Ein Sektor unter Druck
Im Jahr 2025 geriet der Agrarsektor weltweit zunehmend unter Druck. In zahlreichen Ländern gingen Landwirte auf die Straße, um auf die wachsenden Schwierigkeiten der Lebensmittelproduktion aufmerksam zu machen. Besonders in Frankreich und Deutschland sorgten massive Proteste für Schlagzeilen. Doch auch Mexiko ist Teil dieser globalen Krise. Ende Oktober 2025 blockierten bäuerliche Organisationen wie das Movimiento Agrícola Campesino und die Unión Nacional de Trabajadores Agrícolas wichtige Verkehrsachsen in 17 Bundesstaaten. Ihr Vorwurf: jahrzehntelange staatliche Vernachlässigung des ländlichen Raums.
Forderungen nach fairen Bedingungen
Die Forderungen der mexikanischen Landwirte sind ebenso schlicht wie existenziell. Sie verlangen faire Erzeugerpreise, staatliche Förderprogramme, Subventionen sowie Zugang zu Agrarkrediten. Vor allem beim Mais, dem Grundnahrungsmittel des Landes, wird die Schieflage deutlich. Während der Marktpreis lange bei rund 5.000 Pesos pro Tonne lag, fordern die Produzenten mindestens 7.200 Pesos, um kostendeckend wirtschaften zu können.
Hinzu kommen Forderungen nach mehr Sicherheit angesichts der zunehmenden Gewalt durch den Drogenhandel sowie ein entschlossener Kampf gegen das sogenannte „Coyotaje“ – ein System aus Zwischenhändlern, das die Produzenten massiv benachteiligt. Besonders betroffen sind die Bundesstaaten Guanajuato, Querétaro und Michoacán.
Ein Risiko für das ganze Land
Seit Jahren arbeitet der Agrarsektor mit Verlusten. Steigende Betriebskosten, teure Maschinen und Betriebsmittel, mangelnde technologische Ausstattung sowie das Desinteresse jüngerer Generationen an der Landwirtschaft verschärfen die Lage. In den Städten bleibt diese Krise oft unsichtbar, ebenso wie ihre Auswirkungen auf die Preise des täglichen Bedarfs. Bleiben politische Antworten aus, drohen Versorgungsengpässe und eine nationale Lebensmittelkrise mit weitreichenden sozialen und wirtschaftlichen Folgen.
Dialog statt Blockade
Erstmals seit Beginn der Proteste zeichnet sich jedoch Bewegung ab. Am 18. Dezember traten Vertreter der Landwirte und Transportunternehmen in Gespräche mit der Regierung ein. In der Folge wurden Blockaden und Streiks vorübergehend ausgesetzt. Vereinbart wurden unter anderem Modelle zur Verpfändung landwirtschaftlicher Erzeugnisse, die Einbindung von Produzenten in das Mexikanische System zur Marktordnung und Maisvermarktung sowie die Priorisierung von Sammel- und Versorgungszentren. Auch Fragen im Zusammenhang mit dem Handelsabkommen zwischen Mexiko, den USA und Kanada sollen geprüft werden.
Ob diese Gespräche mehr als nur ein politisches Signal sind, wird sich im ersten Quartal 2026 zeigen.
Ein Wendepunkt für die Landwirtschaft?
Die kommenden Monate werden entscheidend sein. Die Umsetzung der Vereinbarungen wird darüber bestimmen, ob der mexikanische Agrarsektor eine Zukunft hat – und damit auch die Ernährungssicherheit des Landes. Klar ist: Ohne faire Preise, Sicherheit und verlässliche staatliche Unterstützung steht nicht nur das Überleben der Landwirte auf dem Spiel, sondern das soziale Gleichgewicht Mexikos insgesamt.
