Peru: Kopf-an-Kopf-Rennen bei Stichwahl für das Präsidentenamt in Peru
Wenn die Stichwahl vom Sonntag in Peru ein klares Ergebnis hat, dann ist es das Bild eines gespaltenen Landes. 50,11 Prozent gegen 49,88 Prozent verweisen auf eine Differenz von gerade einmal gut 40.000 Stimmen. Roberto Sánchez vom Juntos por el Perú hat damit zunächst Keiko Fujimori von der Fuerza Popular auf den zweiten Rang verwiesen. Zunächst deshalb, weil noch nicht alle Stimmen ausgezählt sind. Es fehlen noch die Stimmen der etwa eine Million im Ausland lebenden Peruaner. Deren Auszählung wird vermutlich erst morgen beendet sein, und erst dann wird ein Wahlsieger feststehen. Den ersten Wahlgang im April hatte die Rechte Fujimori noch gewonnen, mit insgesamt 17,5 Prozent der Stimmen und fünf Prozent Vorsprung vor dem Linken Sánchez. Die Tochter des früheren Präsidenten Alberto Fujimori strebt erklärtermaßen an, in die Fußstapfen ihres Vaters zu treten. Zumindest hinsichtlich ihres Hangs zu Autoritarismus, Korruption und Machtmissbrauch ist ihr das bereits gelungen. Den Versuch, Präsidentin zu werden, unternimmt sie bereits zum vierten Mal. Keiko Fujimori steht für eine Law-and-Order-Politik und plädierte auch dafür, Peru solle sich zumindest vorrübergehend aus dem Interamerikanischen System für Menschenrechte zurückziehen, vorgeblich um den Terrorismus zu bekämpfen. Ihr Rivale Roberto Sánchez war Minister für Außenhandel und Tourismus im Kabinett von Pedro Castillo, als dessen Erbe er sich sieht. Sein Ziel ist eine Demokratisierung des Bildungssystems, um allen den Zugang zu Bildung zu ermöglichen. Zudem strebt er eine Verrechtlichung der informellen Wirtschaft an, um eine bessere steuerliche Basis für die Bildungs- und Kommunalausgaben zu schaffen. Als Minister setzte er sich für die Entwicklung eines gemeindenahen Tourismus ein, dessen wirtschaftliche Erträge den Erzeugerverbänden und ländlichen Familien in den jeweiligen Regionen zugutekommen. Grundsätzlich befürwortet Sánchez eine Dezentralisierung der Macht und eine Stärkung der Regionalregierungen. Der Ausgang der Wahl bleibt spannend, da Erfahrungen besagen, dass viele Auslandsperuaner dazu neigen, rechts zu wählen. Die Zukunft des Landes ist also nach wie vor offen, nicht zuletzt auch aufgrund der politischen Instabilität des Landes – 2016 hatte mit Ollanta Humala der letzte Präsident Perus seine Amtszeit planmäßig beendet. (Bild: Quetzal-Redaktion, gc)