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Brasilien: Präsident Lula besucht Spanien und Deutschland

Redaktion | | Artikel drucken
Lesedauer: 3 Minuten

Der brasilianische Präsident Luis Ignácio da Silva (Lula) hat am Sonntagabend zusammen mit Bundeskanzler Friedrich Merz die diesjährige Hannover-Messe eröffnet. Zuvor hatte er in Barcelona gemeinsam mit 18 weiteren Staats- und Regierungschefs am Treffen des internationalen Bündnisses „Global Progressive Mobilisation“ und am Gipfel „Verteidigung der Demokratie“ teilgenommen. Dort unterzeichnete er gemeinsam mit dem spanischen Ministerpräsidenten Pedro Sánchez und der mexikanischen Präsidentin Claudia Sheinbaum eine Erklärung, in der sie „die Achtung der territorialen Integrität Kubas“ und die Einhaltung des Völkerrechts forderten. Die drei Staats- und Regierungschefs verlangten zudem, dass alle Maßnahmen unterbleiben sollten, die die Lebensbedingungen der kubanischen Bevölkerung weiter verschlechtern. Auch der kolumbianische Präsident Gustavo Petro fand während des Treffens klare Worte und bezeichnete die vor mehr als 60 Jahren verhängte US-Blockade gegen die sozialistische Inselrepublik als „Völkermord“, der darauf abziele, „ein Volk zu Tode zu hungern“. Bei Lulas Deutschland-Besuch standen hingegen wirtschaftliche Interessen im Vordergrund. In seiner Eröffnungsrede auf der Hannover-Messe, wo Brasilien als Partnerland mit 140 Ständen vertreten ist, warb er für erneuerbare Energien. Immerhin werden 92 Prozent des brasilianischen Stroms durch erneuerbare Energien erzeugt. Brasilien könne der Europäischen Union helfen, die Energiekosten zu senken und ihre Industrie zu dekarbonisieren. Für Messechef Jochen Köckler ist die Zusammenarbeit mit Brasilien „ein strategisches Bündnis“. Ausgewählt wurde das Land wegen seiner globalen Führungsrolle in Technologien wie erneuerbaren Energien und Digitalisierung sowie seiner geopolitischen Bedeutung. Für Deutschland ist das südamerikanische Land besonders als Lieferant von seltenen Erden attraktiv, die für Laptops, Handys und E-Motoren gebraucht werden. Friedrich Merz betonte in seinem Eröffnungsstatement das gemeinsame Interesse beider Länder an einer regel- und vertragsbasierten Welt. Vom Freihandelsabkommen mit dem Mercosur, zu dem auch Brasilien gehört und das zum 1. Mai wirksam werden soll, erhofft sich der Kanzler in den nächsten Jahren eine Verdopplung des Handelsvolumens beider Länder. 2025 erbrachten die deutschen Ausfuhren nach Brasilien 12,9 Mrd. US-Dollar, während sich die Einfuhren aus Brasilien lediglich auf 8,5 Mrd. US-Dollar beliefen. Bei den Importländern Brasiliens liegt Deutschland mit 5,1 Prozent zwar noch vor Argentinien (4,6 Prozent) und Russland (3,5 Prozent) auf dem dritten Platz, zugleich aber deutlich hinter China mit 26 Prozent und den USA mit 16 Prozent. Ungeachtet der Rolle des größten lateinamerikanischen Landes als Lieferant von Rohstoffen und Agrarerzeugnissen lehnt Lula die Reduzierung darauf ab: „Wir werden keine Modelle akzeptieren, die unser Land auf Ressourcengewinnung reduzieren, um nur die Nachfrage aus dem Ausland zu stillen.“ Aus brasilianischer Sicht bietet die engere Kooperation mit Deutschland und der EU neben der Mitgliedschaft bei den BRICS eine Möglichkeit, der offenen Dominanzpolitik der Trump-Administration entgegenzuwirken. Der Krieg der USA und Israels gegen den Iran ist für Lula „Wahnsinn“. Die Welt sei „dabei, sich in einen einzigen Kriegsschauplatz zu verwandeln“, was es unbedingt zu verhindern gelte. In diesem Punkt liegt auch die entscheidende Gemeinsamkeit seiner Besuche in Spanien und Deutschland. (Bild: Quetzal-Redaktion, gc)

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