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Quetzal

Politik und Kultur in Lateinamerika

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In eigener Sache: Namensänderung

Redaktion | | Artikel drucken
Lesedauer: 3 Minuten

Noticias_Quetzal_Bild_wiki_CCUnsere Zeitschrift „Quetzal. Politik und Kultur in Lateinamerika“ existiert nun schon fast 30 Jahre. Mit ihrer Gründung hatte sie sich aus politisch bedeutungsvollem Grund den Namen jenes mittelamerikanischen Vogels gegeben, der stirbt, sobald er seiner Freiheit beraubt wird. Leider gab es nun mehrere Anlässe, die uns haben erwägen lassen, diesen schönen und wichtigen Namen durch einen anderen zu ersetzen: 1) Die Schließung der Schokoladenbar „Quetzal“ im Leipziger Zentrum ließ viele Leipziger den Entschluss fassen, sich bei uns nach dem Maya-Rezept für Schokolade zu erkundigen und in den vermeintlichen Räumen unserer Redaktion Tische reservieren zu wollen. Dieser Bitten werden wir nunmehr nicht mehr Herr. 2) Wir haben auch Anfragen nach plastisch-chirurgischen Eingriffen, nach schicken Schuhen und neuerdings nach einem Brettspiel erhalten – sie alle wurden mit der Bezeichnung „Quetzal“ versehen – und sind auch hier gezwungen mitzuteilen, dass wir das nicht leisten können. 3) Wir erfuhren zudem, dass „Quetzal“ in der Rangfolge der vergebenen Vornamen nur auf Platz 10.300 eingekommen ist. Das liegt sicher daran, dass, völlig entgegen den Gender-Empfehlungen, nur Jungen diesen Namen erhielten. Können wir das gleichwohl noch verstehen, hat es uns doch sehr getroffen, dass diese Namensvergabe von einem entsprechenden Blog als „großbürgerlich“ bezeichnet wird (als „hochgebildet“ allerdings auch). 4) Schließlich erreichte uns noch die Mitteilung, dass Bündnis 90/Die Grünen, die bislang noch nicht mitgeteilt haben, ob sie sie nach der nächsten Bundestagswahl eine Koalition „Grün-Schwarz“ oder lieber eine „Ampelkoalition“ eingehen wollen, den Begriff „Ampel“ durch „Quetzal“ ersetzen wollen, zumal damit dieselben Farben vertreten seien. Das Argument lautet: Ihre Reputation würde durch „Ampel“ sinken, weil in Lateinamerika Verkehrsampeln nicht groß beachtet würden, der Quetzal aber schon. Das ist natürlich alles andere als witzig, denn die SPD findet in Lateinamerika schlecht Partnerparteien, weil es da die klassische Arbeiterklasse nicht gibt, die CDU sieht sich damit konfrontiert, dass dortige christdemokratische Parteien noch weiter links stehen als sie selbst (auch wenn letzteres wohl nicht so bleiben wird), und die FDP musste anerkennen, das Liberale in Lateinamerika nicht selten konservativ sind. Wir haben daher völliges Verständnis dafür, dass nun Bündnis 90/Die Grünen einem ähnlichen Schicksal entgehen möchten, zumal sie ja global agieren wollen und dazu Lateinamerika brauchen, man denke nur an den tropischen Regenwald! Auf der Suche nach Alternativen zu „Quetzal“ war unsere Zeitschrift zunächst, um modern zu wirken, im Begriff, sich für ein Initial und folglich für „Q“ zu entscheiden, aber da erinnerten wir uns zum (Un)Glück an den selbsternannten Schamanen im Kapitol und nahmen im gleichen Atemzug von dieser Idee wieder Abstand, schon weil wir jeglichen Anschein von Verschwörungstheorien vermeiden wollen. In den Blick genommen wurde auch „Kukul“ (bedeutet gleichfalls Quetzal) oder „Coatl“ (vgl. Quetzalcoatl), aber ersteres könnte mit einer wurmähnlichen Speise verwechselt und letzteres mit einer gefiederten Schlange assoziiert werden, und beiderlei Getier entspricht nicht unseren ästhetischen Ansprüchen. Schließlich konkurrierten in der Redaktion noch die Namensvarianten „Kolibri“ und „Papagei“. Doch wollte unser Online-Magazin weder als flatterhaft noch als geschwätzig gelten. Verehrte Leser, wir sind ratlos. Was meinen Sie: Sollten wir uns am Ende „Corneja“ (Krähe) oder „Guácharo“ (Fettschwalm) nennen? Das dürfte ja immerhin der klügste Vogel bzw. der mit dem besten Orientierungssinn sein. Oder ist dies dann doch zu schwarz und erinnert zu schrecklich an Hitchcock? Die Redaktion ist dankbar für jeden Alternativvorschlag – senden Sie ihn bitte an: quetzalleipzig@aol.com! (Bildquelle: wiki_CC).

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