Bolivien: Mit „Plan Cóndor 2026“ gegen Massenproteste
Am Mittwoch hat Rodrigo Paz, der seit November 2025 Bolivien als Präsident regiert, eine Umbildung seines Kabinetts bekannt gegeben. Damit reagiert er auf eine Welle von Massenprotesten, die das Land seit Wochen erschüttern. Am Montag hatten tausende Bauern, Bergleute, Lehrer, Arbeiter und Angehörige indigener Gemeinschaften in La Paz den Rücktritt der Regierung sowie höhere Löhne, wirtschaftliche Stabilität und das Ende der Privatisierungen gefordert. Das Land steckt in der schwersten Wirtschaftskrise seit vier Jahrzehnten. Im April hat die Jahresinflation 14 Prozent erreicht. Unter Federführung des argentinischen Präsidenten Javier Milei haben sieben weitere lateinamerikanische Länder – Chile, Costa Rica, Ecuador, El Salvador, Guatemala, Honduras, Panamá, Paraguay und Peru – der Protestbewegung vorgeworfen, die „demokratische Ordnung“ zu destabilisieren. Wichtige Länder wie Brasilien, Mexiko und Kolumbien fehlen ebenso wie Venezuela, Kuba und Nicaragua, die der Sanktions- und Interventionspolitik der Trump-Administration ausgesetzt sind. Christopher Landau, stellvertretender US-Außenminister, bezeichnete die Massenproteste am Dienstag als „Staatsstreich“. Am selben Tag hatte sich Ex-Präsident Evo Morales bei Grayzone zur Situation in Bolivien geäußert und das Vorgehen der von Washington orchestrierten lateinamerikanischen Rechtsregierungen mit der „Operation Condor“ der Militärdiktaturen der 1970er Jahre verglichen. Der „Plan Cóndor 2026“ habe wie damals auch die Zerschlagung des Widerstandes der lateinamerikanischen Völker gegen die Vorherrschaft der USA zum Ziel. Der Unterschied bestehe darin, dass an der Stelle von Militärs und Todesschwadronen heute Richter und Staatsanwälte diejenigen sind, die die Operation Condor fortsetzen. Er verwies dabei auf die Neuauflage der Monroe-Doktrin durch Donald Trump, die auch als Donroe-Doktrin bekannt ist. Inzwischen haben sich Angaben bestätigt, dass die bolivianischen Sicherheitskräfte nicht nur die die Festnahme der Anführer der Protestbewegung, sondern auch von Evo Morales geplant haben. Außerdem steht die argentinische Regierung im Verdacht, Material zur Aufstandsbekämpfung nach Bolivien geliefert zu haben und die Paz-Regierung beim „Umbau des Staates“ zu beraten. (Bild: Quetzal-Redaktion, pg)
Evo Morales am 19. Mai 2026 bei The Grayzone: „Das Volk hat den Wendepunkt erreicht“
Weitere Angaben zum Vorgehen gegen Evo Morales