verluste zu betrauern. Das Ausmaß der chilenischen Tragödie verdrängte alle anderen Sorgen. „Angesichts der Schwere der Ereignisse blieb kein Raum, über die beruflichen oder persönlichen Auswirkungen des Putsches nachzudenken“, erklärt sie. „Für viele Menschen bedeutete dies einen Einschnitt in ihrem Leben, doch dieser Einschnitt reichte weit über den rein persönlichen Bereich hinaus.“
Nachdem sie sich später in den Vereinigten Staaten niedergelassen hatte, blieb Diana der Musik verbunden und beteiligte sich an Solidaritätsinitiativen für Chile. Sie verfolgte stets die Ereignisse in ihrer Wahlheimat. Auch ihre Gedanken kehrten immer wieder dorthin zurück. Doch sie würde nicht mehr zurückkehren, um das Leben wiederaufzubauen, das die Diktatur unterbrochen hatte. Sie starb 1988 in Miami.
Die wiedergewonnene Erinnerung
Ende 2022 nahm der Musiker und Forscher Samuel Diz Kontakt zu Mara Colli Pey auf. Er wollte die Geschichte der ins Exil gegangenen republikanischen Künstlerinnen rekonstruieren. Zwei Wochen lang sichteten Diz und die Kulturmanagerin Beatriz Fontán sorgfältig die Partituren, Manuskripte, Fotos, Konzertprogramme und persönlichen Dokumente, die Mara über Jahrzehnte hinweg aufbewahrt hatte. Es war eine Forschungsarbeit, aber auch eine Arbeit der Erinnerung. „Es war für mich eine intensive Zeit, in der viele Emotionen und Erinnerungen hochkamen“, erinnert sie sich.
Dann stellte sich die unvermeidliche Frage. Wo sollte dieses Vermächtnis aufbewahrt werden? Die Antwort war nicht einfach. Chile hatte nie Interesse daran gezeigt, das Werk von Diana Pey zu retten. „Es gab nie Anzeichen für ein solches Interesse“, sagt Mara. „Im Laufe der Jahre und mit der Festigung dieser eingeschränkten Demokratie hat sich die Undurchsichtigkeit in alle Aspekte des Lebens eingeschlichen.“
Schließlich erklärte sich die Spanische Nationalbibliothek bereit, das Archiv zu verwahren. Dort werden nun rund 150 Musikmanuskripte, Partituren, Entwürfe, Korrespondenz, Fotografien und Dokumente aufbewahrt, die es ermöglichen, das Leben einer der bedeutendsten Persönlichkeiten des republikanischen Musik-Exils nachzuzeichnen.
Für Mara bedeutete diese Entscheidung eine Mischung aus Erleichterung und Wiedergutmachung. „Die Anerkennung durch diese herausragende Institution und die Verwirklichung der Ziele, die wir angestrebt haben, sind für mich ein Grund zu tiefer Zufriedenheit und geben mir das Gefühl, dass ein lange bestehendes Erfordernis erfüllt wurde.“
Eine Schuld der chilenischen Erinnerung
Die Geschichte von Diana Pey endet dort, wo sie in gewisser Weise begonnen hatte.
Die junge Frau, die unter den Bombenangriffen aus Barcelona floh, die Pyrenäen überquerte, im „Winnipeg“ Klavier spielte, in Chile eine glänzende musikalische Karriere machte und von der Diktatur von der Universität verwiesen wurde, fand schließlich in Spanien einen Ort für ihre Erinnerung.
Dies geschah nicht in dem Land, das sie als Flüchtling aufgenommen hatte, in dem sie Jahrzehnte lang Musiker und Lehrkräfte ausbildete. Es geschah in dem Land, aus dem sie fliehen musste, um zu überleben.
Das Paradoxon ist offensichtlich. Spanien beschloss nach fast neun Jahrzehnten, das Vermächtnis einer seiner ins Exil getriebenen Schöpferinnen zu bewahren. Chile hingegen hat der Wissenschaftlerin, Komponistin und Pädagogin, deren Laufbahn durch die politische Gewalt von 1973 unterbrochen wurde, nie wieder ihren rechtmäßigen Platz zurückgegeben.
Das Archiv, das heute in der Spanischen Nationalbibliothek ruht, bewahrt nicht nur das Werk von Diana Pey Casado. Es erinnert auch daran, dass Erinnerung nicht allein vom Verstreichen der Zeit abhängt. Sie hängt vor allem vom Willen einer Gesellschaft ab, diejenigen anzuerkennen, die zum Aufbau ihrer Kultur beigetragen haben und anschließend zum Schweigen verurteilt wurden.
In diesem Sinne handelt die letzte Reise von Diana Pey nicht nur von einer vergessenen Pianistin. Sie handelt auch von einer Schuld, die die chilenische Demokratie noch immer nicht vollständig beglichen hat.
Original-Beitrag aus El Clarín de Chile vom 22. Juli 2026. Veröffentlichung mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift.
Übersetzung aus dem Spanischen: G. Töpferwein
Bilquellen: [1] cc, Jean-Pierre Dalbéra; [2] cc, wal_172619