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Toni Keppeler / Laura Nadolski / Cecibel Romero: Kaffee – Eine Geschichte von Genuss und Gewalt

Alejandra Morteo | | Artikel drucken
Lesedauer: 4 Minuten

Die 2025 von der Bundeszentrale für politische Bildung in Bonn veröffentlichte Publikation ist das Ergebnis der Zusammenarbeit von drei Autorinnen und Autoren: Toni Keppeler, Journalist, der seit über 40 Jahren über Lateinamerika schreibt; Laura Nadolski, Doktorandin am Max-Planck-Institut; und Cecibel Romero, Journalistin und Kaffee-Sommelière, die zwölf Jahre lang ein sozial und ökologisch verantwortungsvolles Kaffeeanbauprojekt leitete.

Das Buch gliedert sich in zwei Teile. Der erste Teil trägt den Titel „Die Bohne und ihre Verarbeitung: Wie der Kaffee von der Plantage bis in die Tasse kommt und wie dabei die Umwelt verschandelt wird“. Darin erhalten wir einen Überblick über den Ursprung des Kaffees, die verschiedenen Sorten, die sich im Laufe der Zeit entwickelt haben, und ihre Besonderheiten in Aroma und Geschmack. Außerdem wird recht anschaulich der gesamte Produktionsprozess erklärt, vom Pflanzen des Samens bis zum Rösten und Mahlen. Der Anbau jeder Pflanze für den menschlichen Verzehr wirkt sich unweigerlich auf die Umwelt aus, doch manche Methoden belasten sie eindeutig stärker als andere. Hier werden die Unterschiede zwischen den beiden Anbaumethoden und ihre Auswirkungen auf Boden und Wasser erläutert.

Der zweite Teil trägt den Titel „Kolonialismus und Neokolonialismus“. Hier werden die sozialen Auswirkungen, die der Kaffee hatte, seit er den Jemen verließ und sein Konsum in Europa populär wurde, strukturierter behandelt. Aufgrund seiner wachsenden Beliebtheit gelangte der Kaffee auf andere Kontinente, wo man nach klimatischen Bedingungen suchte, die seinen Anbau ermöglichen. In der Vergangenheit wurden zu diesem Zweck immer wieder Menschenrechte verletzt: Versklavte Menschen wurden zu unmenschlich langen Arbeitstagen gezwungen, und indigenen Gemeinschaften in Lateinamerika wurde ihr Land enteignet, wodurch sie ins Elend gestürzt wurden. Zudem wird die verheerende Lage der zunehmenden Abholzung der Wälder in Brasilien dargestellt, die Platz für Kaffeeplantagen schaffen soll.
Dieser Teil erklärt aber auch, wie die Menschenrechte bis heute ignoriert und mit Füßen getreten werden: Ausländische Investoren versuchen, die harte Arbeit so gering wie möglich zu entlohnen, sodass die Menschen kaum überleben können. Gegenüber der Vergangenheit offener Sklaverei ist das nur eine mittelmäßige Verbesserung.

Fazit: Das kostbare Produkt Kaffee hat seinen Preis. Und dieser Preis ist in der Regel hoch, sei es, weil die Menschenwürde leidet, oder weil die Umwelt stark beeinträchtigt und geschädigt wird. Für europäische Konsumentinnen und Konsumenten ist das vielleicht weniger sichtbar als für jemanden, der die katastrophalen Lebensbedingungen der armen Gemeinschaften, die vom Kaffeeanbau leben, selbst erlebt. Am Ende stellt sich jedoch die Frage: Ist es möglich, Kaffee sozial und ökologisch (verantwortungsvoller) zu konsumieren? Die Antwort lautet: Ja. Das setzt aber voraus, sich zu informieren, einen womöglich höheren Preis zu zahlen als für den durchschnittlichen Industriekaffee aus dem Supermarkt, konsequent auf löslichen Kaffee zu verzichten und bewusste Entscheidungen zu treffen. Die Publikation erfüllt ihr Ziel, ein Problem ans Licht zu bringen, das aus Sicht der durchschnittlichen Verbraucher meist nicht präsent ist. Sie regt zum Nachdenken an, dazu, sich besser zu informieren und die wirtschaftlichen Kosten zu akzeptieren, die nötig sind, damit die Menschen, die im Anbau und in der Verarbeitung von Kaffee arbeiten, nicht nur ihr Überleben sichern, sondern ein erfülltes Leben mit fairer Bezahlung führen können, entsprechend ihrem unermüdlichen Einsatz für das stetig wachsende Kaffeegeschäft.

Dennoch möchte ich im Folgenden einige Kritikpunkte an der Publikation anführen: Dem ersten Teil fehlt eine intuitive Struktur, da er zwei Hauptthemen ungeordnet miteinander vermischt: die Kaffeesorten und die Frage, wie stark die jeweiligen Anbaumethoden die Umwelt belasten. Diesen Aspekt sehe ich kritisch, da alle drei Autorinnen und Autoren über akademische und journalistische Erfahrung verfügen. Ich hätte daher eine klarere Struktur erwartet, gerade mit Blick auf Leserinnen und Leser, die neu im Thema sind. Außerdem ist zu erwähnen, dass das Werk nicht als Referenz für wissenschaftliche Arbeiten gedacht ist, da es kein Zitiersystem hat. Es gibt also keine direkte Möglichkeit, die im Literaturverzeichnis aufgeführten Publikationen mit den Argumenten im Text in Verbindung zu bringen. Das ist allerdings nur für diejenigen relevant, die sich vertieft mit den behandelten Themen beschäftigen möchten; wer das Buch aus reinem Interesse liest, erhält eine recht umfassende Einführung.

Empfehle ich die Lektüre dieser Publikation? Ja! Ich finde, es ist ein komplexes und spannendes Thema, da es unsere heutige Realität betrifft. Ich würde sie nicht als unfehlbare wissenschaftliche Publikation betrachten, sondern als das, was sie ist: ein rein informativer Text, geschrieben aus einer persönlichen Perspektive.

 

Toni Keppeler / Laura Nadolski / Cecibel Romero

Kaffee – Eine Geschichte von Genuss und Gewalt

Bundeszentrale für politische Bildung, 2025

 


 

Bildquelle: [1] ScanCover

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