Don't cry for me ArgentinaTheater gegen das Verschwinden
Das lateinamerikanische Theater konstituiert sich insbesondere in Argentinien, Chile und Uruguay in den Beziehungen zwischen Tätern und Opfern. Trotz des Verlustes von künstlerischer Freiheit während der Militärdiktatur und dem gewaltsamen Versuch, mittels der Zensur kulturelle Homogenität herzustellen, artikulierte das Theater metaphorische Botschaften, die in dem ideologischen Kontext zirkulierten und sich der totalitären Macht widersetzten. Theater wurde zum Ort der Versammlung, der Kommunikation, der Begegnung und der Freiheit in Ländern, die sich in Gefängnisse verwandelt hatten. Dieses Theater verlangte eine neue theatrale Kommunikation, eine Intimität zwischen Akteur und Zuschauer. Im Moment der politischen und gesellschaftlichen Transformation bot es einen Raum für Vergangenheitsbewältigung und Identitätssuche. Die soziale Theatralik der Gegenwart entfaltet auch in den Zeremonien der Mütter der Plaza de Mayo eine denkwürdige Transzendenz. Jeden Donnerstag besetzen die Frauen, ihre Köpfe mit weißen Tüchern bedeckend, den Platz vor der Casa Rosada, dem Sitz der argentinischen Regierung in Buenos Aires, um gegen das ungeklärte Verschwinden ihrer Kinder und Enkel in den Folterkammern der Militärdiktatur ein Zeichen zu setzen und damit zugleich eine geraubte und gefälschte argentinische Identität zu hinterfragen. Während der letzten Militärdiktatur „verschwanden“ 30.000 Menschen. Von den Militärs entführt und meisten.....