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Politik und Kultur in Lateinamerika

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Printausgaben

El Otro Sendero

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Buch des peruanischen Autors Hernando de Soto (und seiner rund 75 Mitarbeiter), das erstmals (in Spanisch) 1986 erschienen ist und dessen deutschsprachige Ausgabe den Titel „Marktwirtschaft von unten. Die unsichtbare Revolution in Entwicklungsländern“ trägt. De Soto, seines Zeichens Unternehmer und Wirtschaftswissenschaftler, hat diese Abhandlung, die in Lateinamerika zum Bestseller geworden ist, auf Drängen von Mario Vargas Llosa verfaßt. Das Instituto Libertad y Democracia (ILD) mit Sitz in Lima, das de Soto 1980 gegründet hatte und dessen Präsident er ist, hatte im Vorfeld umfangreiche soziologische Untersuchungen im städtischen informellen Sektor Perus durchgeführt, die als empirische Grundlage für das Buch dienten. Der Titel der Schrift ist bewußt als Gegenstück zum Sendero Luminoso gewählt und thematisiert einen „guerrilla-Kapitalismus“ der aufgrund seiner „Extralegalität“ ebensowenig wie die maoistische Guerilla Recht und Gesetz enspreche. Der Autor betrachtet den informellen Sektor als Motor kapitalistischer Entwicklung, weil er wie kein anderer kapitalistischen Unternehmergeist zur Schaffung von Reichtum verkörpere, während Linke wie Rechte bislang nur Konzepte zum Transfer und nicht zur Erzeugung von Reichtum vorgelegt hätten. Mit diesem right-wing-Romantizismus (Bromley) begibt sich de Soto in den Gegensatz zum International Labour Ofüce und dessen Sicht auf den informellen Sektor. Wesentlichen anti-etatistischen Prämissen des Strukturanpassungkonzepts von Weltbank und IWF verhaftet, lehnt es de Soto jedoch ab, dies als Neoliberalismus zu bezeichnen, da der informelle Sektor nicht Teil einer liberalen, sondern einer (vom Autor „neudefinierten“) merkantilistischen Gesellschaft sei, die in Peru aber nun zerfalle. Dieser Merkantilismus stehe für eine zwischen „Feudalismus“ und „Kapitalismus“ gelegene Periode. Obgleich der Titel anderes suggeriert, ist das Werk in seiner empirischen Basis nur auf Perú bezogen. Doch der Autor beansprucht „so etwas wie ein Paradigma, ein Modell (zu haben), welches zur Analyse der Vorgänge in vielen weiteren Ländern der Dritten Welt taugt.“ (H. de Soto in seinem Vorwort zur englischen und deutschen Ausgabe).