Der amtierende Präsident Luiz Inácio da Silva (Lula) hat am Sonntag in der Stichwahl seinem Konkurrenten Flávio Bolsonaro, dem Sieger der ersten Runde, eine überraschende Niederlage bereitet. Zum ersten Mal in der Geschichte Brasiliens ist eine derartige Wendung gelungen. Damit hat sich Lula gegen den Trend der Prognosen durchgesetzt und wird das größte Land Lateinamerikas nach drei Amtsperioden (2003-2009 sowie ab 2023) erneut regieren. Anders als von den meisten Beobachtern erwartet, hat der weltbekannte Linkspolitiker dem allgemeinen Rechtstrend in der Region Paroli geboten. Mit 51,8 Prozent der Stimmen – 4,4 Millionen mehr als Bolsonaro – erklärte ihn das Oberste Wahlgericht zum Sieger. Ein Blick auf die Ergebnisse der ersten Runde, in der auch das Abgeordnetenhaus, der Senat sowie die Gouverneure und Parlamente der Bundesstaaten zur Wahl standen, macht jedoch deutlich, wie schwierig Lulas neue Amtszeit werden wird. Hinzu kommt die Neuausrichtung der US-Außen- und Sicherheitspolitik unter Donald Trump, die ganz im Zeichen der imperialen Aufwertung der Monroe-Doktrin steht. Während seine Anhänger im ganzen Land ihren Sieg feierten, forderte Bolsonaro bereits die Annullierung der Stichwahl. Inzwischen hat er sich in die USA abgesetzt.
Vormarsch der Rechten, aber kein Durchbruch
Trotz der vorhergesagten Siegeschancen für Lula hatte Flávio Bolsonaro den ersten Wahlgang vom 4. Oktober 2026 mit 47,03 Prozent bzw. mehr als 56 Millionen Stimmen für sich entscheiden können, während der Amtinhaber mit 45,16 Prozent bzw. knapp 54 Millionen Stimmen nur auf den zweiten Platz kam. Der Unterschied betrug 2.224.965 Stimmen, was 1,87 Prozentpunkten entspricht. Augusto Cury von der Partei Avante, die sich selbst als politische Mitte bezeichnet, Renan Santos von der rechten Partei Missão und Ronaldo Caiado von der neoliberalen Partei PSD kamen zusammen auf gut sieben Prozent. Mit Blick auf die anstehende vierte Amtszeit von Lula ist trotz seines Kantersieges der Vormarsch der Rechten im Nationalkongress (Congresso Nacional) besorgniserregend. Die Liberale Partei (PL), die sich zum wichtigsten politischen Sprachrohr des Bolsonarismus entwickelt hat, konnte im Abgeordnetenhaus, das insgesamt über 513 Sitze verfügt, einen deutlichen Zuwachs erzielen. Sie errang 121 Sitze. Das sind 22 mehr als zuvor und entspricht einem Anteil von 22,8 Prozent. Im Senat konnte der PL seine Präsenz auf 29 Sitzen ausbauen. Damit ist er in beiden Kammern des brasilianischen Parlaments die stärkste Partei. Lula hat am 25. Oktober zwar die Stichwahlwahl gewonnen, die linken Parteien verfügen jedoch weder im Senat noch im Abgeordnetenhaus über eine regierungsfähige Mehrheit. Da es im brasilianischen Kongress keine Regierungspartei im europäischen Sinn gibt, kommt dem sogenannten Centrão bei der Machtverteilung eine zentrale Rolle zu.[i] Zwischen den beiden Polen des Parteienspektrums bildet er mit seinen 207 Abgeordneten das Zünglein an der Waage, was Lula – wie schon zuvor – dazu zwingt, mit einem Parlament zu regieren, das deutlich konservativer als er selbst ist.[ii]
Die Ambitionen des Bolsonarismus, die auf einen reaktionären Umbau des Staates abzielen, sind durch Lulas unverhofftes Comeback zwar gebremst, aber nicht gestoppt worden. Obwohl der Namensgeber dieser Bewegung, Jair Bolsonaro, der das Präsidentenamt vom 1. Januar 2019 bis zum 1. Januar 2023 innehatte, wegen eines gescheiterten Putschversuchs unter Hausarrest steht, hat sich diese nicht aufgelöst. Während sein Sohn Flávio als Präsidentschaftskandidat vorerst gescheitert ist, haben andere Familienmitglieder wichtige politische Ämter besetzt. Michelle Bolsonaro, Jairs Ehefrau, und Carlos Bolsonaro, sein Sohn, ziehen in den Senat ein. Jair Renan, ein weiterer Sohn, und Renato, Jairs Bruder, gewannen Sitze in der Abgeordnetenkammer. Für die Ausbreitung des extremrechten Familienclans hat Vijay Prashad die treffende Bezeichnung Nepo-Bolsonarismus geprägt. Die Familie der Bolsonaros ist „nur der sichtbarste Ausdruck eines weiter gefassten Projekts, das seine Wurzeln in mächtigen wirtschaftlichen Interessen und einer strukturell fest verankerten reaktionären Politik hat.“[iii] So hat der Bolsonarismus die Konfrontation mit dem Obersten Bundesgericht, gegen dessen Richter Amtsenthebungsverfahren angestrebt werden, zu einem zentralen Punkt seiner Agenda gemacht. Dank des guten Abscheidens im ersten Wahlgang kann das rechte Lager diese Konfrontation fortsetzen und zudem die Wahl des Senatspräsidenten beeinflussen. Die Gefahr, dass er seine legislative Macht zur Einschüchterung der Justiz einzusetzt, ist eindeutig gewachsen.
Die Wahl brachte aber auch wichtige Vertreter einer kämpferischen Linken ins Parlament. Jones Manoel, der über die PSOL in Pernambuco gewählte kommunistische Historiker, erhielt 249.077 Stimmen und erreichte in Recife den ersten Platz. Elias Jabbour, der kommunistische Geograph, wurde für die PCdoB in Rio de Janeiro als Abgeordneter gewählt.[iv] Als neuer Hoffnungsträger der Linken gilt die 21jährige Ana Elisa Santos Silva aus dem Westen von Minas Gerais, die mit rund 534.000 Stimmen für den PT in die Abgeordnetenkammer einzieht. Die Jura-Studentin und Content-Kreatorin mit zwei Millionen Followern war damit die meistgewählte und jüngste Abgeordnete in ihrem Bundesland. Sie betont: „Wenn die Linke die sozialen Netzwerke nicht beherrscht, werden wir verlieren.“ Nach ihrer Ansicht muss die Linke ihre Mobilisierung auf der Straße in eine digitale Präsenz überführen. Mit anderen Abgeordneten schuf sie einen WhatsApp-Kanal namens „Exército do Lula“ (Lulas Armee), der in wenigen Tagen 1,8 Mio. Follower zusammenbrachte.[v]
Faktoren des Umschwungs
Lula erhielt in der Stichwahl vom 25. Oktober 64.256.232 Stimmen. Flávio Bolsonaro kam auf 59.826.041 Stimmen. Prozentual entspricht der Abstand zwischen den beiden Kandidaten 3,57 Prozentpunkten. Zwischen den beiden Wahlgängen konnte Lula gut 10,38 Millionen Stimmen hinzugewinnen, Bolsonaro lediglich 3,72 Millionen. Damit drehte sich der Rückstand Lulas vom 4. Oktober innerhalb von zwei Wochen in einen Vorsprung von 4.430.191 Stimmen. Seine Mobilisierungskampagne nach dem ersten Wahlgang hat besonders im Nordosten Brasiliens, seiner traditionellen Hochburg, Früchte getragen. Dort erhielt er 24.450.432 Stimmen, was einem Anteil von 69,37 Prozent entspricht. Für Flávio Bolsonaro stimmten hingegen nur 10.796.736. Lulas Überschuss von 13,65 Millionen Stimmen war damit größer als der Abstand gegenüber Flávio Bolsonaro im gesamten Land. Dieser konnte vor allem im Süden, Südosten und Zentralwesten punkten. Dort erreicht er einen Vorsprung von insgesamt 9,26 Millionen Stimmen.[vi]
Was sich bereits während des Wahlkampfs in der zweiten Runde abgezeichnet hatte, wurde in der abschließenden TV-Debatte am 23. Oktober zur Gewissheit: Mit seinen Themen bewies Lula ein besseres Gespür für die Lebensrealität der Brasilianer als sein Kontrahent, der vor allen das Sicherheitsproblem in den Mittelpunkt gestellt hatte. Obwohl dies unzweifelhaft ein wichtiges Thema darstellt, ist es doch nur eines unter mehreren. Hinzu kommt, dass die brasilianische Gesellschaft besonders in der Frage der Polizeigewalt gespalten ist. Nicht alle sehen in mehr Polizei(-gewalt) eine Lösung und für die Menschen in den ärmeren Stadtvierteln ist die Polizei oftmals eine tödliche Bedrohung. Während Bolsonaro blumig versprach, Brasiliens Kriminalitätsprobleme zu lösen, 500.000 zusätzliche Haftplätze zu schaffen und die Staatsausgaben drastisch zu kürzen, verwies Lula auf die positiven Ergebnisse seiner Regierungstätigkeit: Mit seinen zahlreichen Regierungsprogrammen konnte er den Hunger in Brasilien besiegen, die extreme Armut deutlich verringern und die Bildungschancen für die ärmsten Teile der Bevölkerung spürbar verbessern. Der Ausgang der Stichwahl machte klar: Es ist die Sozialpolitik, Dummkopf.
Der Publizist und Brasilienkenner Thomas Fatheuer, der den Wahlsonntag vor Ort erlebte, fasst die Faktoren, die zu Lulas Sieg geführt haben, mit folgenden Worten zusammen: „Für den Wahlsieg Lulas war entscheidend, dass er in dem Endspurt unentschlossene Wähler mobilisieren konnte, Menschen, die keine Fans waren, die aber im entscheidenden Moment sich doch für die Demokratie und gegen einen Putschisten und erklärten Verächter der Demokratie entschieden haben. Die beispiellose Mobilisierung auf den Straßen, aber auch im Internet, dies war wichtig für diese Wende. Und sie wurde nicht von oben, von der PT organisiert, sondern von selbst organisierten Akteur*innen, angefangen von den Student*innen. Nicht alle von ihnen waren und sind Lula-Fans, aber im Kampf gegen die faschistische Bedrohung waren sich alle einig und für Lula. Gerade internationale Beobachter*innen haben immer wieder die ungeheure Popularität Lulas unterschätzt und stattdessen an seinem Alter rumgemäkelt. Die Vitalität und Kraft, aber auch die Authentizität Lulas in den letzten Tagen des Wahlkampfes war imponierend, Flávio wirkte dagegen hilflos, blass und ohne Energie, als Sprachrohr vorgefertigter Texte.“[vii]
Nicht zuletzt dürfte Flávio Bolsonaro seine Verwicklung in einen der größten Finanzskandale der jüngeren brasilianischen Geschichte auf die Füße gefallen sein. Sein Eingeständnis, er habe Millionen Dollar von Daniel Vorcaro, dem inzwischen wegen dubioser Geschäfte inhaftierten Chef der Banco Master, erhalten, um einen Film über das Leben seines Vaters zu produzieren, hatte den Wahlkampf überschattet. Die auch gegen Flávio Bolsonaro selbst eingeleiteten Ermittlungen wegen Korruption, Geldwäsche und Steuerhinterziehung sind ein wesentlicher Grund für seine Flucht in die USA.[viii]
Souveränität oder Unterordnung
Im Wahlkampf hatte Lula immer wieder vor der Einmischung der USA gewarnt. Der Schutz der nationalen Souveränität, die Abwehr ausländischer Einflussnahme und die Verbindungen zwischen dem Bolsonaro-Clan und Donald Trump gehörten zu seinen zentralen Themen. Wie eng letztere sind, hat erneut die Flucht des Wahlverlierers nach Miami gezeigt. Die ideologischen Gemeinsamkeiten und geschäftlichen Interessen allein erklären aber nicht, warum Brasilien für den US-Präsidenten eine Art Kronjuwel darstellt. Dafür gibt es zumindest drei weitere Gründe: Erstens verfügt das größte Land Lateinamerikas, das inzwischen auf Platz acht der weltweit größten Volkswirtschaften gerückt ist, über wichtige strategische Ressourcen. Dort liegen mit rund 21 Millionen Tonnen die zweitgrößten Vorkommen an Seltenen Erden weltweit. Dazu kommen seine Ölreserven, deren Förderung Brasilien im letzten Jahr zum neuntgrößten Erdölproduzenten der Welt gemacht haben. Die riesigen Landflächen in Amazonien und im Cerrado, wo die wachsende Landwirtschaft und die Erfordernisse des Umweltschutzes immer wieder zu Konflikten führen, wie auch das Guaraní-Aquifer, eines der größten Süßwasservorkommen weltweit, wecken ebenfalls Begehrlichkeiten in den USA. Zweitens sind für Trump die engen wirtschaftlichen Beziehungen Brasiliens zur Volksrepublik sowie die Mitgliedschaft Brasiliens in der Gruppe der BRICS in besonderem Maße ein Stein des Anstoßes. Mit der „Donroe-Doktrin“, einer aktualisierten Variante der Monroe-Doktrin, versucht er, den „lateinamerikanischen Hinterhof“ wieder unter die alleinige Kontrolle Washingtons zu bringen. Ein dritter Grund liegt darin, dass sich die Regionalmacht Brasilien neben Mexiko bislang dem allgemeinen Rechtstrend in Lateinamerika widersetzen konnte. Mit der Wahl von Flávio Bolsonaro sollte dies geändert werden. Denn wer in Brasilia regiert, entscheidet maßgeblich mit, ob die „Donroe-Doktrin“ ihr Ziel erreicht oder scheitert. „Fällt die letzte große Regionalmacht, die noch eigene Handlungsspielräume auszuhandeln versucht, bleiben kleineren Staaten kaum noch Optionen jenseits der Anlehnung an Washington oder Peking. Was die USA also in Brasilien beerdigen wollen, ist die Option der ‚aktiven Blockfreiheit‘ für Lateinamerika. … Die Wahl in Brasilien ist damit auch ein Test dafür, wie viel Souveränität in einer Weltordnung noch möglich ist, in der Politik, Familienclans und private Geschäftsinteressen zunehmend verschmelzen“.[ix] In diesem Sinne ist die Wiederwahl Lulas nicht nur ein entscheidender Etappensieg im Kampf um die Souveränität eines ganzen Kontinents.
Der ehemalige griechische Finanzminister und Ökonom Jannis Varoufakis bewertet Lulas Wahlsieg aus der Perspektive eines Klassenkrieges, den – so Warren Buffet in einem bekannten Zitat – die Reichen gegen die Armen führen und bisher auch gewinnen. Obwohl Lula keineswegs ein Revolutionär sei und zu viele Kompromisse mit den Großagrariern und dem evangelikalen Block geschlossen habe, vermittele uns sein Sieg drei Lehren: Erstens müsse die Linke im Klassenkrieg gegen den Faschismus die Mitte gewinnen. Zweitens kann eine progressive Regierung erfolgreich sein, wenn es ihr gelingt, den Fluss der extrahierten Renten, der bislang die Reichen noch reicher macht, nach unten, zu den Verlierern des Krieges der Reichen gegen die Armen, umzulenken. Drittens müssten Alternativen zum Rentensektor geschaffen werden, die dem Gemeinwohl nützen. Das wäre aber ein Vorhaben, das die Macht- und Eigentumsfrage direkt berührt. Womit wir wieder beim Klassenkrieg wären. Immerhin – so Varoufakis – hat Lula zwar nicht diesen, aber immerhin eine wichtige Schlacht gewonnen. Indem Lulas Sieg in Brasilien die „Trump-Welle“ des Aufstiegs der Rechten zunichte gemacht habe, ist klar: „Der einzige Weg, um den Faschismus zu stoppen, besteht darin, den Klassenkrieg an der Seite der Verlierer der Arbeiterklasse zu führen.“[x]
Die Zange, in der Lula steckt
Andere Kommentare, die zwischen den beiden Wahlgängen erschienen sind, zeigen die Zwänge auf, denen sich Lula im Falle seines Sieges ausgesetzt sieht.[xi] In dem von Dirk Ellerbrock verwendeten Bild funktionieren diese wie eine Zange mit vier Backen: Die erste Backe ist die „unabhängige“ Zentralbank, die im Sinne einer Gegenregierung die Sozialprogramme Lulas bewusst konterkariert. Die zweite Backe wird vom Parlament gebildet, das als „Markt der Loyalität“ fungiert, über die Lula immer wieder neu – siehe Centrão – verhandeln muss. Als dritte Backe wird die Justiz wirksam, die gerade in der Vergangenheit von den Rechten als Machtinstrument gegen Lula und Dilma Rousseff, die Brasilien von 2011 bis 2016 regiert und als Präsidentin dessen Politik fortgesetzt hatte, eingesetzt worden war. Dieser als lawfare bezeichnete Bruch der Rechtsstaatlichkeit wird in Lateinamerika immer wieder gegen linke Regierungen und Politiker eingesetzt. Die vierte Backe bezieht sich explizit auf die regionale Vorherrschaft der USA, die ihre wirtschaftliche und militärische Macht zur Rettung ihrer schwindenden Hegemonie einsetzt. Mit dem Dollar als globale Reservewährung, der Kontrolle über die Finanzmärkte, ihren Handelskriegen und Sanktionen verfügt Washington neben seine Militärmacht über ein reichhaltiges Arsenal, um anderen Ländern seinen Willen aufzuzwingen. Diese Aufzählung macht bereits deutlich, dass sich diese Zange mit vier Backen nicht nur gegen Lula einsetzen lässt, sondern zugleich jene Grenzen markiert, denen sich die von Varoufakis geforderte Politik gegenübersieht.
In Bezug auf den äußeren Faktor befindet sich Brasilien im Zwiespalt. Einerseits wird Trump nach der für ihn verlorenen Wahl alles daransetzen, um diese Niederlage wettzumachen. Seit seinem Amtsantritt im Januar 2025 hat er das Kräfteverhältnis auf dem Doppelkontinent Amerika deutlich zu seinen Gunsten verändert. Zwar hat Lula verhindert, dass nun auch Brasilien dem allgemeinen Rechtstrend zu Opfer fällt. Nichtdestotrotz bleibt das Land politisch und sozial tief gespalten. Und Flávio Bolsonaro hat schon unmittelbar nach seiner Ankunft in den USA verkündet, dass er der eigentliche Wahlsieger sei. Andererseits verfügt Brasilien als Regionalmacht und Gründungsmitglied der BRICS über ausreichende Spielräume, um Trump, der sowohl Zuhause als auch anderswo – in Westasien und in der Ukraine – tief in der Klemme steckt, Paroli bieten zu können. Vamos ver.
Abkürzungen:
PSD – Partido Socialdemocrático
PSOL – Partido de Socialismo e Libertade
PCdoB – Partido Comunista do Brasil. Der PCdoB gehört – wie auch die brasilianischen Grünen (PV) – zur Federação Brasil de Esperança (FE Brasil), einem linken Wahlbündnis, das von Lulas Partido dos Trabalhadores (PT – Arbeiterpartei) angeführt wird und im Abgeordnetenhaus über 88 Sitze verfügt.
Anmerkungen:
[i] Wörtlich: „das große Zentrum“. Der Name stammt aus der Verfassunggebenden Versammlung von 1987/88, als sich überwiegend konservative und gemäßigte Abgeordnete über die Parteigrenzen hinweg zusammenschlossen, um die Geschäftsordnung zu ihren Gunsten zu ändern. Seitdem ist damit ein heterogener Block aus verschiedenen Mitte-rechts-Parteien gemeint, die weniger durch eine Ideologie als durch Ämter, Einfluss und Zugriff auf Haushaltsmittel zusammengehalten werden. Die Abgeordneten können im Haushalt Mittel für ihre Wahlkreise festlegen, die so genannten emendas. Wer Mehrheiten will, bezahlt mit diesen Mitteln und mit Posten.
[ii] Die Zahl von 207 Abgeordneten des Centrão stammt von Dirk Ellerbrock. Nach Angaben von Vijay Prashad halten die Parteien der Rechten im Abgeordnetenhaus 303 Sitze (59 Prozent), während die breitere parlamentarische Linke nur auf 124 Sitze (24,2 Prozent aller Abgeordneten) kommt. Offensichtlich ordnet Prashad große Teile des Centrão, das dann nur über 86 Sitze verfügen würde, dem Rechtsblock zu. Vgl. Ellerbrock, Dirk: Die Zangen gegen Lula: Zins, Parlament, Justiz und Dollar, apolut vom 16. Oktober 2026, unter: https://apolut.net/die-zangen-gegen-lula-zins-parlament-justiz-und-dollar-von-dirk-ellerbrock/; Prashad, Vijay: Brasiliens „wütende Flut“ und die bevorstehenden Kämpfe, in: NachDenkSeiten vom 18. Oktober 2026, S. 4
[iii] Prashad, a.a.O., S. 1
[iv] Ebenda, S. 4
[v] Vgl. Hollensteiner, Stephan: Lichtblicke für die Linke in Brasilien. Amerika21 vom 11. Oktober 2026, unter: https://amerika21.de/2026/10/291047/nachlese-erster-wahlgang-2026
[vi] Zu den genannten Zahlen vgl. Brasilien-Wahl 2026: Wo Lula seinen Vorsprung holte, unter: https://www.severint.net/2026/10/26/brasilien-wahl-2026-wo-lula-seinen-vorsprung-holte/
[vii] Fatheuer, Thomas: Eine historische Wende, unter: https://www.kooperation-brasilien.org/de/themen/politik-wirtschaft/eine-historische-wende
[viii] Vgl. Marinko, Jan: Skandal um Banco Master in Brasilien trifft Bolsonaros Lager, amerika21 vom 15. Mai 2026, unter: https://d7.amerika21.de/2026/05/285339/enthuellungen-ueber-flavio-und-vorcaro; zur Flucht in die USA vgl. Steiniger, Peter: Flávio Bolsonaro in Miami gelandet: Flucht offenbar seit Wochen vorbereitet, Berliner Zeitung vom 28. Oktober 2026, unter: https://www.berliner-zeitung.de/article/flavio-bolsonaro-in-miami-gelandet-flucht-offenbar-seit-wochen-vorbereitet-10539634
[ix] Weiss, Sandra: Trumps letzter Gegner, in: IPG vom 24. September 2026, S. 4 und 5, unter: https://www.ipg-journal.de/regionen/lateinamerika/artikel/trumps-letzter-gegner-9311/
[x] Vgl. Brasilien hat die Trump-Welle gerade zunichtegemacht – Yanis Varoufakis & Wolfgang Munchau, The Econoclasts vom 28. Oktober 2026, unter: https://www.youtube.com/watch?v=4a5RSWh1p34
[xi] Vgl. Ellerbrock (siehe Anmerkung 2) sowie Weisbrot, Mark: Nächster Regimewechsel: US-Wahlbeeinflussung nimmt Brasilien ins Visier, neutrality studies vom 13. Oktober 2026, unter: https://www.youtube.com/watch?v=0HLnp936uyI
Bildquellen: [1] Quetzal-Redaktion, gc; [2] Quetzal-Redaktion, soleb