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Kolumbien: Stichwahl mit knappem Ausgang

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Am Sonntag entschieden sich die Kolumbianer im zweiten Wahlgang der Präsidentschaftswahlen mit 49,7 Prozent der Stimmen unerwartet knapp für den rechtsextremen Kandidaten Abelardo de la Espriella. Sein Kontrahent Iván Cepeda vom Linksbündnis „Pacto Histórico“ kam auf 48,7 Prozent. Angesichts der Ergebnisse der ersten Wahlrunde, in der De la Espriella als Erstplatzierter 43,74 Prozent und Cepeda lediglich 40,90 Prozent erhalten hatten, sowie der hohen Wahlbeteiligung von 63 Prozent während der Stichwahl kam der knappe Vorsprung des Siegers von nur 250.000 Stimmen einer kleinen Überraschung gleich. De la Espriella, der auch von US-Präsident Donald Trump unterstützt wird, konnte vor allem beim Thema Sicherheit punkten. In seinem geschickt arrangierten Wahlkampf konnte er sich einerseits als Außenseiter gegen die traditionelle politische Elite an inszenieren, während er andererseits schon in der ersten Wahlrunde die Unterstützung wichtiger Personen aus dem traditionellen Mitte-Rechts-Spektrum suchte. Nach der Niederlage der Mitte-Rechts-Politikerin Paloma Valencia im ersten Wahlgang sammelten sich nahezu alle Mitte-Rechts-Parteien hinter de la Espriella. Dazu gehören der Partido Conservador, das Centro Democrático des ehemaligen Staatschefs Álvaro Uribe, Cambio Radical, Partido de la U und Teile der Partido Liberal. Dabei konnte er von der Kandidatur des bekannten Wirtschaftsexperten José Manuel Restrepo als Vizepräsident profitieren. Als Akademiker und Publizist sowie als Finanz- und Handelsminister in der rechten Regierung von Iván Duque (2018-2022) hatte er sich erfolgreich als Vertreter der kolumbianischen Wirtschaftselite profiliert. Iván Cepeda ist der Sohn des 1994 ermordeten kommunistischen Senators Manuel Cepeda Vargas. Im Wahlkampf verteidigte er die Friedens- und Reformagenda der Regierung von Gustavo Petro (2022-2026), der bislang einzigen Linksregierung Kolumbiens. Cepeda konnte in der Hauptstadt Bogotá, im Pazifikraum, in großen Teilen des Südens und an der Karibikküste gewinnen, während die wirtschaftliche Zentralregion im Inneren Kolumbiens mehrheitlich für de la Espriella stimmte. Für Lateinamerika, dessen Länder bereits mehrheitlich von rechten Präsidenten regiert werden, signalisiert die Abstimmung in Kolumbien eine weitere Verschiebung der politischen Kräfteverhältnisse in diese Richtung. In Peru, wo die vollständige Auszählung der Stimmen der zweiten Runde der Präsidentschaftswahlen vom 7. Juni erst Mitte Juli erwartet wird, liegt die rechtsextreme Kandidatin Keiko Fujimori mit nur ca. 43.300 Stimmen bzw. 0,24 % vor ihrem linken Gegenkandidaten Roberto Sánchez. Die nächsten Parlaments- und Präsidentschaftswahlen der Region finden am 30. August in Haiti statt, gefolgt von den Wahlen in Brasilien, wo am 4. Oktober sowohl in den Bundesstaaten als auch auf Bundesebene Legislative und Exekutive neu gewählt werden. Sollten sich die Wahlergebnisse in Kolumbien und Peru bestätigen, wäre Luiz Ignacio da Silva (Lula), der Brasilien bereits in der dritten Amtsperiode regiert und erneut als Spitzenkandidat antritt, neben dem uruguayischen Präsidenten Yamandú Orsi vom Frente Amplio, der seit dem 1. März 2025 an der Spitze seines Landes steht, die letzte Hoffnung auf eine linke Regierung in Südamerika. Selbst wenn sich diese nicht erfüllen sollte, bleibt Lateinamerika eine extrem polarisierte Region, in der – bei sich verändernden Bedingungen – das Pendel bald wieder nach links ausschlagen könnte. (Bild: Quetzal-Redaktion, gc)

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